Junge Schweizer verstehen ETFs – bei Anleihen herrscht Ahnungslosigkeit

Ausgerechnet die Jüngsten kennen sich mit ETFs am besten aus. Bei Obligationen sieht es dagegen düster aus: Nicht einmal jeder Vierte versteht, wie Anleihekurse auf sinkende Zinsen reagieren.

Junge Schweizer verstehen ETFs – bei Anleihen herrscht Ahnungslosigkeit
Junge wissen, was er macht: ETF-Verkäufer Roman Poole alias «Sales Guy» oder «Finance Bro». Screenshot SRF

Hat das vielleicht mit «Sales-Guy» Roman Poole zu tun? Der ETF-Verkäufer wurde diesen Sommer unfreiwillig zu einem Social-Media-Star und dürfte bei einem jungen Publikum inzwischen bekannter sein als UBS-Chef Sergio Ermotti. Wie auch immer: Der neue Finanzkompetenzindex von True Wealth zeigt jedenfalls: Die 16- bis 29-Jährigen verstehen ETFs mittlerweile besser als alle anderen Altersgruppen.

Rund 38 Prozent der Jungen beantworteten die entsprechende Frage richtig. Im Vorjahr waren es erst 26 Prozent. Damit haben sie innerhalb eines Jahres um zwölf Prozentpunkte zugelegt und sämtliche älteren Altersgruppen überholt. Auch über alle Altersklassen hinweg nimmt das ETF-Wissen zu. Knapp 33 Prozent der Befragten kennen inzwischen den wesentlichen Vorteil eines ETF, nach rund 29 Prozent im Vorjahr. Es ist die einzige Frage der Studie, bei der sich das Wissen deutlich verbessert hat.

Keine Ahnung von Obligationen

Ganz anders sieht es bei Obligationen aus. Dass der Preis einer Anleihe steigt, wenn die Zinsen sinken, wissen gerade einmal 21 Prozent der Befragten. Daran hat sich in den vergangenen drei Jahren praktisch nichts geändert. Selbst unter Personen, die eigenes Geld anlegen, kennen nur 27 Prozent diesen grundlegenden Zusammenhang.

Generell bleibt das Finanzwissen in der Schweiz überschaubar. Im Durchschnitt wurden 5,5 von zehn Fragen zu Zinsen, Inflation, Risiko und Geldanlage richtig beantwortet. Gegenüber den beiden Vorjahren hat sich das Resultat nur leicht verbessert.

Deutlich sind dagegen die Unterschiede innerhalb der Bevölkerung. Männer beantworten knapp 63 Prozent der Fragen richtig, Frauen rund 47 Prozent. Auch der Röstigraben wächst: In der Deutschschweiz werden 58 Prozent der Fragen richtig beantwortet, in der Romandie lediglich 46 Prozent.

Besonders gross ist der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne eigene Finanzanlagen. Auch Einkommen und Bildung spielen eine grosse Rolle. Bei Haushalten mit einem Einkommen von weniger als 4’500 Franken werden rund 40 Prozent der Fragen richtig beantwortet. Bei Einkommen von mehr als 15’000 Franken sind es 72 Prozent.

Für den dritten Finanzkompetenzindex von True Wealth hat GfK Switzerland 2’019 Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren repräsentativ befragt.

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