Bei steigenden Erträgen die Kosten unter Kontrolle zu halten, klingt einfacher, als es ist. Bei vielen Banken entwickeln sich die Kosten oftmals im Gleichschritt mit den Erträgen. Stefan Bollinger scheint bei Julius Bär nun Wege und Mittel gefunden zu haben, bei steigenden Erträgen die Kosten einigermassen unter Kontrolle zu halten. Das zeigt sich in den Halbjahreszahlen.
Wie die meisten Privatbanken hat auch Julius Bär von der hohen Volatilität an den Märkten profitiert. Der IFRS-Betriebsertrag erreichte 2276 Millionen Franken, was einem Anstieg von 26 Prozent gegenüber 1810 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2025 entspricht. Rechnet man Sondereffekte weg, die im ersten Halbjahr 2025 anfielen, beträgt das Plus noch 12 Prozent.
Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft erhöhte sich um 12 Prozent auf 1279 Millionen Franken, wobei die wiederkehrenden Erträge um 10 Prozent auf 984 Millionen Franken anstiegen. Die hohe Kundenaktivität führte zu einer Zunahme der Courtagen und des Ertrags aus Wertschriftenemissionen um 12 Prozent auf 448 Millionen Franken.
Der IFRS-Geschäftsaufwand erreichte 1462 Millionen Franken, was einem Anstieg von 2 Prozent gegenüber 1440 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2025 entspricht. Der Sachaufwand blieb unverändert bei 371 Millionen Franken. Die Bank erhöhte die Rückstellungen für Rechtsfälle um 34,1 Millionen Franken. Per Ende Juni belaufen sie sich nun auf 78 Millionen Franken.
Der adjustierte Personalaufwand erhöhte sich um 4 Prozent auf 974 Millionen Franken, was die Bank auf einen Anstieg des durchschnittlichen Personalbestands um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie höhere leistungs- und erfolgsabhängige Vergütungen zurückführt. 2025 baute Stefan Bollinger das Vergütungsmodell um und verschreckte damals erfahrene Banker.
Weniger Kundenberater
Mitte 2026 zählte die Gruppe 7675 Vollzeitstellen (FTE), was einem Nettozuwachs von 285 Stellen seit Jahresbeginn entspricht. Die Hälfte davon kommt von sogenannten Internalisierungen, also der Festanstellung von sogenannten Contractors. Die Zahl der Kundenberater ging dagegen zurück. Auf Nettobasis sank sie um 14 auf 1247 FTE. Bär stellte im ersten Halbjahr 50 Kundenberater ein, 64 gingen. Ein «erheblicher Teil» dieser Abgänge resultiere aus «kontinuierlichen Performance-Management-Massnahmen», schreibt die Bank. Im Durchschnitt verwaltet ein Kundenberater bei Bär 438 Millionen Franken – 6 Prozent mehr als Anfang Jahr.
Dadurch verbessert sich der operative Hebel der Bank deutlich: Die adjustierte Cost/Income Ratio (ohne Rückstellungen und Verluste) verbesserte sich auf 62,6 Prozent (erstes Halbjahr 2025, zugrunde liegend: 68,2 Prozent).
Der Gewinn vor Steuern nach IFRS stieg um 120 Prozent auf 814 Millionen Franken, während die Ertragssteuern um 88 Prozent auf 141 Millionen Franken anstiegen. Der IFRS-Konzerngewinn der Gruppe erhöhte sich um 128 Prozent und erreichte einen Halbjahresrekord von 673 Millionen Franken, verglichen mit 295 Millionen Franken im Vorjahr.
Der adjustierte Gewinn vor Steuern stieg auf 814 Millionen Franken, ein Anstieg von 33 Prozent gegenüber dem zugrunde liegenden Ergebnis des Vorjahres. Die entsprechende Vorsteuermarge verbesserte sich um 6 Basispunkte auf 31 Basispunkte.
Total verwaltete Vermögen steigen auf 649 Milliarden Franken
Die verwalteten Vermögen (AuM) stiegen auf einen Rekordwert von 547 Milliarden Franken, was einem Plus von 26 Milliarden Franken oder 5 Prozent seit Jahresbeginn entspricht. Massgebend für diese Zunahme seien eine positive Marktentwicklung und Währungseffekte in Verbindung mit anhaltenden Netto-Neugeldzuflüssen gewesen, schreibt die Bank. Rechnet man die Custody-Vermögen von 102 Milliarden Franken dazu, betragen die insgesamt verwalteten Kundenvermögen 649 Milliarden Franken.
CEO Stefan Bollinger schreibt in einem Statement: «Die heutigen Ergebnisse stellen einen soliden Start in unseren neuen dreijährigen Strategiezyklus dar. Durch disziplinierte und konsequente Umsetzung erzielen wir bei allen unseren Prioritäten stetige Fortschritte, wobei unser Fokus besonders auf der Beschleunigung des organischen Wachstums liegt. Wir freuen uns, unsere Mittelfristziele zu bestätigen.»