Er liebe seinen Job, sagt ETF-Verkäufer Roman Poole im SRF-Format «Donat auf Achse». «Es gibt nichts Besseres.» Die Märkte seinen eine «evolving story», man habe viel Kundenkontakt. Er sei eben «relativ chatty». Seine mit Anglizismen durchsetzte Sprache klingt stellenweise fast wie die Persiflage eines Investmentbankers.
Obwohl der Zürcher offenbar in Eile ist, will SRF-Reporter Donat Hofer zum Schluss noch wissen, wie viel er ungefähr verdient. Die Antwort von Poole fällt bemerkenswert unpräzise aus: «Multipli Hundert.» Im Jahr, fragt der SRF-Reporter nach. «Genau.» Der Reporter und der Kameramann fragen sich anschliessend, ob er damit tatsächlich mehrere 100’000 Franken pro Jahr gemeint habe.
Die Meinungen in den Kommentaren auf Social Media sind schnell gemacht: ein typischer Zürcher Banker von der Bahnhofstrasse, ein Abzocker. Wer «Multipli Hundert» hört, dürfte zunächst an drei-, vier- oder fünfmal 100’000 Franken denken.
Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass Poole tatsächlich eine halbe Million Franken im Jahr verdient. Er arbeitet beim US-Asset-Manager VanEck als Director im Bereich Sales and Business Development.
100'000 mit 0,8 oder 1,15 multipliziert
In der Zürcher Finanzszene sorgt die Antwort jedenfalls für Heiterkeit. «Multiple kann auch bedeuten, dass die 100 mit 0,8 oder 1,15 multipliziert werden», höhnt ein Banker, der schon lange im Business ist und weiss, wie sehr seine Kollegen beim eigenen Lohn zur Übertreibung neigen. So gesehen wissen wir jetzt ziemlich genau, was Roman Poole verdient: irgendetwas mit 100.
Als Reaktion auf seine Internetbekanntheit hat Poole sein LinkedIn-Profil gelöscht. SRF hat die Kommentarfunktion ausgeschaltet. Er verstehe die abschätzigen Kommentare nicht, er habe den «Finance Guy» nicht vorführen wollen, sagte Reporter Donat Hofer gegenüber «20 Minuten». Allerdings ist genau das geschehen.
Die NZZ rückt das Meme mit dem «Sales Guy» bereits auf die Stufe jener legendären Fernsehmomente, die es ins kollektive Bewusstsein und teilweise sogar in die Alltagssprache geschafft haben. «Richi! Ich ha gseit, du söllsch di hebe!» ist so ein Klassiker. Noch heute lachen die Leute über den kleinen Buben, der in Kanada aus dem Bagger fällt.