Es war ein Skandal, der die UBS bis in die Grundfesten erschütterte. Der Investmentbanker Kweku Adoboli handelte ausserhalb der Bücher, um riesige Verluste zu verbergen. Als die Machenschaften aufflogen, kam es zu einem Köpferollen. Die UBS beschloss, die Investmentbank zu verkleinern.
Involvierte erinnern sich daran, wie der damalige Investmentbanking-Chef Carsten Kengeter in einem Telefonat CEO Oswald Grübel über den Handelsverlust in Kenntnis setzte. Grübel fragte Kengeter, ob der Verlust grösser als eine Milliarde sei. Als Kengeter das bestätigte, meinte Grübel nur: «Das war es dann mit uns beiden.»
Grübel trat von seinem Posten als CEO der Bank zurück, auch Kengeter musste gehen. Adoboli wurde verhaftet, ihm wurde der Prozess gemacht. Im Jahr 2012 wurde der gebürtige Ghanaer in London wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt, konnte das Gefängnis aber wegen guter Führung 2015 vorzeitig verlassen. Im Jahr 2018 wurde er aus Grossbritannien ausgeschafft. Der Verlust belief sich insgesamt auf 2,3 Milliarden Dollar.
Adoboli – ein Opfer?
Die beiden Regisseure Bernard Weber und Martin Schilt haben Adoboli über Jahre begleitet. Die Interviews für den Film und die Dreharbeiten fanden mehrheitlich in Accra, Ghana, statt, wo Adoboli heute lebt. Der Film stellt Adoboli als Opfer dar. Er sei Teil eines Systems gewesen, er habe nicht für den eigenen Profit gehandelt und sich nicht selbst bereichert.
Am Prozess plädierte er auf «nicht schuldig» und sagte, Teamkollegen und Vorgesetzte hätten von den unerlaubten Methoden gewusst. Im Film wird der Gerichtsprozess von 2012 in Ghana mit schwarzen Laienschauspielern anhand der originalen Protokolle nachgestellt.
Nach dem Rücktritt von Grübel übernahm Sergio Ermotti dessen Platz, zunächst als interimistischer CEO, später wurde er offiziell Konzernchef.
Die Doku «The Narrative» eröffnete die Solothurner Filmtage, die noch bis zum 28. Januar dauern. Die Schweizer Kinopremiere ist am 12. März 2026.

