Nachdem am Montag die Zurich ihr Schweigen zum Enforcement-Verfahren der Finma gebrochen hatte, ging CEO Mario Greco in die Offensive und gab Bloomberg ein kurzes Interview. Die Zurich Insurance Group habe im Zuge des Verfahrens mehr als zwölf Mitarbeitende entlassen. «Es ist bedauerlich, dass wir das Problem nicht selbst entdeckt haben – trotz aller Audits und Kontrollen, die wir durchführen», sagte er. Vereinbarte Korrekturmassnahmen seien nicht umgesetzt worden, was letztlich zum Enforcement-Verfahren geführt habe.
Es sind Sätze, die es in sich haben – und auf scharfen Widerspruch stossen. Es stimme nicht, dass vereinbarte Kontrollmassnahmen der Finma intern nicht umgesetzt worden seien, sagt eine Quelle mit Kenntnissen der Vorgänge zu Tippinpoint. Auch stimme es nicht, dass mehr als zwölf Mitarbeitende entlassen worden seien. Einige Mitarbeitende, die im fraglichen Bereich beschäftigt gewesen seien, hätten selbst gekündigt. «Ihre Arbeitsverhältnisse sind nicht forciert beendet worden», sagt die Quelle. Eine andere Quelle innerhalb des Zurich-Konzerns stützt hingegen die Darstellung von Mario Greco.
Es ist aussergewöhnlich, dass sich der CEO eines regulierten Unternehmens bereits vor Abschluss eines Enforcement-Verfahrens öffentlich derart klar positioniert, Fehler einräumt und auf Schuldige zielt. Ob das kommunikativ clever war, sei dahingestellt. Ebenso, ob es klug war, ein die Schweizer Aktivitäten betreffendes Verfahren auf einer amerikanischen Daten- und Nachrichtenplattform zu kommentieren.
Das Finma-Verfahren ist ein heftiger Ausrutscher für das Topmanagement der Zurich – einerseits für Konzernchef Mario Greco, andererseits für Chief Risk Officer Peter Giger. Dieser nahm 2019 Einsitz in die Konzernleitung. Er kam von der Finma, wo er zwischen 2014 und 2018 den Versicherungsbereich des Regulators leitete.
Vita: «Gelder jederzeit sicher»
Am Dienstag veröffentlichte auch die Vita Sammelstiftung eine Stellungnahme zu den Vorgängen. Die Finma habe im Rahmen ihrer Aufsicht «Beanstandungen gegen unsere Dienstleistungspartnerin Zurich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG erhoben und ein sogenanntes Enforcement-Verfahren eröffnet», heisst es darin. Die Stiftung sei eine rechtlich und organisatorisch selbständige Vorsorgeeinrichtung, betonte Vita. Die Gelder der Versicherten seien «jederzeit sicher und werden zweckgebunden» für die berufliche Vorsorge der Destinatärinnen und Destinatäre verwendet.
Die «Weiterentwicklung in Richtung Autonomie» sei für die Sammelstiftung seit Längerem ein Thema und «integraler Bestandteil ihrer strategischen Weiterentwicklung», sagte Stefan Wyss, Präsident des Stiftungsrats. Die «aktuellen Ereignisse» hätten diesen Schritt beschleunigt. Die teilautonome Sammelstiftung Vita ist eng mit dem Zurich-Konzern verbunden.