Es ist ein trauriges Bild, das der Filialstandort der Zürcher Kantonalbank im Dorfkern der Zürcher Goldküstengemeinde Erlenbach abgibt. Die Schalterhalle, die Büros und die Beratungszimmer sind seit Jahren geschlossen. Bald wird auch der Bancomat abgebaut. Auf einem Zettel steht, dass der Geldautomat am 9. Juni ausser Betrieb genommen werde.
Die ZKB verweist ihre Kunden auf die Nachbargemeinden. Man solle nach Zollikon fahren, wo die Bank ihren Standort vom Gemeindezentrum ins Gewerbegebiet verlagert hat, nach Herrliberg oder gar nach Zumikon. Ein Kunde liess seinem Unmut freien Lauf und kritzelte auf den Zettel: «Immer weniger Freiheit! Big Brother lässt grüssen!»
Ein treuer ZKB-Kunde aus Erlenbach kann nicht verstehen, warum sich die staatliche ZKB ausgerechnet aus einer der wohlhabendsten Gemeinden des Kantons zurückzieht – zumal es keine andere Bank und auch sonst kaum noch Möglichkeiten für Bargeldbezüge in der Gemeinde gibt. Es bleibt lediglich der Bancomat der Migros Bank im Erlibacher Märt.
Der Kunde glaubt auch nicht, dass der Bancomat zu wenig genutzt wurde. Er liegt mitten im Dorf und in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs und sei entsprechend stark frequentiert. «Wer beim Thai-Restaurant nebenan ein Take-away abholt, holt sich den Cash beim Bancomaten.» Auch angesichts der Strategie der ZKB, das Private Banking und die Vermögensverwaltung auszubauen, kann er den kompletten Rückzug aus Erlenbach nicht nachvollziehen.
Die ZKB schreibt, die Bank stelle einen «sehr starken» Trend hin zu abnehmenden Bargeldbezügen fest. Das bargeldlose Bezahlen gewinne «fortlaufend» an Bedeutung. Als «nahe Bank» sei die Zürcher Kantonalbank jedoch überzeugt, dass physische Nähe – kombiniert mit digitalem Alltagsbanking – erfolgsentscheidend sei und dass es auch in Zukunft physische Nähe für die Beratung bei Finanzdienstleistungen brauche. Nur eben nicht mehr in Erlenbach.

