Robert Studer ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Wie einer in der NZZ publizierten Todesanzeige zu entnehmen ist, starb er am 6. Mai. Sein Lebenskreis habe sich nach einem schönen, interessanten und reich erfüllten Leben wunschgemäss geschlossen, heisst es im Text.
Studer war Luzerner und absolvierte nach der Schule eine kaufmännische Lehre. Nach Sprachaufenthalten trat er später in die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) ein. Er kletterte die Karriereleiter hoch und wurde Chef und später Verwaltungsratspräsident der Bankgesellschaft. Er prägte die Bank in den 1980er- und 1990er-Jahren entscheidend mit. In der Armee war er Oberst im Generalstab.
Studer verkörperte den klassischen SBG-Banker: diskret und militärisch geprägt. Auf dem Wolfsberg, der Kaderschmiede der SBG, sagte er 1991 einst: «Die gute Bank zeichnet sich aus durch Qualität in der Dienstleistung und durch Diskretion – nicht durch Auftritte in der Öffentlichkeit.»
Affäre um nachrichtenlose Vermögen
Trotzdem scheute Studer im Gegensatz zu vielen heutigen Topbankern den Gang in die Öffentlichkeit nicht. Davon zeugen Auftritte in der Fernsehsendung «Arena» und anderen Formaten. In Studers Amtszeit fiel die wohl schwerste Reputationskrise des Schweizer Finanzplatzes seit dem Zweiten Weltkrieg. In der Affäre um nachrichtenlose Vermögen jüdischer Holocaust-Opfer kam Studer international unter Beschuss. Besonders heftig kritisiert wurden der Umgang der Banken mit historischen Akten sowie die zögerliche Kommunikation gegenüber amerikanischen Behörden und jüdischen Organisationen.
SRF konfrontierte Studer damals mit Fragen zur Aktenvernichtung und zur Verantwortung der Banken. Die Krise beschädigte nicht nur den Ruf der Banken, sondern erschütterte auch das Selbstverständnis einer ganzen Banker-Generation.
Robert Studer war eine Übergangsfigur: ein konservativer SBG-Banker und gleichzeitig einer jener Manager, unter denen die Schweizer Grossbanken den Schritt in die globalisierte Finanzwelt wagten – nach London und New York. Die Fusion von SBG und Schweizerischem Bankverein zur UBS im Jahr 1998 markierte eine Zeitenwende.
Historiker und frühere Weggefährten beschrieben später, wie die traditionelle SBG-Kultur unter dem Einfluss angelsächsischer Investmentbanker zunehmend verdrängt wurde. Einer seiner Nachfolger war Marcel Ospel, der ab Mitte der 1990er-Jahre zur dominierenden Figur der Bank wurde und die UBS zur Nummer eins an der Wall Street machen wollte.

