Kommentar

Wenn Insiderkäufe für die Katz sind

Die Gründer von Partners Group greifen tief in die Tasche und kaufen Aktien. Der Bulle wittert eine seltene Einstiegschance. Der Bär warnt vor einer klassischen Value-Falle.

Wenn Insiderkäufe für die Katz sind

Bulle: Ich habe Aktien von Partners Group gekauft.

Bär: Bist du auch in die Falle getappt. Nur die jüngsten Schocker dazu. Ende April hat der Hedgefonds Grizzly deinen Anlagemanager angegriffen, auch andere Leerverkäufer haben Blut geleckt. Im Juni die Hiobsnachricht, er beschränke Rücknahmen bei Evergreen-Fonds wegen zu grosser Abzüge von Kundengeldern. Das jüngste Update von letzter Woche hat die Zweifler nicht beruhigt. Generell ist die Kommunikation unbedarft. Mir reicht das, um die Finger davon zu lassen. 

Bulle: Du musst das grosse Bild im Auge behalten, wie die Insider aus der Geschäftsleitung. Die kaufen Aktien dazu. Partners Group bleibt für mich einer der profiliertesten Private-Equity-Spezialisten. Der Kursrückgang bietet darum eine verheissungsvolle Chance.

Bär: Soso, wieder einmal «buy the dip».

Bulle: Auf der Webseite der SIX schaue ich mir stets die Management-Transaktionen an.  Wenn Manager eigene Aktien kaufen oder verkaufen, ist das für uns Kleinanleger eine starke Empfehlung, was wir tun sollen.

Bär: Ein Manager kann aus mehreren für dich nicht relevanten Gründen Aktien verkaufen, etwa weil er Probleme mit dem Steueramt hat. Und bei Insiderkäufen sollte man ebenfalls genau hinschauen, gerade in deinem Fall.

Bulle: Die Insider von Partners Group haben allein seit Ende April, seit dem Tag der Grizzly-Attacke, neunzehn Kauftransaktionen im Gesamtwert von rund 67 Millionen Franken gemeldet. Wen das nicht überzeugt…

Bär: Der grösste Teil dieser Insiderkäufe wird auf die drei Unternehmensgründer Alfred Gantner, Urs Wietlisbach und Marcel Erni entfallen. 

Bulle: Sie sind und bleiben dem Unternehmen eben treu verbunden. Alle drei bringen sich ja als exekutive Verwaltungsräte weiter im Geschäft ein. Und jeder der drei besass Ende 2025 über 1,34 Millionen Aktien von Partners Group, jedes der Pakete ist selbst zu den heutigen Tiefkursen 910 Millionen Franken und mehr wert.

Bär: Darüberhinaus sind sie mehrfache Frankenmilliardäre. Für sie selbst spielen Aktienkäufe für ein, zwei Dutzend Millionen Franken keine entscheidende Rolle mehr.

Aber trotzdem kauft niemand Aktien, wenn er nicht glaubt, damit eine gute Rendite zu erzielen.

Bär: Finanzmedien reagieren doch wie Pawlowsche Hunde darauf und kläffen reflexhaft, dass das ein Kaufsignal sei, und viele Anleger wie du kaufen dann.
Bulle: Nicht zu unrecht, das Kaufsignal hat sich oft bewährt.

Bulle: Aber trotzdem kauft niemand Aktien, wenn er nicht glaubt, damit eine gute Rendite zu erzielen. Die drei haben bewiesen, dass sie wissen, wie man Geld verdient.

Bär: Die drei haben heute doch höheres im Sinn als nur Geldverdienen. Gantner ist laut Wikipedia Politaktivist. Wietlisbach ist auch politisch aktiv und Philanthrop. Erni wollte am Anfang gar nicht gross hinaus, sondern lieber skifahren und glücklich sein, wie er einmal sagte. Sie können bei Partners Group nicht loslassen, aber voll dabei sind sie auch nicht mehr. 

Bulle: Ihre Verdienste um das Private-Equity-Unternehmen sind unbestritten. Aber willst du behaupten, dass ihre Aktienkäufe gar kein richtiges Bekenntnis zum Unternehmen sind?

Bär: Sie wollen ihr Investment in Partners Group schützen, wohl richtig. Und sie wissen um die Wirkung von Insiderkäufen. Finanzmedien reagieren doch wie Pawlowsche Hunde darauf und kläffen reflexhaft, dass das ein Kaufsignal sei, und viele Anleger wie du kaufen dann.

Bulle: Nicht zu unrecht, das Kaufsignal hat sich oft bewährt. Mir ist letztes Mal aufgefallen, dass ein Verwaltungsrat der kleinen Metall-Zug-Gruppe im Juni für gegen 6 Millionen Franken Aktien gekauft hat, nahe einem Tief. Auch Jan Jenisch, Chef des Baustoffkonzerns Amrize, hat bei Kursschwächen konsequent zugekauft, wie Mitte Mai.

Bär: Und bei Partners Group? Da haben sich die vielen diesjährigen Aktienkäufe für die Insider nicht ausbezahlt…..

Bulle: Du denkst eben viel zu kurzfristig. Von den Analysten wird Partners Group auch positiv gesehen, neben den Kaufen- und Halten-Empfehlungen sehe ich keine Verkaufsempfehlung. 

Bär: Die Analysten sind für mich Kontraindikatoren. Sie sind Partners Group seit langem sehr freundlich gesinnt. Dabei datiert das Höchst der Aktien von November 2021, bis heute haben sie rund 60% verloren. Dieses Jahr sind sie über 30% im Minus, während der Swiss Market Index 7% im Plus liegt.

Bulle: Ein schönes Aufholpotenzial..

Bär: … nein, ein klarer Trend nach unten, der jedem zu denken geben muss. Offenbar ist der Höhepunkt überschritten. Wer das Umfeld von Partners Group, die Private-Equity- und Private-Debt-Märkte gut kennt, scheint die Finger von diesen Aktien zu lassen. Auch diese Leute sind Insider.

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