Orcel vor dem Ziel
Die deutsche Bundesregierung könnte froh sein, dass sie ihre Beteiligung an der Commerzbank endlich mit Gewinn abstossen könnte. Stattdessen kritisiert sie unbeirrt das Vorgehen der Italiener.
9. Juli 2026 • Beat Schmid

Die Überraschung ist gross in Deutschland, dass die italienische Unicredit einer Mehrheit an der Commerzbank immer näher kommt. Insgesamt wurden der Mailänder Bank 17,6 Prozent der Aktien angedient, wie am Mittwoch bekannt wurde. Zusammen mit ihrem bereits bestehenden Anteil von 26,77 Prozent steigt der direkte Anteil der Unicredit an der Commerzbank damit auf gut 44 Prozent. Das entspreche sogar 49,65 Prozent der Stimmrechte, da die eigenen Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt seien. Hinzu kommen rechnerische Auswirkungen des laufenden Aktienrückkaufprogramms der Commerzbank.

Unicredit hielt fest, dass die Annahmequote die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen habe. Man sei weiterhin bestrebt, «konstruktiv» mit allen wichtigen Stakeholdern zusammenzuarbeiten und die notwendigen regulatorischen Prozesse voranzutreiben. Man könnte also meinen, dass die Sache nun gelaufen ist.

Doch die in die Enge gedrängte Commerzbank-Führung will nicht aufgeben. Sie äusserte Zweifel daran, wie die hohe Annahmequote zustande gekommen ist. Demnach hätten weniger als zwei Prozent der institutionellen und privaten Aktionäre die Offerte angenommen. Die angedienten Aktien würden vor allem von Investmentbanken stammen, die mit Unicredit verbunden seien. Auch die deutsche Bundesregierung will nicht nachgeben, obwohl sie noch rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält. Sie kritisierte das Vorgehen der Unicredit erneut als «aggressiv und feindlich» und bezeichnete es als «nicht akzeptabel».

Mit Gewinn verkaufen

Dabei spricht die Entwicklung des Aktienkurses eine deutliche Sprache: Seit Beginn der Übernahmekampagne vor 22 Monaten haben die Commerzbank-Aktien rund 160 Prozent an Wert gewonnen. Statt diesen Erfolg zu nutzen, einen beträchtlichen Gewinn für den Steuerzahler zu realisieren und den langjährigen Staatsanteil endlich abzubauen, blockiert Berlin die Übernahme weiterhin. Es ist unverständlich, dass sie Regierung die wirtschaftlichen Realitäten nicht anerkennen will.

Pro Memoria: Die deutsche Regierung stieg am 8. Januar 2009 bei der Commerzbank ein, um sie vor dem Untergang zu retten. Viele Grossbanken wurden damals von Regierungen gestützt, um grossen Schaden für die Volkswirtschaft abzuwenden. Während die Staaten meisten wieder ausgestiegen sind – so etwa der Bund bei der UBS –, hielt die Deutsche Regierung an der Beteiligung fest. 2024 hat sie sie sogar wieder leicht ausgebaut. Die Regierung stieg bei einem Kurs von 6 Euro ein. Hinzukamen Kapitalerhöhungen und anderen Massnahmen, die einen realen rechnerischen Einstiegspreis von 26 Euro ergeben. Heute handeln die Titel bei knapp 38 Euro.

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