Kommentar

Nach dem Kapitalentscheid: Jetzt muss die UBS liefern

Der Ständerat hat entschieden, der Spielraum für die UBS wird enger. Statt den Kapitalstreit endlos weiterzuführen, muss die Bank nun zeigen, wie sie mit den neuen Vorgaben umgehen will. 

Nach dem Kapitalentscheid: Jetzt muss die UBS liefern
Zeit, die Karten aufzudecken: Sergio Ermotti und Colm Kelleher. Quelle UBS/tp

In einer ersten Reaktion teilte die UBS mit, dass sie die nun vom Ständerat beschlossenen neuen Kapitalvorgaben weiterhin bekämpfen werde. Die Reaktion ist verständlich. Doch die Bank muss auch einsehen, dass sie bei der Eigenkapitalunterlegung ihrer Auslandstöchter kaum ein besseres Resultat erreichen wird. Der Nationalrat dürfte nicht grundlegend anders entscheiden. Immerhin im Sinn der UBS: Eine Volksabstimmung scheint mit dem heutigen Entscheid gebannt.

Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, in den Courant normal umzuschalten. Der Thurgauer Ständerat Jakob Stark sagte es nach der Debatte so: «Jetzt sollten sich Karin Keller-Sutter und Sergio Ermotti zum Znacht treffen, zu zweit, ohne Kameras, und den Kompromiss besiegeln.» Der SVP-Politiker drückte damit aus, was viele denken: Sie haben genug vom ewigen Kapitalstreit, von Auslandstöchtern, Stammhäusern, AT1s und CET1.

Gemäss eigenen Angaben muss die UBS aufgrund der neuen Regeln 16 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital aufbauen, teilte sie heute mit. Sieben Milliarden davon fehlen ihr noch, um das Ziel zu erreichen, rechnete Goldman Sachs in einer Note aus. Angesichts der Skaleneffekte, die sich aus der Integration der Credit Suisse bereits ergeben haben und die mit der Abschaltung der alten CS-Systeme zusätzlich entstehen werden, braucht die UBS keine Ewigkeit, um diese Mittel aufzubauen.

Die Zeit ist gekommen, die Karten aufzudecken. Der Markt will möglichst bald einen Plan sehen, wie sich die UBS für die Zukunft aufstellen wird, welche Prioritäten sie setzen will, mit welchen Massnahmen sie den zusätzlichen Kapitalbedarf wegzumitigieren gedenkt und welche Folgen der Entscheid für Ausschüttungen, Aktienrückkäufe und Wachstum hat.

Für die UBS mag es bitter sein: Aber die 16 Milliarden scheinen der Preis zu sein, den die UBS nach zwei Grossbankenrettungen in nur 15 Jahren bezahlen muss. Für Realisten schon lange klar, dass die UBS wohl nicht viel günstiger davonkommen würde. Die gefundene Lösung liegt ziemlich genau dort, wo Beobachter den politischen Kompromiss schon länger vermutet hatten.

Inzwischen sind dreieinhalb Jahre seit der Übernahme der Credit Suisse ins Land gezogen. Eine sehr lange Zeit.

Der Ball liegt jetzt bei der UBS-Führung, bei Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher und CEO Sergio Ermotti. Sind sie bereit, der Realität ins Auge zu blicken, ihre Opposition gegen die neuen Regeln beiseitezulegen und voll auf Mitigationskurs umzuschalten?

Die Aktionäre dürfen genau das erwarten. Gelingt ihnen das nicht, stellt sich irgendwann eine andere Frage: ob sie noch die Richtigen sind, um die UBS durch die nächste Phase zu führen.

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