Letzte Woche stellte das US-Justizministerium Millionen von Akten ins Internet – viele davon sind allerdings nicht neu. So zum Beispiel viele E-Mails, die einen intensiven Austausch zwischen Jeffrey Epstein und Ariane de Rothschild belegen. Die Bankerin war ab 2015 Chairman der Privatbank Edmond de Rothschild; seit 2023 ist sie CEO des Instituts.
So war es das Wall Street Journal, das im April 2023 in einer Recherche die Beziehung aufdeckte. Die Zeitung schrieb:
Ariane de Rothschild, die in die berühmte Bankiersfamilie eingeheiratet hatte, traf sich mehr als ein Dutzend Mal mit Epstein. Den Unterlagen zufolge bat er sie um Hilfe bei der Personalbeschaffung und der Einrichtung und besprach mit ihr auch Geschäftsabschlüsse.
Im September 2013 bat Epstein de Rothschild in einer E-Mail um Hilfe bei der Suche nach einer neuen Assistentin, «weiblich ... mehrsprachig, organisiert».
«Ich werde mich umhören», antwortete de Rothschild per E-Mail.Den Unterlagen zufolge kaufte sie 2014 und 2015 im Auftrag von Epstein Auktionsartikel im Wert von fast 1 Million Dollar.
Ariane de Rothschild wurde im Januar 2015 zur Vorsitzenden der Bank ernannt. Im Oktober desselben Jahres handelten sie und Epstein einen Vertrag über 25 Millionen Dollar für Epsteins Southern Trust Co. aus, um «Risikoanalysen und die Anwendung und Nutzung bestimmter Algorithmen» für die Bank bereitzustellen, wie aus einem vom Journal geprüften Vorschlag hervorgeht.
Im Jahr 2019, nachdem Epstein verhaftet worden war, erklärte die Bank, dass Ariane de Rothschild Epstein nie getroffen habe und dass sie keine geschäftlichen Verbindungen zu ihm habe.
Die Bank räumte gegenüber dem Journal ein, dass ihre frühere Aussage nicht korrekt war. Sie erklärte, Ariane de Rothschild habe sich zwischen 2013 und 2019 im Rahmen ihrer normalen Aufgaben bei der Bank mit Epstein getroffen, und Epstein habe die Bank US-Finanzführern vorgestellt, Anwaltskanzleien empfohlen und Steuer- und Risikoberatung geleistet.
«Parallel dazu bat Epstein sie bei mehreren Gelegenheiten persönlich um Rat und Unterstützung bei der Verwaltung seines Vermögens», erklärte die Bank.
Ariane de Rothschild hatte keine Kenntnis von rechtlichen Schritten gegen Epstein und «war sich auch keiner Fragen hinsichtlich seines persönlichen Verhaltens bewusst», so die Bank. Nachdem sie später von seinem Verhalten erfahren hatte, erklärte die Bank, «fühlt sie mit den Opfern und unterstützt sie».
Verbindungen zu Ehud Barak
In November 2025 publizierte das Rechercheportal Dropsitenews weitere heikle Details. Diese stützen sich auf damals bereits vorliegenden Informationen, die das U.S. House Oversight Committee am 12. November veröffentlichte.
Gemäss diesen E-Mails plante Epstein im Januar 2014, mit de Rothschild ein Broadway-Stück zu schauen und eine private Reise nach Montreal im September. Zudem legen E-Mail nahe, dass sich die beiden über private Angelegenheiten austauschten.
Dem Portal liegt zudem der geleakte Posteingang des ehemaligen israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak vor. Aus E-Mails geht hervor, wie Epsteins sich bemühte, seine persönliche Freundschaft mit de Rothschild zu nutzen, um Mittel für die Entwicklung israelischer Cyberwaffen zu beschaffen.
Epstein habe dabei oft als Vermittler zwischen der Bankerin und dem ehemaligen Premierminister fungiert. In einer Notiz gab Epstein ein Angebot von de Rothschild an Barak weiter: «If Ehud wants to make serious money, he will have to build a relationship with me. take time so that we can truly understand one another.» Barak bat um Rat und vertraute dabei auf Epsteins vermeintliche Expertise in Sachen Frauen – «Ich bin bereit», schrieb er, «aber ich brauche deinen Rat, wie ich vorgehen soll (Frauen sind deine Stärke).» Gemäss Dropsitenews ist nicht belegt, ob die Rothschild-Bank letztendlich an den Cyberwaffen-Bemühungen von Epstein und Barak beteiligt war.
Zu einer direkten Zusammenarbeit mit Ehud Barak ist es nicht gekommen. Als er im Januar 2013 ans WEF nach Davos reiste, sei er von Privatbanken umworben worden, die seine politischen Verbindungen nutzen wollten, um ultrareiche Privatpersonen als neue Kunden zu gewinnen. Im März 2013, kurz nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister, erhielt Barak einen Vertrag von Boris Collardi, der damals CEO der Julius Bär war.
Die Bank bot ihm 600’000 Franken Honorar für seine Dienste als «strategischen Berater», der der Bankleitung geopolitische Beratung anbieten sollte. In seinem Pitch an Julius Bär empfahl er der Bank aber auch, neue Kapitalquellen in «unbekannten Gewässern» zu erschliessen – in einer E-Mail schlug er «russisches, wahrscheinlich auch chinesisches sowie jüdisches (nicht US-amerikanisches) Kapital als neue wichtige Kapitalquellen» vor.

