Man muss es sich vor Augen führen: Sierra Signorelli, gebürtige Kalifornierin und Chefin des wichtigen amerikanischen Marktes und des Bereichs Industrieversicherungen, verlässt die Zurich Versicherung Knall auf Fall. Sie tritt aus der Konzernleitung aus, ihr Name wird umgehend von der Website genommen (Page not found).
Und was macht die Konzernspitze am Mythenquai? Sie vermeldet die Personalie auf einer regionalen Website in den USA – als hätte der Abgang der Spitzenmanagerin nichts mit dem Konzern zu tun. Die Nicht-Kommunikation ist umso unverständlicher, da Sierra Signorelli als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen für die Nachfolge des Langzeit-CEO Mario Greco galt.
Es ist nicht der erste Kommunikations-Flop, den sich die Zürcher Versicherung in diesem Jahr leistet. Als der SonntagsBlick ein Finma-Enforcement-Verfahren gegen die Zurich enthüllte, schwiegen Konzernkommunikatoren zunächst beharrlich zum Thema – die Anfrage wurde an die Schweizer Kollegen weitergeleitet, die ebenfalls schwiegen – no comment.
Ein paar Tage später sah sich Mario Greco doch noch genötigt, auf den Einmarsch der Finma-Beauftragen zu reagieren. Er tat dies nicht etwa bei einem Schweizer Medium, sondern beim US-Börsendienst Bloomberg.
Keine Stilfrage
Es geht bei der Kommunikation nicht einfach nur um eine Stilfrage. Als grosser börsenkotierter Konzern unterliegt die Zurich Group Ad-hoc-Pflichten. Bei beiden Ereignissen stellt sich die Frage, ob der Konzern die Vorgaben der Börse geritzt haben könnte.
Die Kommunikationsstelle des Konzerns schreibt auf Anfrage: «Only CEO and CFO changes are ad hoc relevant – other changes in senior management are not.» Das ist eine ziemlich eng gefasste Auslegung der Schweizer Ad-hoc-Regeln. Dass nur CEO und CFO gemeldet werden müssen, wird nicht gestützt.
Art. 53 des Kotierungsreglements der Börse verpflichtet einen Emittenten wie die Zurich, den Markt über nicht öffentliche Tatsachen zu informieren, deren Bekanntwerden geeignet ist, eine erhebliche Kursänderung auszulösen und damit den Entscheid eines vernünftigen Marktteilnehmers zu beeinflussen. Dazu könnte etwa ein Enforcement-Verfahren der Finma zählen.
Was die Kommunikation von Topmanagern betrifft, nennt die SIX ausdrücklich «bedeutende personelle Änderungen im Unternehmen» beziehungsweise «unexpected personnel changes involving key positions» als mögliche Fälle. Das dürfte ziemlich genau Sierra Signorelli zutrfffen. Dass nur Abgänge von CEO und CFO bedeutend wären, steht nirgends.
In den USA, wo viele Investoren der Zurich Group sitzen, gelten strengere und vor allem klarere Regeln. Dort hätte der Abgang mit grosser Wahrscheinlichkeit gemeldet werden müssen.
Unabhängig davon vermittelt der Kommunikationsstil der Zurich-Zentrale den Eindruck, als wolle die Konzernleitung unter allen Umständen negativ eingefärbte Meldungen unter den Teppich kehren. Das zeigt sich auch daran, dass Signorellis Aufstieg in die Konzernleitung im Jahr 2021 in einer Medienmitteilung kommuniziert wurde.