Die Aufnahme am Dienstag in den Nasdaq 100 brachte dem KI- und Raketenunternehmen SpaceX kein Glück. Die Aktien tauchten gestern um 6,49 Prozent und schlossen bei 149 Dollar. Damit handeln sie ungefähr dort, wo sie vor drei Wochen beim grössten Börsengang der Geschichte gestartet waren.
Der gestrige Kurssturz dürfte viele Beobachter auf dem falschen Fuss erwischt haben. Offenbar hat die Schwäche bei wachstumsstarken Technologiewerten, darunter auch Micron Technology (minus 4,71 Prozent), eine grössere Wirkung auf den Kurs von SpaceX ausgeübt als die Aufnahme in den Nasdaq-100-Index beziehungsweise die damit verknüpfte Hoffnung, dass die Titel nach einer mehrwöchigen Post-IPO-Depression nun wie eine Rakete abheben würden.
Schon vor dem IPO gab es Kritik am deutlich beschleunigten Aufnahmeprozedere für das von Elon Musk geführte Unternehmen. Nichtsdestotrotz ist die Aufnahme von SpaceX in den Index weniger als einen Monat nach dem Börsengang vom 12. Juni Tatsache geworden. Möglich wurde das durch geänderte Nasdaq-Regeln, um Börsenneulingen einen Highspeed-Zugang zu wichtigen Aktienindizes zu ermöglichen.
Index-Aufnahme kein Selbstläufer
Mit der Aufnahme in den technologieorientierten Nasdaq-100 entsteht eine zusätzliche Nachfrage nach der Aktie: Indexfonds und börsengehandelte Fonds (ETFs), die den Nasdaq-100 nachbilden, müssen SpaceX-Aktien kaufen, um die neue Zusammensetzung des Index abzubilden.
Nach LSEG-Daten erhält SpaceX im Nasdaq-100 zunächst ein Gewicht von 1,34 Prozent. Damit liegt das Unternehmen deutlich hinter Schwergewichten wie Nvidia oder Apple, da die Nasdaq die Gewichtung anhand des frei handelbaren Aktienbestands (Free Float) berechnet – und der ist eben viel kleiner als bei den grossen Tech-Bros-Titeln.
Die Indexaufnahme scheint für SpaceX kein Selbstläufer zu sein. Die Nervosität im Markt ist hoch, weil die Erwartungen vielleicht zu stark hochgeschraubt sind. Ein nächster Orientierungspunkt sollen die Quartalszahlen geben, die auf den 6. August terminiert sind.
Euphorisierte Analysten
Dennoch überbieten sich Investmentbanken mit euphorisierten Kurseinschätzungen. Mehr als ein Dutzend haben ihre Berichterstattung über SpaceX mit Kaufempfehlungen aufgenommen. Die optimistischsten Kursziele gaben die grossen Konsortialbanken des Börsengangs ab. Morgan Stanley und JP Morgan haben ein Overweight- beziehungsweise Outperform-Rating und sehen den Kurs auf 225 bis 300 Dollar steigen.
Die UBS, die ebenfalls beim IPO berücksichtigt wurde, gab eine Buy-Empfehlung und ein Kursziel von 210 Dollar ab. Am unteren Ende liegt MoffettNathanson mit einem Ziel von 130 Dollar. Ganz oben steht Raymond James mit 800 Dollar. Das Unternehmen argumentiert, dass SpaceX sich zu einer der wichtigsten Infrastrukturplattformen des 21. Jahrhunderts entwickeln könne.
Das Schräge an den Analystenschätzungen ist: Je höher die Kursziele zum Teil gesetzt sind, desto niedriger werden die erwarteten Erträge eingeschätzt. Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass dem Titel etwas Kulthaftes anhaftet – wie das bei allen Ventures von Elon Musk zu sein scheint.

