Schon länger ist klar: Die Executive-Search-Firma Amrop führt das Mandat für die CEO-Nachfolge bei der Berner Bankengruppe Valiant. Mit etlichen Kandidaten wurden Gespräche geführt, darunter Geschäftsleitungsmitglieder von Kantonalbanken, die über einen breiten Erfahrungsschatz verfügen.
Doch wie «Inside Paradeplatz» am Mittwoch schrieb, soll Kathrin Wehrli nun das Rennen machen. Sie begann vor einem Jahr bei Valiant als Leiterin Firmen und Institutionelle Kunden. Im Banking ist Wehrli seit 2010 tätig, zunächst in verschiedenen Rollen bei der Credit Suisse, dann knapp zwei Jahre in der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz. Nach ihrem spektakulären Rücktritt kehrte sie zur Credit Suisse zurück, wo sie Head of Strategy and Projects im Wealth Management war. Später übernahm sie eine Integrationsrolle bei der UBS.
Ein Schlüsseldossier in der Geschäftsleitung einer börsenkotierten Bank leitete sie bis zu ihrem Wechsel zu Valiant vor einem Jahr allerdings nicht. «Dank der ausgeprägten Kundenorientierung und ihrer langjährigen Erfahrung passt Kathrin Wehrli bestens zu Valiant», sagte CEO Ewald Burgener bei ihrer Ernennung.
Der scheidende CEO dürfte mitreden
Das Wort von Ewald Burgener dürfte bei der CEO-Nachfolge Gewicht haben – obwohl es eigentlich Sache des Verwaltungsrats ist, diese zu regeln. Denn Burgener wird, so ist es bereits aufgegleist, an der nächsten Generalversammlung in den Verwaltungsrat von Valiant wechseln, um nach einem Jahr das Präsidium zu übernehmen.
Es wäre seltsam, wenn der aktuelle Verwaltungsrat seinem künftigen Präsidenten einen CEO vor die Nase setzen würde, mit dem er nicht kann. Naheliegend ist auch, dass Burgener – seit 2013 bei Valiant, zunächst als Finanzchef und seit 2019 als CEO – weiterhin die Zügel fest in der Hand halten wird. Kathrin Wehrli wiederum dürfte aufgrund ihrer bisher erworbenen Erfahrung auf einen starken Sparringspartner im Verwaltungsrat angewiesen sein.
Die Thron-Rotation hat Tradition
Die umstrittene Thron-Rotation hat bei Valiant übrigens schon fast Tradition. Markus Gygax, amtierender Verwaltungsratspräsident seit 2020, war zuvor ebenfalls CEO von Valiant.
Dieser Automatismus ist in der Schweiz aus Corporate-Governance-Sicht umstritten. Auch wenn eine einjährige Pause – eine sogenannte Cooling-off-Periode – eingehalten wird, schlagen Stimmrechtsberater wie Ethos oder zRating und institutionelle Anleger bei solchen Manövern regelmässig Alarm.
Hauptkritikpunkte sind die mangelnde Unabhängigkeit und Selbstkontrolle: Ein ehemaliger CEO kontrolliert als Verwaltungsratspräsident im Wesentlichen seine eigenen früheren Entscheide, Strategien und Weggefährten. Zudem kann der neue CEO leicht unter Druck geraten, während der frühere operative Chef zum Schatten-CEO wird.
Ein Jahr Abkühlzeit ist wenig
Viele Corporate-Governance-Experten sehen ein einziges Jahr Abkühlzeit kritisch. Der Corporate Governance Code in Grossbritannien etwa sieht eine längere Karenzzeit von mindestens drei Jahren vor.
Im Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance wird die Gewaltentrennung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ebenfalls betont, der Wechsel eines CEO ins Präsidium ist jedoch nicht verboten. Bei Abweichungen von den Empfehlungen gilt grundsätzlich das Prinzip «Comply or Explain»: Das heisst, die Gesellschaft muss ihre Governance-Struktur gegenüber den Aktionären begründen können.
Häufig installieren Unternehmen in solchen Konstellationen zusätzlich einen Lead Independent Director, um Machtkonzentrationen entgegenzuwirken. Valiant hat einen Vizepräsidenten, aber keinen Lead Independent Director.