Am Freitagmorgen wird die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ihre Zahlen fürs erste Halbjahr bekanntgeben. Es ist davon auszugehen, dass das staatliche Institut ein Spitzenergebnis zeigen wird – wie die meisten anderen Retailbanken der Schweiz, die von den volatilen Märkten profitiert haben, viel Neugeld angezogen und sich gut im traditionellen Zinsengeschäft geschlagen haben.
Doch in den Fluren der Bank an der Bahnhofstrasse und in den Büros in Zürich West rumort es. Die zahlreichen Wechsel in der Geschäftsleitung und in den Stufen darunter, die die Bank zuletzt erlebt hat, hinterlassen Spuren. «Es kommt mir vor, als ob die neue Führung nach den erfolgreichen Jahren unter CEO Martin Scholl mit aller Kraft eine Kulturveränderung herbeizwingen will», sagt ein langjähriger Kadermann.
Urs Baumann übernahm 2022 die Spitze der Bank. Seither blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Viele Positionen in der Geschäftsleitung wurden neu besetzt – praktisch ausschliesslich mit Managern, die von ausserhalb der Bank kamen. Florence Schnydrig, eine ehemalige CS-Bankerin, kam 2021 zur ZKB und wurde im Juli 2026 stellvertretende Vorsitzende der Generaldirektion.
Roger Reist kam von Raiffeisen und wurde im Juli 2026 neuer Leiter Institutionals & Multinationals. Er ist ein Rückkehrer: 2020 verliess er die ZKB nach zehn Dienstjahren. Seit einem Jahr ist Mario Crameri IT-Chef der Bank, ebenfalls ein CS-Veteran. Susanne Thellung war vor ihrem Abstecher zur Schwyzer Kantonalbank viele Jahre für die UBS tätig. Sie ist seit einem Jahr neue Leiterin Privatkunden.
Reorganisationen als neue Konstante
«Nicht nur auf Stufe Geschäftsleitung, auch darunter werden langjährige ZKB-Mitarbeiter bei Beförderungen oftmals übergangen», sagt ein Insider. Wer länger als fünf Jahre bei der Bank ist, hat praktisch keine Chance aufzusteigen, sagt er. Manche würden sogar aus ihren Rollen gedrängt und müssten die Bank verlassen. Ausgeprägt sei diese Entwicklung insbesondere im Bereich Private Banking von Florence Schnydrig, sagt er.
«Reorganisationen sind zur neuen Konstante geworden», sagt ein anderer Kadermann. Alle zwei Jahre werde umgebaut. Dabei gebe es keinen ersichtlichen Grund. Die Bank sei in blendender Verfassung, auch weil sie massiv vom Verschwinden der Credit Suisse profitieren konnte. Zudem spielten die Märkte für die Bank. Es gebe also keinen zwingenden Grund für permanente Reorganisationen.
Der einzige Grund, den er erkennen könne, sei, dass die neue Führungscrew die Bank nach ihrem Gusto umbauen könne, um gezielt Führungskräfte zu fördern beziehungsweise andere abzusetzen. Der Banker sagt: Was die ZKB mache, erinnere ihn an die Credit Suisse, die auch permanent Reorganisationen durchpeitschte. «Was hat es gebracht? Nichts.»
Laut einer Bank-Sprecherin ist die Neubesetzung einer Führungsposition stets das Ergebnis eines umfassenden, mehrstufigen Auswahlverfahrens, wobei die beste Qualifikation für die jeweilige Position ausschlaggebend ist. Dabei würden sowohl interne als auch externe Kandidatinnen und Kandidaten sorgfältig evaluiert, sagt sie. Die ZKB achte darauf, dass diese zur Kultur der Bank passten, und besetze Führungsfunktionen über «alle Geschäftseinheiten hinweg mehrheitlich intern». Die Bank widerspricht zudem der Darstellung, wonach diese Entwicklung im Private Banking unter Florence Schnydrig besonders ausgeprägt sei.