Private Markets
Die Rücknahmeprobleme beschränken sich nicht mehr auf einen einzelnen Fonds. Jetzt meldet Partner Group erhöhte Rücknahmeforderungen bei einem Fonds in Delaware.
4. Juni 2026 • Beat Schmid

16,33 Prozent verlor die Aktie der Partners Group am Dienstag. Der historische Kurseinbruch warf den Titel auf ein Niveau zurück, das zuletzt während der Corona-Pandemie erreicht worden war. CEO David Layton zeigte sich davon jedoch wenig beeindruckt. In einem Interview mit Bloomberg TV nahm er Stellung zu den Vorgängen, die den massiven Wertzerfall ausgelöst hatten.

Im Zentrum steht der Partners Group Global Value SICAV, ein Luxemburger Evergreen-Fonds mit Schwerpunkt Private Equity. Für das zweite Quartal lagen die Rücknahmeanträge bei rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts und damit deutlich über der Schwelle von 5 Prozent, ab der der Fonds Rücknahmen begrenzen kann.

Bemerkenswert war Laytons Argumentation. Der Fonds verfüge grundsätzlich über genügend Liquidität, um die Rücknahmen zu bedienen. Trotzdem habe man die sogenannten Gates aktiviert. Der Grund: Nur ein kleiner Teil der Anleger wolle aussteigen, während die grosse Mehrheit investiert bleiben wolle. Die vorhandene Liquidität solle deshalb nicht primär für Rückzahlungen verwendet werden, sondern dem Fonds ermöglichen, weiterhin attraktive Beteiligungen zu erwerben.

Der Fonds investiert vor allem in Private Equity und wird hauptsächlich von vermögenden Privatkunden in Europa gehalten. Anders als institutionelle Investoren reagierten diese Anlegergruppen in Phasen erhöhter Unsicherheit oft deutlich sensibler auf Marktbewegungen, sagte Layton.

Probleme in Delaware

Doch die Probleme beschränken sich inzwischen nicht mehr auf den Luxemburger Fonds. Partners Group teilte am Mittwoch mit, dass auch bei einem in Delaware domizilierten Private-Equity-Evergreen-Fonds die Rücknahmeanträge im jüngsten Tenderfenster über den vorgesehenen Limiten liegen dürften. Nach ersten Schätzungen belaufen sich die Rückkaufsanträge auf rund 6 Prozent des Fondsvermögens und liegen damit ebenfalls über der Schwelle von 5 Prozent. Bei drei weiteren Evergreen-Fonds mit einem Gesamtvolumen von 9,7 Milliarden Dollar werden Rücknahmen zwischen 3,5 und 5 Prozent erwartet. Die endgültigen Zahlen sollen Ende Juli veröffentlicht werden.

Damit weiten sich die Spannungen innerhalb der Evergreen-Plattform von Partners Group aus. Das Unternehmen erwartet, dass die Entwicklung das Netto-Neugeldwachstum im zweiten Halbjahr 2026 um ein bis zwei Prozentpunkte belasten könnte. Ein ähnlicher Effekt wird inzwischen auch für das Gesamtjahr 2027 erwartet.

Layton verwies darauf, dass die Branche insgesamt eine Phase erhöhter Volatilität bei offenen Evergreen-Fonds durchlaufe. Die Abflüsse hätten zunächst Private-Credit-Produkte betroffen und griffen inzwischen zunehmend auf Private Equity über. Tatsächlich meldete Partners Group auch bei mehreren weiteren reifen Evergreen-Fonds erhöhte Rücknahmen.

Grizzli hat nicht geholfen

«Sicher nicht geholfen» habe laut Layton zudem die Attacke des Short Sellers Grizzly Research. Obwohl die Vorwürfe von Partners Group rasch zurückgewiesen wurden, dürfte die Veröffentlichung die Nervosität vieler Anleger zusätzlich verstärkt haben. Hinzu kommen die Probleme im Private-Credit-Markt, wo es zuletzt mehrere spektakuläre Kreditausfälle gab.

Die Verunsicherung scheint sich damit zunehmend auf den gesamten Markt für nicht kotierte Anlagen auszudehnen. Dass Partners Group die Rücknahmen trotz ausreichender Liquidität begrenzte, dürfte die Debatte zusätzlich angeheizt haben. Denn für viele Anleger entsteht dadurch die Frage, wie liquide die als halb-liquide vermarkteten Evergreen-Produkte in Stressphasen tatsächlich sind.

Die eigentliche Frage ist nun weniger, ob Partners Group genügend Liquidität besitzt. Entscheidend wird sein, ob die Anleger den Evergreen-Strukturen weiterhin vertrauen. Die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, dass die Nervosität, die zunächst den Private-Credit-Markt erfasst hatte, zunehmend auch auf Private Equity übergreift.

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