Bulle und Bär

UBS: Jahrmarkt der Eitelkeiten

Nachdem der Ständerat für harte Kapitalregeln votierte, tauchen Gerüchte um eine Fusion der UBS mit einer ausländischen Bank auf: Eine neue Drohung der Bankführung um CEO Sergio Ermotti? Bulle und Bär diskutieren über Eitelkeiten und Überheblichkeiten von Grossbankern.

UBS: Jahrmarkt der Eitelkeiten

Bulle: Müssen wir uns jetzt Sorgen machen um unser Land? Der liebe Sergio sagte ja der ‘NZZ’, es gehe im Streit um die Eigenkapitalvorgaben um mehr als um seine UBS und um den Finanzplatz. Es geht um die Schweiz.

Bär: Hätte die ‘NZZ’ auch ein Interview mit Karin Keller-Sutter gemacht, könnte dort der gleiche Schlusssatz stehen. Auch unserer lieben Bundesrätin geht es nur um das Eine. Mach dir also keine Sorgen. Allen geht es um die Schweiz, da kann uns nichts passieren.

Bulle: Kennst du die US-Plattform ‘Semafor Business»? Sie schreibt mit Verweis auf Insider, die UBS diskutiere wieder über Wege, wie sie sich strengeren Kapitalregeln in der Schweiz entziehen könne, etwa über einen Zusammenschluss mit einer ausländischen Bank wie Morgan Stanley. 

Bär: Mir unbekannt die Plattform, wenn sie das Gerücht wenigstens der ‘Financial Times» gesteckt hätten. Das Ganze wirkt etwas billig. Eine Abart der Wegzugsdrohung aus der Schweiz. Interessant immerhin der Name Morgan Stanley…. 

Bulle: … dachte ich auch, bei der schaffte es Colm Kelleher nur zur Nummer zwei, bevor er später Präsident der UBS geworden ist. Über eine Fusion könnte er sich doch noch das Königskrönchen an seiner alten Wirkungsstätte aufsetzen.

Bär: Der späte Triumph von Kelleher. Ob der und unser Sergio aber das Heu auf der gleichen Bühne haben? Ich glaube nicht, dass Sergio als der CEO in die Geschichte eingehen will, der die UBS an die Amis verhökert hat. Das lässt seine Eitelkeit nicht zu.

Bulle: Hm, Sergio. Hoffentlich verliert er endgültig nicht die Nerven. Er schien mir ein wirklich guter CEO für die UBS zu sein. Aber so langsam beginne ich, an ihm zu verzweifeln. Mit seinem ‘NZZ’-Interview hat er die Politiker ja regelrecht vor den Kopf gestossen.

Bulle: «Einen Punkt hat Ermotti schon...»

Bär: Wie reagiert jemand, wenn ihm vorgehalten wird, er sei zu blöd, um die Sache mit den Kapitalregeln zu verstehen, oder wolle es nicht verstehen, böswilligerweise sozusagen? Um ihre Selbstachtung zu bewahren, konnten Ständeräte gar nicht anders, als für strengere Kapitalregeln zu votieren.

Bulle: Einen Punkt hat Ermotti schon, es ist eine sehr technische Diskussion. Alles andere als einfach zu verstehen.

Bär: So reagieren die Banker doch meist, mit einer Ansage à la: Wir sind die Profis, wir verstehen, was wir tun, für euch da draussen ist es zu kompliziert. So ähnlich war es schon vor der Finanzkrise. Sie waren so stolz auf ihre hochkomplexen Risikomanagementsysteme. Auf den Value-at-risk, der ihren maximalen Verlust beziffern sollte. Hat in der Krise maximal versagt.

Bulle: Gut, Vergangenheit, wir müssen uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Mit strengeren Kapitalregeln vergrössert sich das Schutzschild im Fall einer Krise zwar. Die Frage ist aber, ob und inwieweit die UBS damit wettbewerbsfähig bleibt. Generell bin ich kein Freund einer starken Regulierung.

Seit der CS-Übernahme geht es nach oben. Quelle: FT/LSEG

Bär:  Vielleicht sollten wir unseren Blick etwas verschieben, weg von den technischen Aspekten der Sache, hin zu den psychologischen. 

Bulle: Ich ahne, was kommt. Eines deiner Lieblingsthemen, die Arroganz der Macht, die es zu brechen gilt.

Bär: Ermottis jüngste Aussagen zeigen mir, dass sich im Verhalten der Grossbanker wenig geändert hat. Es ist wie vor der Finanzkrise. Im Hintergrund basteln diese Alchemiker wieder an neuen verschachtelten, hochkomplexen Produkten, um Schrottanlagen in angeblich sichere, hochwertige Papiere zu verwandeln. Diese Überheblichkeit der Banker macht mir Sorgen. Da sehe ich die eigentliche Gefahr.

Bulle: Zugegeben, die Arroganz der Grossbanker ist nicht zu übersehen. Aber nur weil Ermotti jetzt die Nerven verloren hat, sollten die Politiker nicht auch die Nerven verlieren. Es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Schweiz ist bekannt für Pragmatismus, wir brauchen jetzt eine pragmatische Lösung.

Bär: Die gäbe es doch. Die Abspaltung des US-Geschäfts der UBS, mit den riskanten Aktivitäten im Investment-Banking.

Bulle: Nicht schon wieder, wer will das, ausser Christoph Blocher? Die UBS ganz sicher nicht, noch weniger als strengere Kapitalvorgaben. Zudem kann das US-Geschäft sehr lukrativ sein.

Bär: Lukrativ ja, für die Amerikaner, nicht für eine Schweizer Bank. Das ist dort drüben ähnlich einem Kartell. Die Amerikaner kennen ihren Markt, die besten Deals gehen an sie, die besten Talente gehen zu ihnen, nicht zu einer Schweizer Bank. Kennst du eine Schweizer Bank, die in den USA über die Jahre eine akzeptable Rendite erzielt hat? Gibt es nicht, auch nicht die UBS.

Bulle: Trotzdem, keine pragmatische Lösung, nicht konsensfähig. Ermotti will das Geschäftsmodell auf keinen Fall verändern. Das hat er immer wieder betont. Das ist für die UBS-Führung nicht im Sinne von Kunden und Eigentümern.

Bär: «Abspaltung des US-Geschäfts käme einem massiven Bedeutungsverlust gleich»

Bär: Es ist vor allem nicht in ihrem Sinne. Die Abspaltung des US-Geschäfts käme für Ermotti und Präsident Kelleher einem massiven Bedeutungsverlust gleich….

Bulle:…und die Löhne und Boni würden sinken. Für viele Aussenstehende eine schöne Vorstellung, aber eine Abspaltung ist eben nicht realistisch. Ich bezweifle zudem, dass die grossen Aktionäre daran interessiert sind.

Bär: Warum nicht? Man könnte das US-Geschäft verkaufen, von mir aus an Morgan Stanley. So könnte Kelleher seinen Triumph feiern. Und für den übrigen, immer noch grossen und diversifizierten Teil mit der UBS Schweiz und dem Vermögensverwaltungsgeschäft bräuchte es dann keine speziellen Kapitalvorgaben. Der Teil wäre stabil und rentabel. Gut für die Aktionäre, gut für die Kunden, gut für die Schweiz….

Bulle: …aber nicht für Sergio. Die Eitelkeiten der Grossbanker stehen auch deiner 1a-Lösung im Weg. 

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