Statt sich darüber zu freuen, endlich ihren Anteil an der Commerzbank veräussern zu können, wehrt sich die deutsche Regierung mit Händen und Füssen gegen den Übernahmeversuch der italienischen Konkurrentin Unicredit. Um den europäischen Finanzplatz nach vorne zu bringen, wäre ein deutsch-italienischer Schulterschluss wohl keine schlechte Sache.
Doch das will der hochverschuldete deutsche Staat nicht. Wie nun bekannt wurde, hat die Regierung in diesem Jahr bei europäischen Banken sondiert, ob sie die Commerzbank gegen das Übernahmeangebot der Unicredit verteidigen könnten. Deutsche Beamte sind offenbar informell bei Banken vorstellig geworden, um auszuloten, ob ein strategischer Investor eine Beteiligung erwerben oder sogar die in Frankfurt ansässige Bank übernehmen könnte, berichtet Bloomberg, ohne weitere Namen zu nennen.
Die Bundesregierung taxiert das Angebot der Italiener als «feindliche Übernahme» und lehnt es weiterhin ab. In Berlin scheint man besorgt zu sein, dass zentrale Entscheidungen von Frankfurt nach Mailand verlagert werden könnten. Zu protektionistischen Massnahmen will man dennoch nicht greifen – aus Sorge um den Ruf Deutschlands und seines Finanzplatzes und aufgrund rechtlicher Beschränkungen innerhalb der Europäischen Union, die eine Vollblockade von Übernahmen im Binnenmarkt verbieten.
Bafin moniert Banner-Kampagne
Der Chef der Unicredit, Andrea Orcel, hat in den letzten Monaten die Beteiligung an der zweitgrössten Bank Deutschlands sukzessive auf rund 30 Prozent ausgebaut. Bei dieser hohen Beteiligungsquote wird es für jeden weissen Ritter schwierig, einen Konkurrenten auszustechen. Der deutsche Staat ist 2008 in der Finanzkrise bei der Commerzbank eingestiegen und hält aktuell noch einen Anteil von 12 Prozent.
Die Übernahmeschlacht wird immer gehässiger. Letzte Woche schaltete Unicredit eine Banner-Kampagne, die die Commerzbank in ein schiefes Licht stellte. Das hat nun ein Nachspiel. Die deutsche Bafin hat die italienische Grossbank aufgefordert, die Veröffentlichung von «unsachlichen Werbeanzeigen» in Bezug auf die Commerzbank zu unterlassen. Diese Werbeanzeigen seien geeignet gewesen, die Entscheidung der Aktionäre der Commerzbank beim Übernahmeangebot zu beeinflussen, kritisierte die Bafin. Die Aufmachung sei «reisserisch und unsachlich» gewesen. Die italienische Bank räumte später ein, dass die Übersetzung eines einzigen Wortes aus der englischen Originalfassung ins Deutsche möglicherweise zu Missverständnissen geführt habe.

