Kommentar

Wann platzt die Blase?

Jüngst hat es bei Aktien im Bereich der künstlichen Intelligenz extreme Kurssprünge gegeben. Der mitinvestierte Bulle glaubt an eine Fortsetzung der Hausse. Der Bär sieht die Ausschläge als klares Warnsignal.

Wann platzt die Blase?

Bulle: Die KI-Rally geht weiter. Microsoft, einer meiner Lieblinge aus den USA, hat sehr gute Zahlen geliefert. Das tut meiner Aktionärsseele gut. Ein Tagesplus von fast 16 Prozent für Microsoft am letzten Donnerstag, am Tag darauf folgten die Südkoreaner, SK Hynix plus 30 Prozent und Samsung Electronics plus 27 Prozent, und dann noch Amazon mit plus 15 Prozent.

Bär: Völlig verrückt, der Börsenwert von Microsoft hat sich an einem Tag um 450 Milliarden Dollar erhöht. Allein diese Tagesveränderung übertrifft die knapp 350 Milliarden Dollar, die unser Pharmamulti Roche als wertvollste Schweizer Börsengesellschaft insgesamt auf die Waage bringt.

Plus 450 Milliarden Dollar in einem Tag: Kursentwicklung Microsoft (LSEG, FT)

Bulle: Ja. Think big. Wer nicht gross denken kann, bringt es nie zu etwas. The sky is the limit.

Bär: Wenn es sogar bei den Giganten zu so absurden Kurssprüngen kommt und wenn Phrasendrescher wie du Hochkonjunktur haben, kann das Top dieser Hausse nicht mehr weit sein.

Bulle: Natürlich, nach deiner Ansicht ist das eine Börsenblase. Zum wievielten Mal hast du mir jetzt schon eine Blase prophezeit?

Bär: Gut ja, ich mahne seit längerem. Erfolglos. Vernunft ist nichts für Irrationalisten.

Bulle: Was heisst da irrational? Der mir bekannte Markttechniker Alfons Cortés meinte noch jüngst, es sei eine gesunde Hausse. Dafür spricht die Marktbreite, viele und unterschiedliche Aktien nehmen an der Hausse teil. Anders wäre es, wenn der Markt eng und enger würde. Das wäre ein klassisches Signal, das einem Bärenmarkt vorangeht.

Bär: Jaja, die Charttechniker nehmen sich und ihre Marktbreite wichtig. Marktbreite gut, alles gut, so kommt es mir manchmal vor. Für mich absurd. Irrational.

Bulle: Du verschliesst dich allem, was nicht in dein Weltbild passt. Schon mein Lieblingsschriftsteller Joseph Roth meinte, dass der sogenannte realistische Mensch in der Welt unzugänglich dasteht, wie eine Ringmauer aus Zement und Beton.

Bär: Ich bin kein Träumer, ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und ich sehe, was ich sehe. Zeichen für eine Blase.

Bulle: Bereits der legendäre US-Notenbanker Alan Greenspan verneinte, dass man Spekulationsblasen im Voraus zweifelsfrei erkennen könne.

Bär: Im Alter hat er manches etwas anders gesehen. Wie auch immer, man kann die Leute beobachten. Herrscht Angst, herrscht Gier? Heute sind die Anleger doch extrem risikofreudig. Wenn sie Angst haben, dann davor, etwas zu verpassen. Das zeigt schon das elendige Buy-the-dip-Verhalten. Jede Art von Kursrücksetzer gilt schnell als Kaufgelegenheit.

Bulle: Für mich hat sich buy the dip in den letzten Jahren ausgezahlt. Mehr als genug. Und wenn ich mich umhöre in meinem Umfeld, zeigen sich viele meiner Anlegerkollegen durchaus vorsichtig.

Bär: So etwas hat die Qualität einer Strassenumfrage. Es gibt Fakten.

Bulle: Harte Fakten, die für eine Blase sprechen? Überrasch mich.

Bär: Wie gross die Sorglosigkeit ist, zeigt sich am besten daran, wie viele Leute Aktien auf Pump kaufen. Schau dir die Margin-Debt-Daten der Finra an. In den USA sind die Kredite der Anleger bei ihren Brokern auf das luftige Hoch von 1,5 Billionen Dollar gestiegen, über 4,5 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Auf dem Top der Dotcom-Blase 2000 waren es nur 3 Prozent. Auch die Südkoreaner hat das Spekulationsfieber erfasst. Da fehlt es eindeutig an Bodenhaftung.

Bulle: Dann bleib halt am Boden. Du hast Angst vor dem Fliegen. Ich halte mich an meine Regel, Gewinne laufen zu lassen. The sky is the limit.

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