Barofsky-Untersuchungen
Der Chef des Amerika-Geschäfts und die Chefjuristin der Grossbank werden nächste Woche vor einem US-Senatsausschuss aussagen. Dort treffen sie auf Neil Barofsky, der nach Konten mit angeblichem Nazi-Bezug bei der früheren SKA sucht.
27. Januar 2026 • Beat Schmid

Es ist eine Affiche, auf die sie gerne verzichten würden: Der Justizausschuss des US-Senats hat Robert Karofsky, Americas-Chef der UBS, Co-Chef des Global Wealth Management und CEO-Kandidat, sowie Chefjuristin Barbara Levi als Zeugen für eine Anhörung vom 3. Februar vorgeladen.

Hintergrund der Anhörung ist die seit Jahren dauernde Kontroverse um angebliche Konten der Credit Suisse, die sie für Personen mit Bezug zur Nazi-Herrschaft geführt haben soll. Der Titel der Veranstaltung lautet: «The Truth Revealed: Hidden Facts Regarding Nazis and Swiss Banks». Als Zeugen ebenfalls sprechen werden Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center sowie Neil Barofsky (Bild), der umstrittene Ombudsmann, der die Untersuchung zu den Credit-Suisse-Konten leitet.

Initiiert wurde die Anhörung von den US-Senatoren Chuck Grassley und Sheldon Whitehouse. Sie wollen damit sicherstellen, dass Credit Suisse bei der Suche nach Beweisen zu Nazi-Konten kooperiert. Gelder von ehemaligen Nazi-Schergen waren beim historischen Vergleich von 1998 kein Thema. Damals zahlten Schweizer Banken insgesamt 1,25 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit nachrichtenlosen Konten von Holocaust-Opfern.

Kosmetik-Milliardär will mehr

Vertreter jüdischer Organisationen drängen schon länger auf eine Neubewertung des historischen Deals. Ronald Lauder, Kosmetik-Milliardär und Präsident des World Jewish Congress, sagte letztes Jahr, der Vergleich von 1998 sei unvollständig gewesen. «Wir hatten nicht alle Unterlagen, wir haben quasi blind verhandelt. Wahrscheinlich haben wir 5 bis 10 Milliarden Dollar auf dem Tisch liegen lassen

Auslöser der aktuellen Diskussion ist ein Bericht des Simon Wiesenthal Center aus dem Jahr 2020. Darin hiess es, man habe in Argentinien eine Liste mit rund 12’000 Nazis entdeckt, von denen viele bei ihrer Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg Geld auf Konten bei einer Vorgängerbank der Credit Suisse eingezahlt hätten.

Die UBS muss sich als rechtliche Nachfolgerin der Credit Suisse um das Thema kümmern. Letztes Jahr sagte die Grossbank, man sei «entschlossen, zu einer umfassenden Überprüfung der Credit-Suisse-Archive im Zusammenhang mit nazi-belasteten Alt-Konten bei Vorgängerbanken der Credit Suisse beizutragen». Man arbeite eng mit Barofsky zusammen und stelle «sämtliche notwendige Unterstützung» zur Verfügung, um dessen Untersuchung voranzubringen und «mehr Licht auf dieses tragische Kapitel der Geschichte zu werfen».

Barofsky verrechnet 2300 Dollar pro Stunde

Barofsky ist eine hoch umstrittene Figur. Ursprünglich wurde er im Jahr 2014 von der New Yorker Finanzaufsicht eingesetzt, nachdem die Credit Suisse im Steuerstreit mit den USA zu einer Strafe von 2,6 Milliarden Franken verurteilt worden war. Nach dem Erscheinen des Berichts des Simon Wiesenthal Center beauftragte die Credit Suisse die Beratungsfirma Alix Partners mit der Erarbeitung eines Untersuchungsberichts und in einem zweiten Schritt Barofsky als unabhängigen Überwacher. Im November 2022 hat die CS allerdings die Zusammenarbeit mit ihm beendet.

Damit ging der Streit erst richtig los. Während der Bericht von Alix Partners keine Indizien fand, dass die Hinweise des Simon Wiesenthal Center zutreffen, erhob Barofsky massive Vorwürfe gegenüber der CS. Die Bank habe ihn an der Ausübung seiner Arbeit gehindert, behauptete er. Sie sei auch gar nicht dazu bereit gewesen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und diese richtig zu untersuchen.

Nachdem die CS an die UBS verkauft wurde, setzte die Grossbank Neil Barofsky 2023 wieder ein. In seinem letzten Zwischenbericht erklärte er, er habe umfangreiches neues Material entdeckt sowie ein «Muster von Behinderung» seitens der Credit Suisse festgestellt. Der Abschlussbericht könnte im laufenden Jahr vorliegen.

Wie die NZZ enthüllte, lässt sich Barofsky für seine Arbeit fürstlich entschädigen: «Für sagenhafte 2300 Dollar die Stunde durchforstet der amerikanische Anwalt die CS-Archive nach Helfern und Helfershelfern der Nazis», schrieb das Blatt. Mit einem Freibrief der USA ausgestattet, sei der Anwalt «mächtiger als zuvor – und offenbar auch deutlich besser gelaunt».

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