Es sind verstörende Botschaften, die Jeffrey Epstein mit Ariane de Rothschild austauschte. Einerseits ging es um die Rekrutierung des ehemaligen israelischen Verteidigungsministers und Ministerpräsidenten Ehud Barak, andererseits sollte Epstein einen Verkaufsdeal der Privatbank Edmond de Rothschild an die Bank Julius Bär einfädeln.
Dutzende E-Mails und Treffen belegen eine geschäftliche Zusammenarbeit und auch private Nähe zwischen dem Sexualstraftäter und Ariane de Rothschild, die vor dem überraschenden Tod ihres Ehemanns operative Chefin der Genfer Privatbank war.
Doch Jeffrey Epstein biss bei Bär auf Granit. Es kam zwar zu formellen Gesprächen, doch zu ernsthaften Verhandlungen ist es nicht gekommen. Boris Collardi liess die Kontakte zu Epstein einschlafen. E-Mails aus dem Jahr 2017 zeigen, wie dieser mehrfach versuchte, den Banker zu treffen oder mit ihm zu telefonieren.
«Quite good I didn't trust him»
Ende 2017 verliess Boris Collardi Julius Bär und wechselte im Juni 2018 als Partner zu Pictet. Später schrieb Jeffrey Epstein ein E-Mail an Ariane de Rothschild: «boris asked if i wanted an account at pictet. ? I was surprised as i thought no american accounts? have you changed your mind as well ?»
Darauf schrieb sie ihm zurück: «Pictet has the sec regulated license, that s why they can (sic) Great antisemitic bank … As for Boris, it was after all quite good I didn't trust him … What was the feedback on the hotel? Ariane de Rothschild».
Hat Collardi tatsächlich Jeffrey Epstein ein Konto bei Pictet angeboten? Der Banker, der heute im Verwaltungsrat von EFG International sitzt, lässt über einen Sprecher dementieren. «Niemals» habe er Jeffrey Epstein ein Konto angeboten.
Der Sprecher bestätigt jedoch, dass es zu zwei Treffen zwischen Epstein und Collardi bei Julius Bär in Zürich gekommen sei. An den Gesprächen sei auch der damalige Bär-Finanzchef Dieter Enkelmann beteiligt gewesen. Epstein sei als Berater von Ariane de Rothschild in Erscheinung getreten, daher sei es normal gewesen, dass es zu diesen Treffen kam.
Update: Eine bisher unbekannte E-Mail-Korrespondenz zwischen Collardi und Epstein deutet darauf hin, dass Collardi Epstein tatsächlich kein Konto bei Pictet angeboten hatte. Weniger als eine Stunde, bevor Epstein die E-Mail an de Rothschild absetzte, erkundigte er sich bei Collardi, ob Pictet US-Kunden annehmen würde. Konkret schrieb er ihm am 19. Dezember kurz vor Mitternacht den formlosen Einzeiler: «Hope you are having a good holiday, is Pictet taking American clients?» In dem E-Mail, das Tippinpoint einsehen konnte, steht nichts davon, dass Pictet Jeffrey Epstein ein Konto angeboten oder in Aussicht gestellt hätte.

