Tom Hayes: «Project Chocolate» soll beweisen, dass die UBS ihn von Anfang an im Visier hatte

Weil die UBS die interne Untersuchung «Project Chocolate» nannte, sei klar, dass er von Anfang als Hauptschuldiger im Liborskandal festgestanden habe.

Tom Hayes: «Project Chocolate» soll beweisen, dass die UBS ihn von Anfang an im Visier hatte
Ex-Händler Tom Hayes verklagt die UBS auf 400 Millionen Dollar (Quelle: Screenshot BBC)

Der frühere Zinshändler Tom Hayes wirft der UBS vor, ihre interne Untersuchung zum Libor-Skandal von Beginn an gegen ihn ausgerichtet zu haben. Der Codename der Untersuchung – «Project Chocolate» – sei ein Beleg dafür, dass er bereits vor Abschluss der Ermittlungen als Hauptschuldiger festgestanden habe.

Der frühere Zinshändler Tom Hayes macht weiter Druck auf die UBS. Nachdem der britische Supreme Court seine Verurteilung wegen Libor-Manipulation im vergangenen Jahr aufgehoben hatte, verklagte er seine frühere Arbeitgeberin auf 400 Millionen Dollar Schadenersatz. Er reichte die Klage letzten Oktober in Connecticut in den USA ein. Darin wirft er der Bank unter anderem vor, sie habe die US-Behörden in die Irre geführt und ihn als den «bösen Mastermind» hinter dem Libor-Skandal hingestellt.

Im Beweisverfahren offengelegte Dokumente zeigen, dass die UBS ihre Untersuchung unter dem Projektnamen «Project Chocolate» führte. Der Grund dafür soll Hayes' Spitzname auf dem Tradingfloor gewesen sein. Er wurde «Tommy Chocolate» genannt, weil er an Anlässen lieber heisse Schokolade als Alkohol trank, heisst es in einem Gerichtsdokument seiner Anwälte, das der Financial Times (Abo) vorliegt.

Laut den Anwälten zeigt die Namensgebung, dass die UBS sich bereits vor Abschluss der internen Untersuchung auf Hayes als Schuldigen eingeschossen hatte. Der Codename sei bewusst gewählt worden, weil das eigentliche Ziel der Untersuchung darin bestanden habe, Hayes ans Messer zu liefern. Die UBS hatte im Jahr 2011 eine interne Untersuchung eingeleitet, nachdem US-Behörden im Zuge des Libor-Skandals erheblichen Druck auf die Bank ausgeübt hatten.

Die UBS hält dagegen, dass der Rechtsstreit nicht in Connecticut, sondern in England oder New York geführt werden müsse. Ausserdem beruft sich die Bank auf das sogenannte Anti-SLAPP-Gesetz des Bundesstaats Connecticut, das Klagen verhindern soll, die auf Einschüchterung abzielen, um Kritiker mundtot zu machen. Das Gesetz wurde eigentlich geschaffen, um Journalisten, Wissenschaftler oder Whistleblower vor sogenannten SLAPP-Klagen zu schützen (Strategic Lawsuits Against Public Participation).

Die Anwälte der UBS argumentieren, dass Hayes versuche, die Gerichte in Connecticut zu nutzen, um die Zusammenarbeit der Beklagten mit Strafverfolgungsbehörden zu sanktionieren – eine Form der Kommunikation, die rechtlich besonders geschützt sei.

Das Gesicht des Libor-Skandals

Hayes sass fünfeinhalb Jahre einer ursprünglich elfjährigen Haftstrafe ab. Er wurde beschuldigt, eine zentrale Rolle in einer gross angelegten Verschwörung zur Manipulation des inzwischen eingestellten London Interbank Offered Rate (Libor) gespielt zu haben.

Der Skandal, der 2012 öffentlich wurde, führte zu Bussen von insgesamt fast 10 Milliarden US-Dollar gegen ein Dutzend Banken und Brokerhäuser. Hayes beteuerte stets seine Unschuld und erklärte bereits im ursprünglichen Prozess, er habe lediglich an einer «branchenweiten Praxis» teilgenommen. Die Aufsichtsbehörden hätten ihn zum Sündenbock gemacht, um ein Exempel zu statuieren.

Hayes wurde zum bekanntesten Gesicht des Skandals. Nach seiner Verurteilung durch ein Londoner Gericht im Jahr 2015 verbrachte er fünfeinhalb Jahre im Gefängnis. Er hat stets betont, lediglich seine Arbeit erledigt und dabei mit Wissen seiner Vorgesetzten gehandelt zu haben. Der britische Supreme Court hob seine Verurteilung im vergangenen Jahr auf, sprach ihn jedoch nicht vollständig von allen Vorwürfen frei.

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