Wirbel um HCD-Sponsor
Die polnische Kryptobörse befindet sich in schweren Turbulenzen. Verwaltungsrat Guido Bühler ist zurückgetreten. Der Gründer und CEO von Zondacrypto soll sich nach Israel abgesetzt haben.
22. April 2026 • Beat Schmid

Beim Hallensponsor des HCD eskalieren die Negativschlagzeilen. Przemysław Kral, Gründer und Chef der Kryptowährungsbörse Zondacrypto, sei wie vom Erdboden verschluckt, berichten polnische Medien. Er nehme weder Anrufe entgegen noch antworte er auf Nachrichten. Inzwischen wird spekuliert, dass sich der Gründer der Kryptoplattform mit angeblich über einer Million Kundinnen und Kunden nach Israel abgesetzt habe – nachdem er vor Kurzem den Pass mit der Menora erhalten haben soll.

Zuvor sind mehrere Verwaltungsräte des Unternehmens zurückgetreten, darunter Guido Bühler. In einem gemeinsamen Statement mit zwei weiteren Verwaltungsräten schreibt er: «In einer Governance-Struktur, in der Eigentümerschaft und operative Führung in einer einzigen Person konzentriert sind, setzt eine wirksame Aufsicht Transparenz, rechtzeitige Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen voraus. Leider ist dieses Fundament in wesentlicher Weise untergraben worden.» Bühler war zuvor auch aus der Swiss Blockchain Federation ausgetreten, wie das Crypto Valley Journal berichtete. Der Investor ist Mitgründer der Schweizer Kryptobank Amina.

Kein Zugrif auf Cold Wallet

Die Staatsanwaltschaft Katowice hat Ermittlungen aufgenommen. Der geschätzte Schaden für die Kunden beläuft sich auf mindestens 350 Millionen Złoty (rund 75 Millionen Franken) – Tendenz steigend. Erste Hinweise auf Liquiditätsprobleme der Börse tauchten Anfang April auf. Die Berichte in lokalen Medien stützen sich unter anderem auf On-Chain-Analysen von Recoveris, einem Beratungsunternehmen mit Sitz in Zug, das sich auf Blockchain-Forensik, Ermittlungen und die Wiederbeschaffung digitaler Vermögenswerte spezialisiert hat.

Przemysław Kral wies Liquiditätsprobleme zunächst vehement zurück. Er verwies auf einen aktuellen Bestand von 4500 Bitcoins, die sich jedoch in sogenannten Cold Wallets befinden sollen. Wie nun bekannt wurde, hat die Börse offenbar keinen Zugriff auf die privaten Schlüssel dieser Wallets. Gemäss Recoveris weist die Bitcoin-Adresse seit 2016 keinerlei Aktivität auf. Dies legt nahe, dass die Börse faktisch insolvent ist, da die Kundengelder nicht gedeckt werden können.

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