Kantonalbanken
Christophe Mettler von Freiburger Kantonalbank sitzt neu auch im Verwaltungsrat der Jurassischen Kantonalbank. Beide Institute sehen darin keinen Interessenkonflikt. Doch die personelle Verflechtung wirft Fragen auf.
3. Juli 2026 • Beat Schmid

Christophe Mettler gilt als Schwergewicht. Der ausgebildete Anwalt und ehemalige UBS- und Crédit-Agricole-Manager ist Leiter der Division Rechtsdienst, Risk und Compliance der Freiburger Kantonalbank (BCF). Er sitzt auch in deren Geschäftsleitung. Zusätzlich zu diesem Job nimmt er noch Verwaltungsratsmandate wahr. Ein besonders heikles kam vor wenigen Wochen hinzu. Mitte Mai wurde Mettler ins oberste Leitungsgremium der Banque Cantonale du Jura (BCJ) gewählt.

Wie kommt es, dass ein Geschäftsleitungsmitglied einer Kantonalbank Einsitz im Verwaltungsrat einer anderen Kantonalbank nimmt? Kantonale Institute operieren zwar im Retailgeschäft mehr oder weniger innerhalb ihrer Kantonsgrenzen. Doch in vielen anderen Bereichen sind sie Konkurrenten. Was, wenn ein in Freiburg wohnhafter Unternehmer mit seinem im Jura ansässigen Unternehmen in Schwierigkeiten gerät? Möglicherweise hat er bei beiden Banken Kreditlinien offen. Auch in vielen anderen Konstellationen können Interessenkonflikte entstehen.

Für die beiden Kantonalbanken scheint das kein Problem zu sein. «Die Banque Cantonale du Jura und die Freiburger Kantonalbank stehen nicht in einem direkten Wettbewerbsverhältnis. Beide Institute sind hauptsächlich in ihrem jeweiligen Kantonsgebiet tätig und betreuen dort ihre regionale Kundschaft», schreibt eine Sprecherin der BCF. Die Frage, wie sich die BCF dazu stellt, dass Christophe Mettler mit dem Mandat in unüberbrückbare Interessenkonflikte geraten könnte, beantwortet sie nicht.

«Kein Interessenkonflikt»

Bei der jurassischen Kantonalbank wird die Sprecherin konkreter: «Die BCJ war sich der von Herrn Mettler ausgeübten Funktionen zum Zeitpunkt seiner Wahl vollumfänglich bewusst. Seine Kandidatur wurde im Einklang mit den geltenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen an die Corporate Governance von Banken geprüft. Die beiden Banken stehen nicht in direktem Wettbewerb zueinander. Im Gegenteil: Die beiden Institute arbeiten bei bestimmten Projekten zusammen. Es liegt also kein Interessenkonflikt vor.»

Dass Banken in Projekten zusammenarbeiten, kommt natürlich oft vor. Das ist jedoch noch lange kein Grund, weshalb man Einsitz in einen Verwaltungsrat nimmt. Auch die Aussagen, wonach die Banken in keinem direkten Wettbewerb stehen, machen stutzig. Etliche Kantonalbanken haben mit ihren Angeboten längst die Kantonsgrenzen verlassen. Viele Kantonalbanken haben zudem digitale Produkte aufgebaut, die Kunden in der ganzen Schweiz zugänglich sind.

Vielmehr ist der Wettbewerb ausdrücklich gewünscht. Der Preisüberwacher etwa begrüsst einen intensiven Wettbewerb zwischen den Kantonalbanken nicht nur, sondern fordert ihn aktiv ein. Für Stefan Meierhans ist ein funktionierender Wettbewerb das wichtigste Werkzeug gegen überhöhte Preise. Sogar der Verband der Kantonalbanken widersetzt sich dem Wettbewerbsgedanken nicht grundsätzlich.

Mehrfachmandate nicht «per se» ausgeschlossen

Interessant ist, dass die Finanzmarktaufsicht nichts gegen die personelle Verflechtung einzuwenden hatte. Zum konkreten Fall äussert sie sich wie üblich nicht. Generell sagt eine Sprecherin: «Mehrfachmandate bei verschiedenen Banken sind aufsichtsrechtlich nicht per se ausgeschlossen, sofern insbesondere die Vermeidung von Interessenkonflikten sowie die zeitliche Verfügbarkeit sichergestellt sind, damit die Gewährsfunktion mit der gebotenen Sorgfalt ausgeübt werden kann.»

Die Aufsicht, die bei der Wahl von Organen den Instituten oftmals pingelig auf die Finger schaut, lässt beim Thema Interessenkonflikte oftmals das nötige Gespür vermissen. So liess die Behörde zu, dass Bernadette Koch gleichzeitig im Verwaltungsrat der Post und der LUKB Einsitz nehmen konnte. Nach öffentlichem Druck zog sich Koch dann aus dem Verwaltungsrat der Post zurück.

MEHR ZUM THEMA


Also doch: Bernadette Koch verlässt Post-Verwaltungsrat

Einen Tag nach ihrer Wahl in den Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank gibt die Multiverwaltungsrätin ihren Rückzug aus dem Postkonzern bekannt. Zuvor gab es heftige Kritik wegen Interessenskonflikten.
14. April 2026

Der heikle Sesselwechsel von Bernadette Koch

Multiverwaltungsrätin wechselt von Postfinance zur Luzerner Kantonalbank – will aber Vizepräsidentin des gelben Riesen bleiben. Das ist mehrfach heikel, weil sie sich in kaum lösbare Interessenskonflikte hineinmanövriert. Warum lässt die Finma das zu?
15. Dezember 2025