Der «Shitcoin» (pardon Memecoin) lebt

Auf der Robinhood Chain, die für tokenisierte Aktien konzipiert wurde, gewinnen Memecoins die Oberhand.

Der «Shitcoin» (pardon Memecoin) lebt
300 Millionen schwere «Cash Cat» (Cash Cat)

Statt Aktienhandel ein Memecoin-Kasino. So könnte man die junge Geschichte der Robinhood Chain umschreiben. Der Discount-Broker startete seine Blockchain am 1. Juli mit tokenisierten Aktien als Flaggschiffprodukte. Die neue Chain stieg schnell in die Top fünf der dezentralen Handelsplätze (DEX) auf. Doch schon nach wenigen Tagen lief der Handel mit Memecoins den Aktien den Rang als Umsatzchampion ab.

Am 30. August verzeichnete die Robinhood-Blockchain eine Rekordzahl von 5,52 Millionen Transaktionen, als Nutzer 22'600 neue Token lancierten und Memecoin-Handelstools den Grossteil des Umsatzes von 2,66 Millionen Dollar generierten. Gemäss Daten des Research-Dienstes DefiLlama erwirtschaftete die Robinhood Chain damit am zweitmeisten Gebühreneinnahmen pro Tag hinter Solana (5,07 Millionen Dollar) und doppelt so viel wie die Apps auf Ethereum einbrachten.

Mehr Einnahmen als die Basisblockchain

Als Geldmaschine sticht Pons heraus, eine App, mit der jeder auf der Robinhood Chain einen Token erstellen und handeln kann. Anfang September wurden gemäss DefiLlama innerhalb von 24 Stunden fast 25'000 neue Token lanciert und Gebühren von fast 6 Millionen Dollar eingenommen, also deutlich mehr als die Robinhood Chain, auf der die App basiert. Pons stieg damit zum viertgrössten Blockchain-Gebührengenerator hinter Tether, Uniswap und Circle auf. Pons ist eine Produktionsstätte für neue Token, die innerhalb weniger Minuten handelbar werden. Ein Nutzer wählt einen Namen und ein Symbol aus, erstellt den Token über die App gegen eine Einführungsgebühr von rund 1 Dollar. Auf der Robinhood Chain kann der Handel mit dem neuen Token aufgenommen werden.

Pons erhält einen Anteil an jedem Handel, wobei Teile an das Protokoll und die Token-Ersteller gehen. Die Wirtschaftlichkeit von Pons hängt nicht nur von der Anzahl der lancierten Token ab, sondern auch davon, wie viel Handelsvolumen sie nach Lancierung generieren. Gemäss eigenen Angaben verwendet Pons den Grossteil der einbehaltenen Mittel, um den eigenen Pons-Token zu kaufen und zu vernichten und schafft so eine wiederkehrende Nachfrage. Der Pons-Token hat in einer Woche 300 Prozent zugelegt.

Nicht der erste Memecoin-Hype

Zur Erinnerung: Memecoins haben keinen Nutzen und dienen vor allem der Spekulation – die Token können auch Spuren von Kreativität und Erinnerungswert enthalten. Mitte dieser Woche legte der «Cash Cat»-Token rund 30 Prozent auf rund 30 Cent zu, erreichte eine Marktkapitalisierung von 300 Millionen Dollar und ist einer der grössten Memecoins auf der Robinhood-Blockchain. Der Name Cash Cat leitet sich von einem frühen internen Arbeitstitel ab, den die Handelsplattform Robinhood angeblich vor ihrer offiziellen Benennung verwendet hatte. Es gibt jedoch keine offizielle Verbindung zum Unternehmen. Solche Community-getriebenen Token ohne wirklichen Nutzen haben den Aktienhandel auf der Blockchain in den Hintergrund getrieben.

Das Erwachen aus diesem Spekulations-Fiebertraum wird ernüchternd sein. Die Kryptobranche hat bereits einen solchen Memecoin-Zyklus gesehen und auch der NFT-Hype endete mit grossen Enttäuschungen.

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