Geldwäscherei
Also doch: Mafia-Boss Matteo Messina Denaro hatte auch die Schweiz zum Investieren seiner kriminellen Gelder genutzt. Frühere Ermittlungen in der Schweiz waren ergebnislos geblieben.
29. Mai 2026 • Balz Bruppacher

Bis zu seiner Verhaftung im Januar 2023 nach der Krebstherapie in einer Privatklinik in Palermo galt Matteo Messina Denaro als einflussreichster und meistgesuchter Boss der sizilianischen Cosa Nostra. Nach seinem Tod im September gleichen Jahres tappten die Ermittler zunächst im Dunkeln über den Verbleib seines aus dem Drogenhandel und anderen kriminellen Aktivitäten stammenden Vermögens. Nun gab die Staatsanwaltschaft in Palermo bekannt, über 200 Millionen Euro beschlagnahmt zu haben, die auf Messina Denaro zurückzuführen seien. Die von der Anti-Mafia-Behörde koordinierte Aktion erstreckte sich neben Italien auf acht weitere Länder, nämlich auf Andorra, Gibraltar, die Kaiman-Inseln, Luxemburg, der Libanon, Monaco, die Schweiz und Spanien.

Die Bundesanwaltschaft (BA) bestätigte auf Anfrage, dass sie in der Angelegenheit ein Rechtshilfegesuch der Strafverfolgungsbehörden in Palermo vollzieht. Zum Inhalt und zum Resultat machte sie keine Angaben und verwies auf die Informationshoheit der italienischen Behörden. Nach Informationen des Tessiner Radio und Fernsehens (RSI), das nach eigenen Angaben die über 220-seitige Verfügung der Staatsanwaltschaft von Palermo einsehen konnte, geht es um das Vermögen von drei Personen, die mit Messina Denaro verbunden waren. Beschlagnahmt sei unter anderem das Konto einer Firma auf den Kaimaninseln bei einer bekannten Bank in Genf. Goldbarren im Wert von über zwei Millionen Euro seien von der Schweiz nach Luxemburg verschoben worden.

Gerüchte über Verbindungen des 1962 im sizilianischen Castelvetrano geborenen Messina Debaro in die Schweiz hatte es schon lange gegeben. Auch von Besuchen des Mafia-Paten im Tessin war die Rede. Im Sommer 2014 übermittelten die Mafia-Ermittler in Palermo Informationen über einen möglichen Vertrauten und Fluchthelfer Messina Denaros an die Schweiz. Es handelte sich um Giovanni Domenico Scimonelli, einen in Locarno geborenen Italiener, der sich häufig in der Schweiz aufhielt.

Gemeinsame Ermittlungsgruppe kam nicht voran

Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 29. Dezember 2014 ein Geldwäschereiverfahren gegen unbekannt und stimmte der Einsetzung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe mit der Antimafiabehörde von Palermo zu. Im Sommer 2015 löste die Bundesanwaltschaft eine Suche nach Bankkonten Scimonellis aus und führte Hausdurchsuchungen aus, während es in Italien zur Verhaftung elf Personen kam, darunter Scimonelli. Die Abklärungen in der Schweiz blieben neben einer abgebrochenen Bankverbindung eines Geschäftspartners von Scimonelli ohne brauchbares Ergebnis für das italienische Verfahren gegen Messina Denaro.

Nach einem weiteren ergebnislos gebliebenen Aufruf an die Banken wurde die gemeinsame Ermittlungsgruppe Ende 2015 nicht verlängert, wie es die bilateralen Bestimmungen nach einjähriger Dauer vorsehen. Die Bundesanwaltschaft stellte das Geldwäschereiverfahren am 4. Mai 2016 ein, weil sich kein Tatverdacht erhärten liess, der eine Anklage gerechtfertigt hätte. Die Kosten des Verfahrens von knapp 9'300 Franken wurden von der Bundeskasse übernommen.