Anlagepolitik
Die Schweizerische Nationalbank liess jahrelang die Finger von dem umstrittenen Goldminenkonzern. Jetzt investiert sie wieder Millionen, obwohl Ratings zum Teil in die höchste Negativkategorie fallen.
13. Mai 2026 • Beat Schmid

Im ersten Quartal baute die Nationalbank ihre Position beim umstrittenen US-Goldkonzern Barrick Mining Corporation deutlich aus – um knapp 26 Prozent. Wie Tippinpoint am Dienstag berichtete, erhöhte die Frankenwächterin ihre Beteiligung an Barrick Mining überproportional stark. Gegenüber Ende 2025 baute sie die Position um 25,9 Prozent von 4,51 auf 5,68 Millionen Aktien aus, was einem Investment von über einer Viertelmilliarde Dollar entspricht.

Interessant ist, dass die SNB Aktien dieses Unternehmens jahrelang mied. Die US-Positionen der Schweizer Notenbank werden von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC seit August 2013 offengelegt. Die SNB stockte ihre Positionen bei dem Goldminenbetreiber bis Anfang 2016 kontinuierlich auf. Doch im zweiten Quartal 2016 kam es zu einem «spektakulären Rückzieher», wie die damalige «Zentralschweiz am Sonntag» berichtete. Die SNB stiess ihre Beteiligung vollumfänglich ab.

Die SNB blieb bis in den Herbst 2025 desinvestiert – also fast zehn Jahre lang. Im vierten Quartal stieg sie dann plötzlich wieder ein und baute die Position im ersten Quartal nochmals deutlich aus.

Warum ist die SNB vor 10 Jahren raus und jetzt wieder rein?

Üblicherweise bewirtschaftet die SNB ihre Positionen nicht aktiv, sondern bildet sie indexnah ab. Der plötzliche Verkauf 2016 musste damals also einen anderen Grund gehabt haben, zumal die Titel damals Rückenwind hatten. Da die SNB keine Angaben zu einzelnen Titeln macht, kann darüber nur spekuliert werden. Naheliegend ist, dass sich die Währungshüter aufgrund «nicht-finanzieller Aspekte» von den Aktien trennten.

«Grundlegende Normen und Werte der Schweiz»

Die Notenbank verpflichtet sich gemäss ihren Richtlinien zur Anlagepolitik, die «grundlegenden Normen und Werte der Schweiz» zu berücksichtigen. «Sie investiert nicht in Aktien und Anleihen von Unternehmen, deren Produkte oder Produktionsprozesse in grober Weise gegen gesellschaftlich breit anerkannte Werte verstossen. Die SNB erwirbt daher keine Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die in die Produktion international geächteter Waffen involviert sind, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen.»

Noch schleierhafter ist, warum die SNB bei Barrick plötzlich wieder zugriff. Interessant ist, dass sich das Unternehmen im Mai 2025 umbenannte. Aus Barrick Gold wurde die Barrick Mining Corporation. Dieser Schritt sollte eine strategische Neuausrichtung widerspiegeln und den wachsenden Fokus auf Kupfer neben der Kernkompetenz Gold verdeutlichen, begründete das Unternehmen damals. Seit Mai 2025 werden die Aktien unter dem neuen Namen und Ticker gehandelt. Mag dies der triviale Grund sein, warum die Händler der SNB wieder zugriffen?

Klar ist, das Unternehmen ist weiterhin umstritten – wie ein seit Monaten laufender Streit mit dem Ratingunternehmen MSCI zeigt. Dieses verwies in seinem ESG-Rating auf mögliche Verstösse gegen Prinzipien des UN Global Compact und sprach von schwerwiegenden Kontroversen. Die Bewertungen umfassten teilweise die höchste Negativkategorie «Very Severe». Barrick wies dies als sachlich falsch und unangemessen zurück. Da die Ratings über Investments in Millionenhöhe entscheiden können, ist die Gegenwehr nachvollziehbar. Ein SNB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Das Institut nimmt generell keine Stellung zu Einzelpositionen.

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