Seit Donald Trump das Amt als Präsident angetreten hat, haben Krypto-Assets als Ganzes rund 30 Prozent ihres Wertes verloren. Der neue starke Mann im Weissen Haus wollte die USA zum «Krypto-Hauptort der Welt» machen. Während den Wahlen und zu Beginn seiner Präsidentschaft herrschte viel Euphorie im Markt und der Bitcoin erklomm einen neuen Höchststand. Doch mittlerweile herrscht Katzenjammer.
Das liegt nicht nur am «Clarity Act», einem wichtigen Gesetzentwurf zur Regulierung von Kryptowährungen, der vom US-Kongress blockiert wird. Vielmehr hat der Umgang des Umfelds der Familie Trump mit Krypto Assets die Anleger verunsichert. Dieses oft als Selbstbereicherung bezeichnetes Verhalten des Trump-Umfelds ist ein Grund, dass viele US-Politiker vorsichtig werden, wenn es um neue Krypto-Gesetze geht.
Und in den Short Cuts diese Woche:
- Satoshi wurde schon wieder gefunden
- «Nur Strategy treibt Bitcoin»
Die jüngste Klage eines zwielichtigen Krypto-Magnaten zeigt, dass die Trump-Familie wenig von den Grundsätzen der Dezentralität und Zensursicherheit hält, die als Vorteile und Stabilitätsanker von Kryptowährungen gelten Zudem wird offensichtlich, dass man sich auf dünnes Eis begibt, wenn man in Projekte des präsidialen Umfelds investiert. Vor wenigen Tagen reichte der Unternehmer Justin Sun vor einem Federal Court in San Francisco eine Klage in Höhe von 45 Millionen Dollar gegen World Liberty Financial ein, weil die Gesellschaft ihn betrogen habe.
World Liberty Financial (WLF) ist ein Ableger des Kryptogeschäfts der Trump-Familie. Diese hält 38 Prozent am Unternehmen mit Sitz in Florida, hat sich aber das Recht gesichert, 75 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf des WLF-Tokens zu erhalten. Das Unternehmen hält fest, dass die Beliebtheit seiner Produkte und Dienstleistungen teilweise vom Ruf und der Popularität des Präsidenten abhänge.
Familien Trump und Witkoff
Das Unternehmen wurde 2024 gegründet – und zwar mit einem zweistündigen Online-Livestream mit Donald Trump und einem Verkauf von WLF-Token. Seine Söhne Donald Jr., Eric und Barron werden als Co-Gründer aufgeführt. Präsident Trump wird als Mitbegründer Emeritus aufgeführt, ebenso wie Steve Witkoff, der Immobilienentwickler, der als Trumps Nahost-Gesandter fungiert und für die Aushandlung eines Friedensabkommens mit dem Iran verantwortlich ist. Auch Witkoffs Söhne Zach und Alex sind als Co-Gründer eingetragen.
Bei den Token handelt es sich um Governance-Token ohne Wert. Die Inhaber erwerben lediglich das Recht, über Unternehmensentscheide abzustimmen. Der Verkauf oder die Übertragung von WLF-Token ist vorerst nicht möglich. Dies soll zu einem noch nicht bestimmten Zeitpunkt aber möglich werden.
Rettung der Token-Emission?
Sun nimmt für sich in Anspruch, World Liberty Financial im November 2024 vor einem verpatzten Start gerettet zu haben. Das Unternehmen wollte durch den Verkauf seiner WLF-Token 300 Millionen Dollar einzunehmen, hatte jedoch am ersten Tag nur 12 Millionen und im ersten Monat 22 Millionen Dollar eingenommen. Dann folgte der Auftritt von Justin Sun. Er erwarb zwischen November 2024 und Januar dieses Jahres für 45 Millionen Dollar 3 Milliarden WLF-Token.
Sun ernannte sich zum grössten Investor von WLF und schrieb auf X in einem Tweet: «Die USA werden zum Blockchain- sowie Bitcoin-Hub und verdanken das @realDonaldTrump!» Als Dank ernannte ihn WLF zum Unternehmensberater und schenkte ihm eine weitere Milliarde Token im Wert von 15 Millionen Dollar. In seiner Klage behauptet Sun nun, erst nachdem seine Investition öffentlich geworden sei, sei World Liberty durchgestartet und habe 550 Millionen Dollar durch den Token-Verkauf eingenommen.
Eingefrorene Token
Doch das Verhältnis zwischen dem Krypto-Unternehmen und seinem vermeintlich grössten Investor kühlte schnell ab. Kurz bevor Suns WLF-Token handelbar werden sollten, änderte das Unternehmen 2025 angeblich heimlich die Regeln, um die Übertragung von Token durch bestimmte Inhaber einschränken zu können. Obwohl die Token-Inhaber angeblich das Recht hatten, über eine solche Änderung abzustimmen, hat gemäss Sun keine Abstimmung stattgefunden. In der Klage schreibt er: «World Liberty hat sich diese Befugnis einfach selbst angeeignet.» In den Monaten vor dieser Änderung habe das Management versucht, Sun unter Druck zu setzen, damit er noch mehr in WLF investiere.
Um den Druck zu erhöhen, habe das Unternehmen seine Token eingefroren, heisst es in der Klage von Sun. Das WLF-Management habe gedroht, die Token zu verbrennen – d.h. dauerhaft wertlos zu machen – und ihn bei den US-Strafverfolgungsbehörden anzuzeigen. Das Krypto-Unternehmen setzte über X die Anschuldigung ab, dass es Sun der Veruntreuung von Geldern anderer Inhaber verdächtige. Kurz nach Einreichen der Gerichtsklage von Sun, twitterte WLF-Geschäftsführer Zach Witkoff, die Klage sei ein verzweifelter Versuch, die Aufmerksamkeit von Suns eigenem Fehlverhalten abzulenken. Seine Behauptungen seien völlig unbegründet, und World Liberty sehe der raschen Abweisung der Klage erwartungsvoll entgegen». WLF erklärte sich aber bereit, Suns Token nicht zu verbrennen oder zu veräussern, bis der Fall entschieden oder beigelegt ist.
Eine Hand wäscht die andere
Der ehemalige chinesisch Staatsbürger Sun, der in Hongkong wohnt, sich nun aber als Staatsbürger der Karibiknation St. Kitts und Nevis und von Malta bezeichnet, ist allerdings auch kein Chorknabe. Nachdem Trump Präsident geworden war, schloss die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission einen Fall aus dem Jahr 2023 ab, in dem Suns Handelsfirma Betrug und andere Verstösse gegen das Wertpapierrecht vorgeworfen wurden. Der Vergleich sah vor, dass Suns Gesellschaft lediglich eine Strafe von 10 Millionen Dollar zahlen musste, ohne dass er ein Fehlverhalten eingestehen musste.
Dies erschien vielen Beobachtern wie eine Gegenleistung für die Unterstützung für Trump in seinem Wahlkampf, in dem Sun nicht müde wurde, sein Vertrauen in Donald Trump hervorzuheben und sein angebliches Engagement für dezentrale Finanzen zu loben. Investigative Journalisten hatten auch versucht, Unregelmässigkeiten in verschiedenen Unternehmensübernahmen von Sun aufzudecken, darunter den Peer-to-Peer-Streamingdienst BitTorrent. Sun wurde in der breiten Öffentlichkeit bekannt, als er im September 2024 über 6 Millionen Dollar für ein Kunstwerk ausgab, das aus einer mit Klebeband an einer Wand befestigten Banane bestand. Sun bewies sein Kunstverständnis, indem er die Banane verzerrte und ein Video davon auf Social Media verbreitete.
Stable- und Memecoins
So unbedeutend diese Geschichte um World Liberty Financial für den gesamten Kryptomark am Ende auch sein wird, zeigt sich doch, wie naiv es wäre zu glauben, dass ein Politiker, der als «Sonnenkönig» auftritt, erratische Entscheidungen fällt und die Notenpresse der Federal Reserve dringend braucht, um seine Politik zu finanzieren, zum grössten Förderer einer dezentralen, basisdemokratischen Zahlungstechnologie werde.
Mit der Lancierung von World Liberty Financial liess sich Trump als Blockchain-Pionier feiern und erschloss sich zuvor als Bitcoin-Förderer neue Wählerkreise. Die Token-Technologie eignet sich vorzüglich, um diskret Unterstützergelder einzusammeln. Auch die Machtbasis lässt sich zügig erweitern. Das Krypto-Unternehmen DWF aus den Vereinigten Arabischen Emiraten schrieb in der Pressmitteilung zum Kauf von WLF-Token über 25 Millionen Dollar offenherzig, die Akquisition erfolge auch, um die Zusammenarbeit mit US-Politikern auf regulatorischer Ebene zu verbessern. Zum Jahresbeginn des laufenden Jahres hat WLF eine Lizenz für den «World Liberty Trust» beantragt. Dieser gibt den Stablecoin USD1 herauszugeben. Tether und Circle habe bewiesen, dass sich mit der Emission von digitalen Dollars Milliarden verdienen lässt.
Der Name Trump steht für… Verluste
WLF ist nicht das einzige Projekt, mit dem die Trump-Familie den Krypto-Trend versilbern will. Die Trump Media & Technology Group (TMTG) hat der US-Börsenaufsicht einen Zulassungsantrag für einen ETF eingereicht, der einen Korb mit führenden Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Solana abbilden soll. Als reine Abzocke könnte man die verschiedene Memecoins bezeichnen, die den Namen (respektive die Vornamen) der Familie tragen. Während einige inoffiziell sind, wurde der $TRUMP Token zeitweise direkt durch öffentliche Auftritte und Firmenbeteiligungen mit dem Familienimperium in Verbindung gebracht. Trumps Kryptowährungs-Projekte seien nichts weiter als ein Feigenblatt für Schmiergeldzahlungen von ausländischen Staatsangehörigen und Regierungen, tweetete ein demokratischer Senator aus Connecticut, als Trump ein privates Abendessen in seinem Golfclub in Virginia und persönliche Führungen durch das Weisse Haus für die grössten Käufer von $TRUMP in Aussicht stellte.
Für Investoren ist der Name Trump zum Synonym für Desaster geworden. Von den Memecoins konnte man nicht viel mehr als ein Kurseinbruch erwarten – das haben andere Memecoins schon vorgemacht. Der World Liberty Financial Token ist seit der Emission nur gefallen von 31 Cents auf aktuell 6,4 Cents. Die Alt5 Sigma Corp., die im August 2025 1,5 Milliarden Dollar einsammelte, um WLF-Token zu horten, gab diese Woche bekannt, dass sie sich in AI Financial Corp. umbenennen werde, um einen neuen Schwerpunkt zu spiegeln. Die Aktien des Unternehmens sind seit Einführung um 90 Prozent gefallen. Eine vergleichbare Erfolgsgeschichte findet sich auch bei American Bitcoin, dem Krypto-Mining-Unternehmen, zu dessen Mitbegründern Eric Trump zählt. Diese Valoren sind vom Hoch im September des vergangenen Jahres um 85 Prozent gefallen.
Short cuts: News aus der digitalen Welt
Satoshi wurde schon wieder gefunden
Es ist nicht Adam Back, wie John Carreyrou in der New York Times vom 8. April enthüllte. Der zweifache Pulitzerpreisträgers glaubt anhand von orthografischen Eigenheiten beweisen zu können, dass Back der Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto sei. Die vor wenigen Tagen erschienen kostenpflichtige Dokumentation «Finding Satoshi» kommt zu einem anderen Schluss – und zwar, dass es zwei Erfinder waren und beide mittlerweile verstorben sind. Der 2014 verstorbene Cyberpunk Hal Finney und der 2011 verstorbene Kryptograph Len Sassaman sollen es sein. Für den umfangreichen Dokumentarfilm arbeitete der Bestsellerautor William Cohan mit Tyler Maroney, einem privaten Detektiv der Firma QRI, zusammen. Die Recherchearbeit soll mehr als drei Jahre in Anspruch genommen haben. In der Dokumentation geht es darum, den Kreis der möglichen Kandidaten immer weiter einzugrenzen, insbesondere durch den Abgleich der Zeitspannen, zu denen die jeweiligen Personen typischerweise online aktiv waren, mit denen von Satoshi Nakamoto. Wie auch in den bisherigen Versuchen, Satoshi Nakamoto zu identifizieren, bleibt ein handfester Beweis auch diesmal aus. Dieser könnte nur Satoshi selbst liefern, indem er seine ursprünglich geschürften Bitcoins bewegt oder mit dem privaten Schlüssel zu diesen Coins eine Nachricht signiert. Die Motivation ist aber gering – denn als erstes würde wohl eine Steuerrechnung in den Briefkasten flattern, für ein viele Milliarden schweres Bitcoin-Vermögen.
«Nur Strategy treibt Bitcoin»
Seit dem Tiefstand im Februar ist der Bitcoin um 20 % gestiegen. Gemäss dem Chief Investment Officer von Bitwise, Matt Hougan, ist der entscheidende Treiber des Bitcoin-Kurses der konsequente Kauf durch Michael Saylors Treasury-Unternehmen Strategy. In den vergangenen acht Wochen habe Strategy Bitcoin im Wert von 7,2 Milliarden Dollar hinzugekauft. Zwar hätten auch Bitcoin-ETF und Käufe von Grossinvestoren zur jüngsten Bitcoin-Rallye beigetragen, doch entscheidend sei die Einkaufsstrategie von Michael Saylors Unternehmen, schreibt der Bitwise-Anlagechef. Hougan geht davon aus, dass die Käufe von Strategy noch einige Zeit andauern werden, angetrieben durch die Ausgabe von unbefristeten Vorzugsaktien des Unternehmens, die den Anlegern eine feste Dividende zahlen, solange Strategy tätig ist.

