Welchen Einfluss haben US-Hyperscaler auf den Schweizer Bondmarkt?

Grosskonzerne wie Alphabet und Google zapfen den Schweizer Anleihenmarkt an, um ihre riesigen KI-Investitionen zu finanzieren. Das bleibt nicht ohne Folgen für andere Emittenten.

Welchen Einfluss haben US-Hyperscaler auf den Schweizer Bondmarkt?
Bild: Andrew Stickelman / Unsplash

Gemäss SIX-Anleihenexplorer hat Google-Konzern Alphabet hat fünf Anleihen ausstehend. Bei Amazon sind es sogar sechs. Um ihre gigantischen Investitionen in KI-Infrastrukturen zu finanzieren, sind US-Techkonzerne auf kleinere Kapitalmärkte wie die Schweiz ausgewichen. Inzwischen gehören sie zu den wichtigsten Emittenten im Schweizer Markt. 

Das Volumen der Hyperscaler im Schweizer Markt ist bereits beträchtlich. Amazon und Alphabet machen laut Daten von S&P inzwischen zusammen 7,7 Prozent des gesamten Schweizer Investment-Grade-Credit-Index aus. Anfang Jahr lag ihr Anteil noch bei null.

Wie die FT heute in einer Analyse schreibt, können die Neuemissionen kurzfristig Druck auf die Preise bestehender Unternehmensanleihen ausüben und damit deren Renditen beziehungsweise Credit Spreads erhöhen, weil Investoren plötzlich grosse Volumen erstklassiger US-Tech-Anleihen absorbieren müssen.

Wie ein UBS-Experte sagt, sei dieser Effekt auf den Schweizer Markt allerdings temporärer Natur. «Es hat vor allem die Pipeline und das Timing beeinflusst und weniger die Credit Spreads strukturell», sagt Manuel Gadient, Leiter Debt Capital Markets und Syndicate für die Schweiz bei der UBS, zur FT.

Die Emissionen von anderen Unternehmen seien dadurch nicht generell verteuert worden. Der Grund ist, dass lokale Emittenten ihr Timing angepasst haben und ihre Transaktionen zum Teil um eine oder zwei Wochen verschoben haben. Das hat aber zur Folge, dass sie die Quartalszahlen der US-Techriesen im Auge behalten müssen. Denn die Hyperscaler begeben ihre Bonds häufig kurz nach deren Veröffentlichung.

Neue Konzentrationsrisiken

Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt, der vor allem für Bondinvestoren wichtig ist. Weil der Schweizer Anleihenmarkt relativ klein ist, erreichen einzelne US-Techkonzerne sehr schnell ein grosses Gewicht in den Indizes. Für Fonds, die sich an solchen Benchmarks orientieren, steigt damit das Konzentrationsrisiko. Sollte eines dieser Unternehmen in Schwierigkeiten geraten oder sollten sich dessen Kreditrisiken deutlich erhöhen, wären kleinere Bondmärkte wie die Schweiz relativ stärker betroffen als der riesige US-Markt.

Gleichzeitig bringt der Einstieg der Hyperscaler aber auch Vorteile. Der Schweizer Unternehmensanleihenmarkt wird breiter und erhält Zugang zu einem Sektor, der bislang nur schwach vertreten war. Zudem zeigen die grossen Platzierungen, dass der Markt offenbar mehr Aufnahmefähigkeit besitzt als bislang angenommen.

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