Grasshopper Club
Investoren aus Zürich sind offenbar bereit, sämtliche Aktien der Grasshopper Fussball AG zu kaufen. Ziel ist ein Neustart auf die kommende Saison hin.
18. Mai 2026 • Beat Schmid

Dem Rekordmeister aus Zürich geht es sportlich schlecht. Heute Montag steht das erste Barragespiel gegen den FC Aarau an. Doch nicht nur sportlich läuft es unbefriedigend, der Verein hat sich auch mit seinen Fans überworfen. Zum Eklat kam es nach den Fussballspielen gegen Lausanne und den FC Luzern im April. «Wir schauen nicht mehr länger tatenlos zu, jetzt ist es Zeit, dass der LAFC (Los Angeles Football Club) Platz macht für neue Investoren aus der Schweiz», schreibt die Fangruppe Sektor IV auf ihrer Website.

Vier Tage nach dem Schreiben der Fans reagierten die GC-Besitzer mit einer bemerkenswerten Stellungnahme: «Bei den jüngsten Protesten wurden wir aufgefordert, den Verein zu verlassen. Wir möchten deshalb klar festhalten, dass wir offen für Gespräche über einen Teil- oder Vollverkauf der GFAG (Grasshopper Fussball AG) sind, sofern die langfristige Nachhaltigkeit des Clubs sichergestellt ist.» Soll der Club eine Zukunft haben, erfordere das einen «geeigneten, engagierten und finanziell leistungsfähigen» Eigentümer.

LAFC hat sich verkalkuliert

Der Los Angeles Football Club (LAFC) hat im Januar 2024 die Mehrheit der Grasshopper Fussball AG übernommen – und sich verkalkuliert, wie er selber sagt. Man habe gewusst, dass es langwierig und schwierig werden würde, die Wende herbeizuführen. «Allerdings haben wir unterschätzt, wie sehr.» Jetzt zeigen sich die Besitzer bereit, sich aus Zürich zu verabschieden.

Wie tippinpoint erfahren hat, gibt es zumindest einen Kaufinteressenten. Es handelt sich dabei um ein Multi-Family-Office aus der Region Zürich. Dieses soll Vermögenswerte von über einer Milliarde Franken verwalten. Laut Unterlagen, die die Redaktion einsehen konnte, erfolgte die erste Kontaktaufnahme bereits im vergangenen Jahr. Seither seien konkrete Kaufangebote abgegeben und Commitments gemacht worden, wie eine Quelle aus dem Umfeld der Investoren sagt. Ziel ist ein Neustart auf die kommende Saison hin.

Ein Besitzer, viele Clubs

Die potenzielle Käuferschaft beabsichtigt, den Club aus dem sogenannten Multi-Club-Ownership-Modell herauszulösen und künftig autonom weiterzuführen. Neben dem Grasshopper Club kontrolliert der LAFC auch den österreichischen Club FC Wacker Innsbruck. Gemeinsam mit dem FC Bayern München betreiben die Amerikaner zudem ein Joint Venture, das Anteile an der Jugendakademie Gambino Stars (Gambia) sowie an Vereinen in Südamerika und Südkorea hält.

Allerdings scheint das Angebot der Schweizer Kaufinteressenten bei den GC-Besitzern aus Kalifornien bisher auf wenig Gegenliebe zu stossen. Laut einer Auskunftsperson gebe sich der LAFC zwar öffentlich offen für einen Verkauf, gleichzeitig gehe der Club nicht auf die vorliegenden Angebote ein und ignoriere Kontaktversuche. Die Kaufinteressenten aus Zürich scheinen es ernst zu meinen und haben auch Persönlichkeiten an Bord geholt, die in der schweizerischen und internationalen Fussballszene vernetzt sind. Ein Sprecher des Grasshopper Club liess eine Anfrage unbeantwortet.