Als Mitte diese Woche der FC Lugano den FC Sion mit 2:1 besiegte, prangte auf der Brust der siegreichen Spieler der Schriftzug «Plan B». Das ist nicht ungewöhnlich, ist doch die Krypto-Kampagne von Lugano Sponsor des örtlichen Fussballclubs. Doch an diesem Tag feierte das Projekt auch den Abschluss der ersten Phase und den Startschuss für Phase II des Projekts «Plan B».
Und in den Short Cuts diese Woche:
• Clarity Act in der Sackgasse
• Neuer Krypto-ATM-Anbieter in der Schweiz
Nach vier Jahren mit «greifbaren Ergebnissen» unterzeichneten Lugano und Tether am 3. März 2026 eine zweite Absichtserklärung für den Zeitraum 2026 bis 2030, die den ursprünglichen Weg mit einer digitalen Entwicklungsstrategie erweitert, die sich auf Souveränität, Resilienz und technologische Autonomie konzentriert und mit der städtischen Digitalstrategie 2025 bis 2030 und der Vision Lugano Duemilatrenta im Einklang steht.
Eine stadteigene Blockchain
Der Startschuss für Phase I erfolgte Anfang März 2022. Der Stablecoinemittent Tether und die Stadt Lugano signierten ein «Memorandum of Understanding». Damit lancierten der Stablecoin-Anbieter und die Stadt Lugano ihren Plan B, der als öffentlich-private Partnerschaft konzipiert ist. In der Tessiner Hauptstadt konnten die Bürger mit Bitcoin, Tether und dem Luganeser-Coin LVGA – mit einem Cashback von 10 Prozent – bezahlen. Tether betreibt dazu einen Validierungsknoten in der stadteigenen Blockchain. Tether ist das Unternehmen, das den globalen gewichtigsten Stablecoin mit gleichem Namen emittiert.
Tippinpoint fragte bei Pietro Poretti, Direktor für wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Lugano, nach, was in den ersten vier Jahren von Plan B erreicht worden sei. «Die erste Phase des Plans B hat reale Ergebnisse für die Stadt, ihre Einwohner und Unternehmen geliefert», antwortete er. Bezüglich Bildung und Kompetenzentwicklung seien Universitätskurse und Ausbildungsprogrammen in Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Universitäten mit Schwerpunkt auf dezentralen Technologien und digitaler Finanzwirtschaft gestartet worden.
Kompetenzzentrum und Kryptozahlungen
Zudem sei ein physischer Hub im Zentrum von Lugano eröffnet worden, der Start-ups und Fachleuten aus den Bereichen Bitcoin, Blockchain und Peer-to-Peer-Technologie gewidmet ist. Des Weiteren finde mit dem Plan-B-Forum eine jährliche Konferenz zu Bitcoin und dezentralen Technologien statt, die mittlerweile über 4000 Teilnehmer aus mehr als 60 Ländern zählt und zu einer der führenden internationalen Veranstaltungen in diesem Bereich geworden ist.
Gemäss Poretti haben sich digitale Zahlungen in der Region verbreitet: «Mehr als 400 lokale Unternehmen können nun Zahlungen in Bitcoin, Tether und LVGA akzeptieren, wodurch digitale Währungen in den Alltag der Stadt integriert wurden. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Stadt 4516 Transaktionen in Tether/BTC unter Verwendung des Lugano Plan B Point-of-Sale erfolgt, mit der «Luganeser Kryptowährung LVGA seien 2025 113'936 Transaktionen mit 465 Partnern erfolgt. «Die Zahl der Händler ist auf derzeit auf 472 Partner gestiegen – der Trend ist positiv», gibt Poretti zu Protokoll.
Über 100 Unternehmen angezogen
Krypto-Innovationen seien auch im öffentlichen Dienst angekommen, mit der Einführung von Instrumenten wie digitalen Anleihen und der Möglichkeit, bestimmte öffentliche Zahlungen in digitalen Währungen zu tätigen. «Wir haben ein wirtschaftliches Ökosystem geschaffen und rund 120 Unternehmen aus den Bereichen Fintech und Blockchain angezogen. Das erhöhte internationale Sichtbarkeit für Lugano als Zentrum für technologische Innovation», ergänzt Poretti.
Angesprochen auf Beispiele von Unternehmen, die nach Lugano gezogen sind, nennt der Beamte Blockstream und Zefix. Aus den Medien war zu entnehmen, dass etwa die Sygnum Bank im Oktober 2024 eine Zweigstelle in Lugano eröffnet hat. Im selben Jahr hat auch der Bitcoin-Milliardär Christian Angermayer seinen Wohnsitz nach Lugano verlegt.
Auf Bestehendem aufbauen
Die zweite Phase des Plans B soll auf den bereits geschaffenen Grundlagen aufbauen und den Aktionsradius auf folgende Bereiche ausweiten. Digitale Resilienz: Stärkung der Fähigkeit der Stadt, Infrastruktur, Dienste und Daten autonom und sicher zu verwalten. Interoperabilität: Unterstützung offener und kompatibler Systeme, um zukünftige Innovationen zu ermöglichen. Lokales Fachwissen: Förderung der Entwicklung fortgeschrittener Kompetenzen in Bereichen wie dezentrale Technologien und künstliche Intelligenz. Einfachere und sicherere Dienstleistungen: Verbesserung der digitalen Erfahrung von Einwohnern und Unternehmen durch effiziente und transparente öffentliche Dienstleistungen.
Wie der Kryptobereich weltweit wird auch die zweite Phase des Plan-B-Projekts breiter und bewegt sich Richtung KI, Tokenisierung und digitale Identitäten. Das Programm ist in fünf Kernbereiche unterteilt. Die erste Säule will die institutionelle Infrastruktur stärken durch den Ausbau von SwissLedger zu einer Blockchain für die Realwirtschaft, Tokenisierung von Vermögenswerten und Bildungsangeboten zu Bitcoin. Die Säule zwei fördert den digitalen Handel. Lugano soll als Hub für den digitalen Rohstoffhandel und Handelsfinanzierung unter Nutzung von Stablecoins und Smart Contracts etabliert werden.
Die digitale Identität ist Thema der dritten Säule. Hier ist es die Absicht, ein dezentrales, datenschutzfreundliches Identitäts-Ökosystems (Zero-Knowledge-Proofs) für Bürger und Unternehmen aufzubauen. Die Säule IV beschäftigt sich mit dem Aufbau einer lokalen KI. Diese soll durch die Entwicklung eines souveränen Ökosystems für künstliche Intelligenz und autonome wirtschaftliche Agenten geschaffen werden. Die resiliente Stadt umfasst die Säule fünf. Ziel ist es hier, eine unabhängige digitale Infrastruktur mit dezentraler Speicherung und Peer-to-Peer-Netzwerken für kritische Dienste aufzubauen.
Die Stadt behält die Aufsicht
Die Zusammenarbeit mit Tether wird im Rahmen eines bis 2030 laufenden Programms fortgesetzt und vom Stablecoin-Unternehmen mit bis zu 5 Millionen Franken unterstützt, hauptsächlich durch Know-how, Infrastruktur, Forschung und Bildung. «Die Governance des Projekts bleibt aber bei der Stadt, und die Zusammenarbeit ist nicht exklusiv. Die Fondazione Plan B koordiniert die Aktivitäten und wird durch neue Ressourcen gestärkt», sagt Pietro Poretti.
Auf die Frage, ob die Erweiterung des Projekts auf digitale Identitäten und den digitalen Handel, eine Folge der Kursschwäche von Bitcoin sei, antwortet Poretti: «Der im Vergleich zur ersten Phase erweiterte Umfang ist eine natürliche Entwicklung, die die Vision beider Partner der Zusammenarbeit – der Stadtverwaltung und Tether – spiegelt. Viele der neuen Bereiche, die in der anfangs dieser Woche unterzeichneten Absichtserklärung behandelt werden, standen bereits in früheren Ausgaben des Plan-B-Forums im Vordergrund». Die digitale Souveränität sei wohl eines der drängendsten Themen unserer Zeit, unabhängig von der Bewertung digitaler Vermögenswerte. Das sehe man auch in der digitalen Strategie der Stadt.
Gold, Manager und Funktionen in der Schweiz
Die Seriosität von Tether - etwa bezüglich hinterlegte Sicherheiten – aber auch die Corporate Governance wird von Kritikern immer wieder in Zweifel gezogen. Zudem entspricht der Tether vielen strengen US- und EU-Anforderungen (Mica) nicht mehr. Zwar hat der Stablecoin-Emittent Tether seinen Sitz in El Salvador, doch immer wieder gibt es Stimmen, die sagen, dass er eigentlich schweizerisch ist (nur die Steuern nicht hier zahlt). Wichtige Personen aus der Geschäftsführung und Funktionen hierzulande «zuhause». Das Unternehmen soll nach eigenen Angaben in einem Schweizer Bunker Gold im Wert von gegen 10 Milliarden Dollar lagern. «Wir haben unseren eigenen Tresor. Ich glaube, es ist der sicherste Tresor der Welt», sagte CEO Paolo Ardoino in einem Interview mit Bloomberg. Tether (USDT) ist mit einer Marktkapitalisierung von aktuell nahezu 180 Milliarden Dollar der grösste Stablecoin im Kryptomarkt. Gemessen am täglichen Handelsvolumen von durchschnittlich rund 100 Milliarden Dollar schlägt die Kryptowährung, die den Dollar eins-zu-eins abbildet, den Bitcoin deutlich.
Der Stablecoin ist seit dem Erlass des Genius Act in den USA nicht mehr zugelassen. Das Unternehmen hat mit der Einführung des USA-Tether auf den Regulierungsdruck reagiert. Der neue Token ist Genius Act konform, wird von der Anchorage Digital Bank emittiert und zielt insbesondere auf institutionelle Kunden. Der traditionelle Tether ist aber weiterhin eine Geldmaschine. Stablecoins dürfen (noch) keine Erträge auf den hinterlegten Sicherheiten auszahlen und halten diese ein. Tether erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Gewinn von 10,6 Milliarden Dollar.
Bisher mehr Hype als Nutzen
«Das sollten Sie die Banken fragen», antwortet Poretti lachend auf die Frage, ob sich die Zusammenarbeit mit den Banken verbessert habe. Es hänge wahrscheinlich auch davon ab, was man darunter verstehe. Schweizer Banken würden ihren Kunden zunehmend Kryptowährungen als neue Anlageklasse anbieten. Nach seiner Meinung habe die Blockchain-Technologie vor allem neue Geschäftsmodelle und Möglichkeiten im Banken- und Finanzsektor geschaffen. «Im Jahr 2025 haben wir das Web-3-Banking-Symposium in Lugano veranstaltet.» Das Interesse des Finanzsektors an dieser Technologie sei spürbar und die Themen für das diesjährige Symposium bereits definiert.
Die Lancierung des Plan B vor vier Jahren war ein Geniestreich des Standort-Marketings. Der gebeutelte Finanzplatz in der Südschweiz gewann als «Bitcoin-City» neues Profil und zieht wieder Talente und Unternehmen an. Oft sind es zwar noch mehr Ankündigungen und Events statt reale Geschäftsfälle und Nutzen für Anwender und Bürger. Doch die Voraussetzung stimmen und die Kryptoinfrastruktur läuft. Ein Risiko bleibt die enge Verflechtung mit dem kontroversen Privatunternehmen Tether.
Short cuts: News aus der digitalen Welt
Clarity Act in der Sackgasse
Die Einführung des Clarity Acts, der in den USA klare Kryptovorschriften schaffen und die Akzeptanz von Kryptowährungen erhöhen soll, kommt ins Stocken. Der Gesetzentwurf kam im Januar zum Stillstand, weil Banken sich gegen eine Bestimmung aussprachen, die es Stablecoin-Emittenten und Krypto-Unternehmen erlaubt, renditestarke Produkte und andere Vergütungen anzubieten. Dies würde bei den Banken zum Abzug von Einlagen führen und den Instituten die Gewährung von Krediten erschweren. In der Folge schaltete sich das Weisse Haus mit Kompromissvorschlägen ein und schlug vor, das Stablecoin-Prämien unter bestimmten Umständen zugelassen würden, beispielsweise bei Peer-to-Peer-Zahlungen, jedoch nicht für ungenutzte Stablecoin-Bestände. Doch das Kryptowährungsgesetzgebung befindet sich weiter in der Sackgasse, weil die Banken diesen Kompromiss nicht unterstützen. Präsident Donald Trump wirft den US-Banken vor, sie würden versuchen, das Gesetz zu untergraben.
Trump, der im Wahlkampf um Kryptowährungen geworben hatte, hat die Krypto-Reform während seiner zweiten Amtszeit zur Priorität erklärt. In einer Erklärung schrieb die American Bankers Association, die Kreditgeber hätten konstruktive Ideen vorgelegt, um den Gesetzentwurf voranzubringen, ohne die Einlagen zu gefährden: «Die Risiken für das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität sind real, wenn die Politik hier nicht die richtigen Entscheidungen trifft.» Damit wir unsicher, ob der Gesetzentwurf noch in diesem Jahr verabschiedet werden kann. Die Chancen für ein Krypto-Gesetz würden weiter sinken, wenn die Demokraten im November Sitze im US-Kongress gewinnen würden, da die Partei in der Haltung zu Kryptowährungen stärker gespalten ist als die Republikaner.
Neuer Krypto-ATM-Anbieter in der Schweiz
Die rein subjektive Einschätzung ist: Geldautomaten für Kryptowährungen sind nicht unbedingt das, worauf Bürgerinnen und Bürger gewartet haben. So war unter anderem auch dem Bitcoin-Kauf an SBB-Billett-Automaten kein grosser Erfolg beschieden. Das hindert das Unternehmen Rothbard nicht daran, sieben Bitcoin-Geldautomaten in Genf, Luzern und Zürich aufzustellen. Die Standorte sind auf der Website Rothbard.eu ersichtlich. Das Unternehmen hat zudem Pläne, das Netzwerk in diesem Jahr auf 40 Standorte auszubauen. Mit den Bitcoin-Geldautomaten von Rothbard können Nutzer Bitcoin, Ether, Litecoin, USD-Token, USD-Coin, Tron, Binance-Coin, Solana und Polkadot gegen Schweizer Franken kaufen und verkaufen.
Man erhält den Eindruck, dass das Unternehmen vor allem auf den Verkauf von Coins gegen Franken setzt. Das kann man über den Computer machen und das Geld mittels QR-Codes später am ATM beziehen. Für jeden Automaten ist auf der Website der aktuelle Frankebestand aufgeführt. Reicht dieser nicht für die Transaktion, soll er in wenigen Tagen aufgefüllt werden. Alle Rothbard-Automaten unterliegen den Schweizer Regulierungsstandards und sind Mitglieder der Selbstregulierungsorganisation VQF. Das Unternehmen gibt an, dass sein Compliance-Modell darauf ausgelegt sei, die lokalen Geldwäscherei- und KYC-Pflichten zu erfüllen und gleichzeitig die Erfassung unnötiger Daten zu minimieren. Die Transaktionen sind gebührenfrei, der Spread hat es aber in sich. Am Donnerstag werden etwa für den Bitcoin Bid/Ask angegeben: 54’978 auf 60’132 Franken.

