Laut Strategen der UBS könnte sich der Private-Credit-Markt weiter eintrüben. In einem aktuellen Worst-Case-Ausblick gehen sie davon aus, dass die Ausfallquoten auf bis zu 15 Prozent anschnellen könnten. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als in einer Prognose, die erst vor weniger als einem Monat veröffentlicht wurde. Dies wäre dann der Fall, wenn künstliche Intelligenz eine «aggressive» Disruption bei Unternehmensschuldnern auslöst.
UBS-Stratege Matthew Mish sieht eine «schnelle und tiefgreifende» Umwälzung ganzer Geschäftsmodelle durch KI als primären Auslöser des Unheils. Die Sorge, dass künstliche Intelligenz die US-Wirtschaft «massiv» destabilisieren könnte, habe in den vergangenen Wochen spürbar zugenommen. «Neu ist vor allem ein klarer erkennbarer Katalysator – eine rasche, schwere KI-getriebene Disruption», heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.
Die Nervosität an den Märkten hat zuletzt stark zugenommen. US-Aktien gerieten zum Wochenstart unter Druck, nachdem Citrini Research mit Schockprognosen im Zusammenhang mit KI für Aufsehen sorgte. In dem Bericht ist von einer Arbeitslosenquote von über 10 Prozent in den USA sowie einem starken Rückgang des S&P 500 bis 2028 die Rede.
Branchenschock löst Kettenreaktion aus
Kurz zuvor hatte Blue Owl Capital bei einem Private-Credit-Fonds die Gates hochgefahren und die Rücknahmen eingeschränkt – was zusätzlich Öl ins Feuer goss. Die Aktien grosser Private-Credit-Anbieter mussten deutlich Federn lassen. Blue Owl verlor seit Anfang Jahr rund 30 Prozent. Ebenfalls stark abgegeben haben Blackstone (minus 26 %) und Apollo Global Management (minus 22 %).
Aus Sicht der UBS-Strategen liegt das grösste Risiko in einem Branchenschock, der zu einer Kettenreaktion führen könnte: «Die akuteste Gefahr besteht darin, dass ein branchenspezifischer Einbruch zu einer Kaskade von Ausfällen führt.» Besonders anfällig sei die Technologiebranche, die durch eine schnelle KI-Adoption und durch einen plötzlichen Investitionsrückgang doppelt unter Druck geraten könne.
Wenn Jamie Dimon warnt
Aktuell liegen die Ausfallquoten im Private-Credit-Segment zwar noch zwischen drei und fünf Prozent. Gleichzeitig nehmen laut UBS jedoch Stresssignale zu. Dazu zählten unter anderem sogenannte Payment-in-Kind-Zinsen: Statt mit Cash werden fällige Zinsen mit Aktien, Anleihen oder Schuldscheinen im Gegenwert der Zinsen beglichen.
Auch für andere Kreditmärkte fällt der UBS-Ausblick düster aus. Für Leveraged Loans rechnen die Strategen im Worst Case mit Ausfallraten von bis zu sechs Prozent, für Hochzinsanleihen sogar mit bis zu zehn Prozent. In der vorherigen Analyse lagen diese Obergrenzen noch bei vier beziehungsweise acht Prozent.
Der Private-Credit-Markt wird auf rund 1,8 Billionen Dollar geschätzt. Er gilt als wenig transparent und steht seit Längerem unter Druck. Anfang Woche meldete sich auch Jamie Dimon mit einer Warnung zu Wort. Der JP-Morgan-Chef zog Parallelen zu den Jahren vor der globalen Finanzkrise 2008. Damals hatte eine Kreditbonanza der Wall-Street-Banken im US-Immobilienmarkt das internationale Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.

