Die Titel von Partners Group sind gestern um vier Prozent gefallen. Hintergrund war ein Bericht von Grizzly Research, einem Shortseller, dessen zum Teil waghalsige bis grenzwertige Reports an den Börsen für Aufruhr sorgen und ihm mehrere Klagen eingebracht haben.
Nach Angriffen auf Firmen wie Trustpilot, HelloFresh und Sinch hat Grizzly Research hat Grizzli Research nun also Partners Group ins Visier genommen. «We Have Severe Concerns About Partners Group Holding AG’s Valuation Marks in Their Prominent Evergreen Funds», wirft Grizzly dem Investor aus Zug vor.
Im Bericht heisst es dann: «Wir haben die Kapitalstruktur, die zugrunde liegenden Beteiligungen und die lokalen Filings der grössten Evergreen-Fonds der Partners Group, allen voran ihres Master-Fonds, eingehend geprüft. Wir haben unsere Ergebnisse mit denen anderer Unternehmen der Branche verglichen und uns mit Branchenexperten, ehemaligen Mitarbeitern der Partners Group sowie Finanzprofessoren beraten, die angesichts unserer Erkenntnisse tiefe Besorgnis äusserten. Ein Professor bemerkte nach sorgfältiger Prüfung unserer Analyse, die Situation sei ‘schlimmer als bei Wirecard’.»
Maximal schädliche Vorwürfe
Das sind maximal schädliche Vorwürfe. Der zitierte Professor wird als Experte für «forensische Compliance» beschrieben – tritt jedoch nicht namentlich auf, was kaum überrascht. Partners Group hat den Bericht umgehend zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass externe Gutachter die Bewertungen monatlich prüfen.
Beim Angriff auf die Evergreen-Struktur und dem Vorwurf, die Beteiligungen in den Fonds seien systematisch zu hoch bewertet, bedient sich Grizzly der gängigen Argumentationslinie: Bewertungen basieren auf internen Modellen, vergleichbare Assets am Markt – etwa börsenkotierte Konkurrenten – sind teils deutlich günstiger bewertet, zudem kommt es zu Zeitverzögerungen bei Abschreibungen in illiquiden Märkten.
Es liegt in der Natur des Marktes, dass Bewertungsmodelle viel Spielraum für Interpretationen lassen. Das heisst jedoch nicht, dass sie automatisch falsch sind. Grizzly kann denn auch keine Belege für systematische Fehlbewertungen liefern.
Parallelen zu Hindenburg Research
Der Kurseinbruch von vier Prozent hält sich in Grenzen. Bei früheren Angriffen auf einzelne Titel kam es zu deutlich stärkeren Reaktionen. So brach die Aktie von Trustpilot Ende 2025 zeitweise um rund 30 Prozent ein. Die Delle war allerdings bereits nach einem Monat wieder ausgebügelt.
Für Grizzly dürfte sich der Angriff dennoch gelohnt haben. Das Geschäftsmodell ist einfach und umstritten: Der Shortseller baut eine Short-Position auf, publiziert einen kritischen Bericht und profitiert anschliessend von fallenden Kursen. Ähnlich operierte auch Hindenburg Research, die in der Schweiz durch die Attacke auf die Softwarefirma Temenos bekannt wurde. Inzwischen hat sich der Shortseller jedoch aus dem Geschäft zurückgezogen.
Grizzly Research wurde 2020 vom Deutschen Siegfried Eggert gegründet und ist gemäss eigenen Angaben in New York aktiv. Laut LinkedIn war Eggert einst Handballtrainer beim VfL Gummersbach, bevor er 2014 als Trainee ins Banking einstieg.

