Es ist ein Projekt, das die Zürcher Innenstadt aufwerten sollte: eine begrünte Hausfassade an der Zürcher Löwenstrasse. Doch statt für ein angenehmes Mikroklima zu sorgen, scheint die sogenannte «Living Green Wall» komplett zu versagen. Die meisten Pflanzen an der Fassade sind verdorrt – und es tropft auf das Trottoir. Im Durchgang zum Innenhof sieht man ebenfalls verdorrte Pflanzen.
Damit scheitert bereits der zweite Versuch, eine vertikale Grünfläche in Zürich hochzuziehen. Vor einem Jahr engagierte die Besitzerin der Immobilie, die Helios AG, ein Unternehmen aus England, um das Bewässerungssystem der Fassade auszutauschen. Hinter Helios steht der Niederländer Wolf Herwegh Vonk, der als Anwalt ein Vermögen gemacht hat. Vor über zehn Jahren besass er mehrere Liegenschaften in der St. Galler Altstadt, die er später an die Swiss Life verkaufte. Heute lebt er mehrheitlich in Neuseeland und Japan.
Holländischer Besitzer klagte gegen Halter
Wolf Herwegh Vonk liegt seit Jahren im Streit mit der Baufirma Halter, die das Gebäude ursprünglich sanierte und mit der Begrünung der Fassade beauftragt war. Für die Sanierung und Begrünung der Fassade waren rund 8 Millionen Franken veranschlagt. Doch die Bauherrin bezahlte die letzte Tranche von 2 Millionen Franken nicht und begründete dies unter anderem mit Baumängeln – und damit, dass Halter auf einen anderen Green-Wall-Lieferanten setzte als ursprünglich vorgesehen.


Jetzt zeigt sich, dass es auch mit dem zweiten Lieferanten Probleme gibt. Zudem scheint das sechsgeschossige Bürogebäude nach wie vor leer zu stehen. Die Türklingeln und die Briefkästen tragen keine Namen. Einzig der E-Autohersteller Lucid hat im Parterre einen Showroom eingerichtet. Die oberen Stockwerke scheinen dagegen nicht vermietet zu sein.
Erstmals war das Projekt der «Living Green Wall» 2018 in den Medien. Die NZZ ging damals davon aus, dass die 180 Quadratmeter grosse Fassade des 70er-Jahre-Baus in ein bis zwei Jahren komplett begrünt sein werde. Zunächst sorgten zähe Bewilligungsverfahren und die Corona-Pandemie für massive Verzögerungen. Jetzt scheint es andere Probleme zu geben. Helios-Besitzer Wolf Herwegh Vonk liess eine Anfrage per E-Mail unbeantwortet.