UBS-Chef Sergio Ermotti hat eine mögliche Übernahme in den USA nicht ausgeschlossen. Die Schweizer Grossbank müsse ihr Geschäft in den Vereinigten Staaten ausbauen, sagte Ermotti am Mittwoch am St. Gallen Symposium. Dies müsse nicht zwingend über eine Akquisition geschehen. «Möglicherweise müssen wir eine Übernahme tätigen. Vielleicht wollen wir eine Übernahme tätigen», sagte er. Keine grosse Organisation könne Akquisitionen grundsätzlich ausschliessen.
Die UBS hatte im März eine nationale Banklizenz in den USA erhalten. Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hatte bereits früher erklärt, die Bank könne nach Abschluss der Credit-Suisse-Integration einen weiteren US-Vermögensverwalter übernehmen. Die Integration der ehemaligen Rivalin befindet sich laut UBS in der Schlussphase.
Die UBS hegt schon lange Pläne, ihr Geschäft in den USA auszubauen – auch mittels einer Akquisition. Der frühere UBS-Präsident Axel Weber sagte vor bald drei Jahren der NZZ, dass sich die Bank nach Akquisitionszielen in den USA umgesehen hatte. Namentlich erwähnte er die Silicon Valley Bank und die First Republic Bank – zwei Institute, die im Frühling 2023 zusammenbrachen, nachdem Kunden massiv Gelder abgezogen hatten. Die Vertrauenskrise beschleunigte damals auch den Niedergang der Credit Suisse.
Dass es nicht zu einem Kauf kam, könnte auch Axel Webers Verdienst gewesen sein. Er galt als Bremser und stand einer Expansion in den USA eher skeptisch gegenüber. Hingegen unterstützte Weber den Kauf des Fintechs Wealthfront, den Ermotti-Nachfolger Ralph Hamers eingefädelt hatte. Colm Kelleher, der dem vorsichtigen Deutschen an der Spitze der Bank folgte, stoppte den Kauf von Wealthfront jedoch in letzter Sekunde. Ihm dürfte – ähnlich wie Ermotti – eher ein grösserer Deal in den USA vorschweben.
Die Expansionspläne des UBS-Duos stehen jedoch quer zu den Plänen des Bundesrats, der mit verschärften Kapitalregeln grosse Auslandsabenteuer verteuern und damit unattraktiver machen will. Das Parlament prüft derzeit alternative Vorschläge, die die Vorgaben verwässern. Eine Entscheidung dürfte sich bis mindestens September hinziehen.
«Kämpfen bis zur letzten Minute»
Ermotti betonte, er wolle bis zur «letzten Minute» dafür kämpfen, dass die UBS ihren Hauptsitz in der Schweiz behalten könne. Gleichzeitig müsse die Bank aber auf alle Szenarien vorbereitet sein. «Ich konzentriere mich auf eine Option: eine starke UBS aus der Schweiz heraus», sagte er.
Auch zur Nachfolge an der Konzernspitze äusserte sich Ermotti in St. Gallen. Er zeigte sich zufrieden mit dem internen Kandidatenpool. Auf die Frage, ob er sich später das Verwaltungsratspräsidium vorstellen könne, sagte er: «Ich konzentriere mich auf meine aktuelle Rolle.»

