Neuester Verschuldungstrend: NAV-Lending

Sehr vermögende Privatkunden lassen ihre Private-Equity-Positionen zunehmend belehnen. Der Markt wächst rasant, gilt aber als sehr schwierig. 

Neuester Verschuldungstrend: NAV-Lending
Foto: The New York Public Library / Unsplash

Eigentlich lebt Private Equity von einem einfachen Prinzip: Anleger verzichten auf Liquidität und sollen dafür mit höheren Renditen entschädigt werden. Doch nun entsteht ausgerechnet ein wachsender Kreditmarkt, um diese Illiquidität wieder zu Geld zu machen.

Wie die Financial Times berichtet, haben vermögende Privatpersonen begonnen, ihre Private-Equity-Beteiligungen als Sicherheit für Kredite zu nutzen. Damit reagieren sie auf die seit mehreren Jahren anhaltende Flaute bei Firmentransaktionen. Weil Private-Equity-Fonds Beteiligungen schwieriger abstossen können, fliesst deutlich weniger Geld an ihre Investoren zurück.

Beim sogenannten Net-Asset-Value-Lending (NAV) nehmen Investoren Kredite auf, die durch ihre Private-Equity-Beteiligungen besichert sind. Bislang kam dieses Instrument vor allem im Profiumfeld zum Einsatz, also bei institutionellen Kunden wie Pensionskassen. Nun bieten Banken entsprechende Kredite auch vermögenden Privatpersonen und Family Offices an.

Die Investoren kommen so an Geld, ohne ihre Private-Equity-Anteile auf dem Sekundärmarkt mit einem Abschlag verkaufen zu müssen. Sie können die gewonnene Liquidität wiederum in andere Anlagen investieren.

Der Anstieg von NAV-Lending überrascht nicht, da vermögende Investoren in den letzten Jahren ihre Private-Markets-Quote stark ausgebaut haben. Gemäss einer Studie der UBS lag der Anteil 2025 bei 20 Prozent (Private Equity und Private Debt). 2019 waren es erst 16 Prozent.

«Am oberen Ende der Schwierigkeitsskala»

Der Markt ist bereits beträchtlich. Laut den von der FT zitierten Daten von Fund Finance Partners beläuft sich das Volumen des NAV-Lending auf rund 150 Milliarden Dollar. Die durchschnittliche Transaktionsgrösse beträgt etwa 150 Millionen Dollar.

Bei Privatpersonen steckt das Geschäft allerdings noch in den Kinderschuhen. Scott Rosen vom Private-Credit-Spezialisten Ares bezeichnet NAV-Finanzierungen gegenüber der FT als eine zunehmend wichtige «weitere Liquiditätsquelle».

Für Banken ist das Geschäft allerdings anspruchsvoll, weil die zugrunde liegenden Vermögenswerte illiquide und schwierig zu bewerten sind. Ben Williams, bei Goldman Sachs verantwortlich für Private Banking, Kredite und Einlagen in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Asien, bezeichnet das Geschäft gegenüber der FT als eines «am oberen Ende der Schwierigkeitsskala».

Entsprechend konservativ sind die Belehnungswerte. Goldman Sachs finanziert bei NAV-Krediten in der Regel lediglich 25 bis 35 Prozent des Werts der zugrunde liegenden Anlagen. Zum Vergleich: Bei Kunstkrediten liegen die Belehnungsquoten typischerweise bei 40 bis 60 Prozent. Das zeigt, wie skeptisch die Banken auf die Bewertungen von PE-Anlagen blicken. Die Laufzeiten der NAV-Kredite betragen meist zwei bis drei Jahre. Häufig werden sie anschliessend verlängert.

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