Die Einbindung künstlicher Intelligenz in den Bankalltag scheint für viele Institute noch immer experimentellen Charakter zu haben. Zumindest lassen sich die Aussagen von Iqbal Khan so interpretieren, der sich in einem Interview zum Thema äusserte. Der Asienchef der Grossbank sagte am Rande der UBS Asian Investment Conference (AIC), mit KI stehe zwar die grösste Transformation bevor, die die Branche erleben werde. Doch Handfestes war von ihm kaum zu hören.
KI könne Effizienz und Produktivität «über das gesamte Unternehmen hinweg» verbessern. Entscheidend sei vor allem das «Upskilling» der Mitarbeitenden – also Weiterbildung und die Anpassung an neue Arbeitsprozesse. Der Co-Chef des Global Wealth Managements outete sich dabei auch als Nutzer von KI-Assistenten. Er habe eigene Agenten gebaut, die letztlich nichts anderes seien als eine Vielzahl komplexer Prompts. Diese Agenten nutze er selbst, um effizienter zu arbeiten.
Bei KI gehe es im Grunde genommen um Produktivität und zusätzliche Kapazitäten, sagte Khan. «Wenn es gelingt, diese Kapazitäten freizusetzen, um Kunden besser zu bedienen, den Anteil am Kundenvermögen (Share of Wallet) auszubauen und schneller zu wachsen, dürfte der Einfluss auf Arbeitsplätze weniger stark sein. Gelingt das jedoch nicht, wird dies selbstverständlich Auswirkungen auf Kosten und Beschäftigung haben», sagte Khan.
In der Bankenwelt wie auch in vielen anderen Branchen ist KI inzwischen zu einem dominierenden Thema geworden. KI-Systeme versprechen niedrigere Kosten und höhere Effizienz, gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf klassische Backoffice- und Standardfunktionen. Manche Bankchefs haben sich dabei mit markigen Worten zu Wort gemeldet.
Der CEO von Standard Chartered, Bill Winters, sagte kürzlich, KI könne «geringwertige menschliche Arbeit» (lower value human capital) ersetzen – eine Formulierung, für die er sich später entschuldigte. Bei Goldman Sachs Group Inc. sprach COO John Waldron von einer «menschlichen Fertigungsstrasse», die sich zunehmend automatisieren lasse. Vor allem repetitive Tätigkeiten in Operations, Compliance, Reporting oder Kundenservice gelten als besonders anfällig für KI-gestützte Rationalisierung.
Im Vergleich dazu schlägt Iqbal Khan einen moderateren Ton an. Optimistischer äusserte sich kürzlich Masahiro Kihara, CEO der Mizuho Financial Group Inc.. Selbst wenn KI bestimmte Aufgaben ersetze, bedeute das nicht automatisch einen Abbau von Stellen.
Die Finanzindustrie betrachtet KI inzwischen weniger als Experiment denn als strukturelle Transformation – vergleichbar mit der Digitalisierung des Onlinebankings oder der Einführung elektronischer Handelsplattformen.

