Finanzministerin Karin Keller-Sutter und UBS-Chef Sergio Ermotti haben am Finance Forum am Dienstag ihre unterschiedlichen Positionen zu den Eigenkapitalvorschriften verteidigt. Die Bundesrätin erklärte auf der Bühne im Zürcher Kongresshaus, dass eine Unterlegung der ausländischen Tochtergesellschaften mit 100 Prozent hartem Kernkapital (Common Equity Tier 1, CET1) der beste Weg sei, um die Steuerzahler zu schützen.
Der Vorschlag, der unter anderem von der Nationalbank unterstützt wird, würde dafür sorgen, dass bei Verlusten die Aktionäre und nicht die Steuerzahler haften, sagte sie. Die entscheidende Frage sei: «Wer haftet und wer trägt das Risiko am Schluss: der Aktionär oder der Steuerzahler?»
Dass Keller-Sutter ihren eigenen Vorschlag verteidigte, überraschte nicht. Hingegen interessant war, was sie zum 90-Prozent-Vorschlag des Zuger Ständerats Peter Hegglin sagte. Dieser sieht vor, dass die UBS-Töchter zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegt werden müssten, wobei kein zusätzliches Kapital (AT1) benötigt würde. Keller-Sutter sagte, dass der Vorschlag «nahe beim Vorschlag des Bundesrats» liege.
Damit signalisierte sie, dass sie mit dieser Lösung wohl auch leben könnte. Zumindest konnte man das so verstehen.
Gut für die Schweiz, gut für die UBS
Sergio Ermotti, der zuvor seinen Auftritt am Finance Forum hatte, wies beide Varianten als inakzeptabel zurück. In der Debatte müsse anerkannt werden, dass die UBS für die Schweiz nicht nur ein Risiko darstelle, sondern auch einen wirtschaftlichen Nutzen bringe. «Wir wollen einfach eine Lösung finden, die gut ist für die Schweiz, aber auch gut ist für die UBS», sagte er.
Er sei sehr besorgt, dass die Vorschläge die Wettbewerbsfähigkeit der UBS beeinträchtigen und letztlich die Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells infrage stellen würde, so Ermotti weiter. «In den kommenden Wochen und Monaten werden wir die Zukunft des Finanzplatzes für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre gestalten.»
Heute geht die Debatte im Ständerat weiter. Jetzt komme es darauf an, wie es weitergehe, sagte Keller-Sutter. Nach dem Ständerat berate noch der Nationalrat, und vielleicht werde es sogar eine Volksabstimmung geben, so die Bundesrätin. «Wir wissen noch nicht genau, wie das jetzt herauskommt.»