Wohnbauprojekt verhindert
Der frühere Raiffeisen-Präsident steht in der Kritik bei Einheimischen im Unterengadin, weil er mit anderen Zweitwohnungsbesitzern bezahlbaren Wohnraum für Familien verhindert.
30. Januar 2026 • Beat Schmid

Der frühere Präsident der Raiffeisen-Banken, Johannes Rüegg-Stürm, wurde schweizweit bekannt als der Abnicker der Spesenabrechnungen von Pierin Vincenz. Der Professor musste 2018 von seinem Amt bei Raiffeisen zurücktreten und an der Universität St. Gallen eine Auszeit von seiner Lehr- und Forschungstätigkeit nehmen.

Seither ist es still geworden um Johannes Rüegg-Stürm. Wenn er Schlagzeilen macht, dann an seinem Zweitwohnsitz im Unterengadin. In der Engadiner Post äusserte sich der «Gesundheitsökonom» diese Woche zu den finanziellen Problemen des Spitals Oberengadin in Samedan. Das Management von Gesundheitsorganisationen ist gemäss Uni-Website einer seiner Forschungsschwerpunkte.

Sich zur schwierigen Situation des regionalen Spitals zu äussern, scheint Rüegg-Stürm besonders berufen zu sein, da er in Ftan ein Ferienhaus besitzt. «Ich bin der Region sehr verbunden und schätze als Bergler seit über 50 Jahren sowohl das Ober- als auch das Unterengadin», sagte er im Interview mit der Zeitung, die seinen Hintergrund bei Raiffeisen verschwieg.

Mediale Lawine

Für manche Einheimische müssen die Worte des St. Galler Professors jedoch wie Hohn klingen. So war es Rüegg-Stürm – zusammen mit anderen Zweitwohnungsbesitzern –, der gegen eine Wohngenossenschaft für Einheimische opponiert hatte. Ziel des Projekts war es, bezahlbaren Wohnraum für Familien zu schaffen. Die Gegner erhoben Einsprache gegen das Bauvorhaben. Als sich Betroffene in den sozialen Medien über «unsere lieben Zweitwohnungsbesitzer» ausliessen, entlud sich eine mediale Lawine.

Der Rekurs wurde inzwischen gutgeheissen, wie einem weiteren Eintrag zu entnehmen ist. «Gratuliere, ihr habt euer Ziel erreicht, es gibt vorerst keine Baubewilligung wegen euch!!», schreibt darin der Architekt Chasper Cadonau, der die Häuser bauen wollte. Mit scharfen Worten kritisiert er die Zweitwohnungsbesitzer, die nur hier seien, «um uns Probleme zu machen».

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