Bei der Zurich Insurance Group ist die Finma eingefahren. Dies bestätigen mehrere Quellen mit Kenntnissen der Vorgänge. Bisher seien rund ein Dutzend Mitarbeitende von der Finma befragt worden. Wie in grösseren Fällen üblich, mandatierte die Behörde einen sogenannten externen Untersuchungsbeauftragten. Im Verfahren gegen die Zurich handelt es sich um das Beratungsunternehmen BDO – nicht Deloitte, wie der SonntagsBlick gestern schrieb. Die Versicherung wiederum soll die Anwaltskanzlei Homburger mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt haben.
Ein Schwerpunkt der Untersuchungen sollen Mängel beim internen Kontrollsystem (IKS) sein. Für eine Versicherung ist dieses Überwachungssystem äusserst wichtig, um Risiken zu erkennen, aber auch dafür zu sorgen, dass Geschäftsprozesse korrekt abgewickelt und Interessenkonflikte vermieden werden. Offenbar wurde in den vergangenen Jahren bei Investitionen in die Plattform gespart, wie eine Quelle sagt. Das soll sich nun rächen.
Im Fall der Zurich geht es mit hoher Wahrscheinlichkeit darum, ob die Versicherung das sogenannte Lebengeschäft im Griff hat, einen besonders sensiblen Bereich. Die Zurich Insurance Group ist in der Schweiz ein grosser Player in der beruflichen Vorsorge. Und die von der Zurich ausgelagerte Sammelstiftung Vita ist mit 27’000 angeschlossenen Unternehmen und rund 150’000 Versicherten das Flaggschiff. Sie verwaltet mehr als 22 Milliarden Franken Vorsorgevermögen.
Die Sammelstiftung der Zurich gilt als eine der ältesten der Schweiz. Entstanden ist sie 2003 nach dem Platzen der Dotcom-Blase und den darauf folgenden Zinssenkungen der Notenbanken. Das damalige Marktumfeld riss grosse Löcher in die Bilanzen der Versicherer. Mit der Auslagerung wurde das Anlagerisiko den Versicherten übertragen. Zugleich verblieben wichtige Dienstleistungen bei der Zurich – etwa Verwaltung, Administration, Anlagemanagement und die Risikoabdeckung für Invalidität und Todesfall. Dieser sogenannte Rückversicherungsbereich gilt als besonders lukrativ.
Heikle Schnittstelle
Was genau bei der Zurich schiefgelaufen ist, sollen die Abklärungen zeigen. Klar ist: Die Finma und die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge schauen bei rechtlich selbstständigen Sammelstiftungen genauer hin. Dabei rückt die Schnittstelle zwischen den Stiftungen und den gewinnorientierten Versicherern zunehmend ins Visier der Regulatoren.
Das Gesetz verlangt, dass die Kosten für Verwaltung und Rückversicherung zu Marktpreisen abgerechnet werden. Ein schwaches internes Kontrollsystem kann dazu führen, dass Quersubventionierungen oder überrissene Gebühren zugunsten des Mutterkonzerns unter dem Radar bleiben. Die Kernaufgabe des IKS besteht darin, sicherzustellen, dass Entscheide im Interesse der Versicherten getroffen werden – und nicht im Interesse der Aktionäre.
An diesem Punkt kommt es schnell zu Konflikten. Die Zurich Insurance Group ist primär ihren Aktionären verpflichtet. Seit 2016 ist Mario Greco CEO der Gruppe. Der gebürtige Neapolitaner führt den Konzern mit harter Hand; Kostensenkungen gehören zu den Kerndisziplinen des früheren McKinsey-Beraters. Schaut man auf den Aktienkurs, ist Greco hoch erfolgreich: Der Wert der Aktie hat sich seit seinem Amtsantritt fast verdreifacht. Der Konzern vom Mythenquai wird an der Börse mit knapp 100 Milliarden Franken bewertet.