Digital Assets Briefing
Die Vereinigten Arabischen Emirate sollten dem Crypto Valley das Wachstum bringen, das in der Schweiz ausblieb. Jetzt schlagen dort Raketen ein. Wie reagieren Krypto-Anbieter, die am Golf aktiv sind? +++ Dazu: Kraken erhält direkten Zugang zur Fiat-Welt +++ 20 Millionen Bitcoins sind produziert.
13. März 2026 • Werner Grundlehner

Der Zeitpunkt und das Ausmass des jüngsten Nahostkrieges haben viele überrascht. In den vergangenen Tagen machten Schweizer Touristen Schlagzeilen, die nicht aus Dubai und Abu Dhabi abreisen konnten und in den Emiraten blockiert waren. Auf Social Media kursieren Filme von Rauchsäulen in den Städten, die von Drohnen und Marschflugkörpern verursacht wurden.



Und in den Short Cuts diese Woche:
• Kraken erhält direkten Zugang zur Fiat-Welt
• 20 Millionen Bitcoins sind produziert


Doch die Angst der Touristen und Influencer ist das eine, das andere ist der Finanzplatz Arabische Emirate. Dubai und Abu Dhabi gelten als aufstrebende Standorte in der Bankenwelt, kaum eine globale Grossbank, die hier nicht ihre Präsenz ausbaut. Was für die traditionelle Finanzbranche gilt, ist für die Krypto-Branche noch stärker der Fall. Der Reichtum am Golf ist kryptoaffin. Laut einer Umfrage von Avaloq handeln bereits 39 Prozent der Anleger in den Golfstaaten mit Kryptowährungen – ein Wert, der deutlich über dem globalen Schnitt liegt. Diese Dynamik ist keineswegs kurzfristig: Die Verbreitung ist gemäss dem Research-Unternehmen ApeX-Protocol seit dem Jahr 2019 um 210 Prozent gestiegen.

Ein Einfallstor für Digital Assets

Die kryptofreundliche Gesetzgebung und die zukunftsgerichtete Finanzpolitik machen insbesondere Abu Dhabi zum zentralen Tor für die Kryptoindustrie. Die Marktzahlen von Chainalysis bestätigen diese Entwicklung. Zwischen Juli 2023 und Juni 2024 flossen Kryptovermögenswerte im Wert von rund 340 Milliarden Dollar in die Golfstaaten, das entspricht 7,5 Prozent des globalen Volumens.

Um abzuschätzen, wie Schweizer Krypto-Dienstleister mit der «Iran-Krise» umgehen, hat sich Tippinpoint im Crypto Valley umgehört. «Wir versuchen den jungen Mitarbeitern vor Ort ein Gefühl von Normalität zu vermitteln, indem wir auf ihren Wunsch am Standardmodus festhalten», sagt Mathias Ruch, Gründer und CEO des Venture-Capital-Fonds CVVC in Zug. Die meisten Angestellten seien um die 30 und von den ständigen Alarmmeldungen auf dem Handy gestresst und verängstigt. Viele hätten auch erfolglos versucht, einen Flug zu ergattern und die Region zu verlassen. Am 19. Februar hatte CVVC den in Abu Dhabi ansässigen Accelerator Elixir gekauft, um der wachsenden Nachfrage nach international vernetzten Blockchain-Startups gerecht zu werden.

Nach der Krise wird es «noch besser»

CVVC ist seit 2020 in den Emiraten aktiv. Gemäss Mathias Ruch würden Partner in Abu Dhabi und Dubai das Gleiche sagen: Die Führung der Emirate, die bereits bisher visionär agierte, werde nach der Krise alles daransetzen, dass die Voraussetzung nicht nur wieder gleich sein werden, sondern besser – auch um Vertrauen zurückzugewinnen. Die Einheimischen seien stolz, was in den vergangenen zwanzig Jahren erreicht worden sei und auch, wie mit der aktuellen Krise umgegangen werde. Die Ausschreibung für das nächste Elixir-Programm im Herbst für Start-up laufe weiter gut, ergänzt Ruch.

«Die Amina Bank betreibt eine von der FSRA regulierte Niederlassung in Abu Dhabi (ADGM), die von Teams in unseren weltweiten Büros unterstützt wird. Die Niederlassung betreut mit einem kleinen, engagierten Team vor Ort vermögende Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen», sagt Amina-CEO Franz Bergmüller. Als von der ADGM regulierte Niederlassung verfügt das Institut über eine Finanzdienstleistungsgenehmigung der FSRA, um professionelle Kunden in Bezug auf Investitionen und Kredite zu beraten sowie Geschäfte in den Bereichen Investitionen, Kredite und Verwahrung zu arrangieren. «Diese Dienstleistungen werden als Teil unseres breiteren Gruppenangebots erbracht, das hauptsächlich in der Schweiz angesiedelt ist», fügt der CEO an.

Mitarbeiterwohl im Zentrum

Der Betrieb der Amina Bank laufe weiterhin uneingeschränkt. Als Vorsichtsmassnahme habe das Institut seinen Business Continuity Plan (BCP) für die VAE aktiviert; alle Mitarbeiter hätten die Möglichkeit, von sicheren und konformen Standorten aus remote zu arbeiten. Der Kundenservice laufe ohne Unterbrechung weiter, und alle kritischen Funktionen würden wie gewohnt ausgeführt. «Die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität», so Bergmüller.

Allgemein verbreiten die Schweizer Anbieter in den Emiraten Zuversicht. Die Niederlassung von Sygnum Bank Middle East, verfügt über zehn Teammitglieder. Die Niederlassung arbeitet gemäss Giulia Finkbeiner-Bertoni eng mit der Sygnum Bank in der Schweiz zusammen und ist aus Infrastruktur- und Betriebssicht gut integriert. «Wir stellen sicher, dass unser Team sowie deren Familien geschützt werden und dass das Geschäft normal weitergeführt werden kann», sagt Finkbeiner-Bertoni, die Senior Executive Officer der Sygnum Bank Middle East ist.

Der Betrieb werde wie gewohnt fortgeführt. Das Unternehmen stehe in regelmässigem Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Abu Dhabi und befolge alle Empfehlungen im Zusammenhang mit der aktuellen Situation. «Trotz der Situation und obwohl es aufgrund der Nähe zu einem regionalen Konflikt naturgemäss zu gewissen Einschränkungen kommt, funktioniert Abu Dhabi weiterhin reibungslos, und die Stimmung bleibt insgesamt positiv», sagt Finkbeiner-Bertoni.

«Ein langfristiges Commitment»

Ähnlich äussert sich auch Bitcoin Suisse. Der Krypto-Dienstleister hat im Mai 2025 eine In-Principle Approval (IPA) von der FSRA des Abu Dhabi Global Market erhalten. «Wir befinden uns aktuell im Operationalisierungsprozess und bieten noch keine aktiven Dienstleistungen an», sagt Andrej Majcen, Group CEO von Bitcoin Suisse. In Zukunft werde das Unternehmen institutionellen Kunden den Handel mit Virtual Assets, Crypto Securities und Derivatives sowie lokale Custody-Lösungen anbieten. Das Team vor Ort umfasst sechs Mitarbeitende.

Mitarbeitende von Bitcoin Suisse aus der Schweiz, die sich zum Zeitpunkt des Kriegsbeginns in der betroffenen Region befunden haben, konnten zwischenzeitlich in die Schweiz zurückkehren. Die Verpflichtung zum Standort Abu Dhabi bleibt. «Unsere strategische Entscheidung für Abu Dhabi basiert auf der Stärke des regulatorischen Rahmens, den ADGM seit 2018 für digitale Vermögenswerte aufgebaut hat, einem der fortschrittlichsten weltweit. Diese strukturellen Fundamentalfaktoren sind unverändert. Unser Fokus liegt auf dem Aufbau eines regulierten, institutionellen Geschäfts, das ist ein langfristiges Commitment», erklärt Majcen.

Auf Ausfallsicherheit angelegt

Auf kleinerer Flamme kocht die Zürcher Privatbank Maerki Baumann. Das Institut ist in Abu Dhabi mit einer Niederlassung und zwei Mitarbeitern präsent. «Der Fokus der Geschäftstätigkeit liegt auf lokal ansässigen Unternehmen aus dem Tech-, Blockchain- und Kryptoumfeld, wobei die Bankdienstleistungen durch die Tech-Banking-Abteilung in Zürich erbracht werden», erklärt der Sprecher der Bank. Maerki Baumann stehe in engem Kontakt mit den Mitarbeitenden und orientiere sich an den Empfehlungen der Behörden in der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Anpassungen der Geschäftspläne in der Region würden zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Diskussion stehen, merkt der Banksprecher an.

Franz Bergmüller versichert: «Unser strategisches Engagement in den VAE bleibt unverändert. Die ADGM als Amina-Hub im Nahen Osten ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil unseres globalen Betriebsmodells, und wir konzentrieren uns weiterhin voll und ganz auf die Betreuung unserer Kunden in der Region». Die Infrastruktur von Amina sei auf Ausfallsicherheit ausgelegt. Vorübergehende regionale Störungen hätten keinen Einfluss auf die Fähigkeit, Dienstleistungen für die Kunden zu erbringen.

Die Schweiz könnte profitieren, wenn...

«Die Stimmung in der Finanzwelt der VAE ist von Widerstandsfähigkeit geprägt. Wir sind beeindruckt davon, wie die Behörden der VAE mit dieser sehr schwierigen Situation umgegangen sind, und diese Zuversicht wird von vielen unserer Partner und Kunden geteilt», sagt der Amina-CEO. Die VAE könnten auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken, wenn es darum gehe, Zeiten der Unsicherheit zu meistern und zu überwinden. «Auf Phasen der Störung folgte stets neues Wachstum», erklärt Bergmüller.

«Die aktuelle Krise zeigt, dass Stabilität und Rechtssicherheit entscheidende Faktoren sind und die Schweiz sich damit profilieren kann», sagt Ruch. Aber unser Land bewege sich weniger dynamisch als vor einigen Jahren, die Rahmenbedingungen für die Kryptoindustrie hätten sich verschlechtert – die Stablecoin-Problematik sein nur ein Beispiel von vielen. «Die Lücke könnte man noch schliessen, doch die Schweiz hat bezüglich Finanzen und Technik eine innovationsfeindliche Haltung eingenommen.»

Es ist gemäss Ruch zu früh, um abzuschätzen, ob der Nahostkrieg nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Kryptoindustrie in den Emiraten habe. Das vermeintliche Wachstumswunder Abu Dhabi zeigt seine Achillessehne. Das Kryptogeschäft in den Emiraten weist Parallelen zum Erdölgeschäft auf. Je länger der Krieg dauert, desto grösser werden die Disruptionen im Markt werden. Profitieren werden bei einem lange anhaltenden Konflikt andere Standorte. Die Schweiz hat dabei eher schlechte Karten. Besser gerüstet sind da die Vereinigten Staaten und Singapur.




Short cuts: News aus der digitalen Welt


Kraken erhält direkten Zugang zur Fiat-Welt

In den USA lösen sich die Grenzen zwischen traditioneller Finanzwelt und Krypto-Infrastruktur auf. Die Krypto-Börsenbetreiberin Kraken Financial erhält als erster Krypto-Dienstleister einen Federal Reserve Master Account. Damit kann die im US-Staat Wyoming-lizenzierte Tochtergesellschaft von Payward direkt auf die zentralen US-Zahlungsinfrastrukturen zugreifen – darunter den Fedwire Funds Service, den FedNow-Dienst sowie den National Settlement Service. Bislang musste Kraken für Dollar-Transaktionen auf Banken als Intermediäre zurückgreifen – dieser Umweg entfällt künftig vollständig. Das Masterkonto wurde zunächst für eine Laufzeit von einem Jahr genehmigt und ist mit Einschränkungen verbunden, die dem besonderen Geschäftsmodell von Kraken Rechnung tragen. Es handelt sich um einen sogenannten «Limited Purpose Account», der nicht den vollen Leistungsumfang eines klassischen Bankkontos bei der Fed bietet – Zinsen auf Reserven sind etwa nicht vorgesehen.

Fünf Tage nach dem Fed-Meilenstein legte Kraken nach. Nasdaq gab bekannt, mit Payward, Krakens Muttergesellschaft, ein System für die Ausgabe und den Handel tokenisierter Aktien zu entwickeln. Unternehmen, die an der Nasdaq gelistet sind, könnten künftig tokenisierte Versionen ihrer Aktien ausgeben, die auf der Blockchain existieren. Der 24-Stunden-Handel läuft nicht über klassische Broker, sondern über Kraken.


20 Millionen Bitcoins sind produziert

Ist es schon bald geschafft? Vor wenigen Tagen wurde der 20-millionste Bitcoin (BTC) produziert, d.h. gemined. Damit sind inzwischen rund 95 Prozent des maximalen Angebots von 21 Millionen Bitcoins im Umlauf. Doch das Ende des Mining werden wir nicht mehr erleben – das wird erst in etwa 105 Jahren der Fall sein. Dass die letzten Bitcoins noch über ein Jahrhundert auf sich warten lassen, liegt am eingebauten Halving-Mechanismus im Bitcoin-Protokoll. Ungefähr alle vier Jahre halbiert sich die Belohnung, die Miner für das Hinzufügen eines neuen Blocks erhalten. Diese künstliche Knappheit ist ein Argument, das für die Werthaltigkeit der Kryptowährung angeführt wird. In der Realität ist diese «Seltenheit» noch grösser, da ein gewisser Teil der Private Keys unwiderrufbar verloren sind.

MEHR ZUM THEMA


Maerki Baumann erhält Lizenz für Niederlassung in Abu Dhabi

Die Zürcher Privatbank zieht es in den Nahen Osten – dort will sie vor allem im Bereich Blockchain und Krypto aktiv sein.
5. Februar 2026

Schweizer Kryptobranche im Finma-Würgegriff

Eine weitere Aufsichtsmitteilung sorgt in der Blockchain-Industrie für Kopfschütteln. Der Regulator will die dezentrale Branche ins Bankenkorsett drücken. +++ Dazu: Bitcoin beweist Wert in Iran +++ Bitpanda: Kryptobörse will an die Börse.
16. Januar 2026

Der «neue» Bitcoin-Treiber für 2026

Die Fantasie kommt von der zweiten Ebene – skalierbare Lösungen auf der enormen Kapitalbasis des Bitcoins. +++ Dazu im Briefing: Treasury-Unternehmen dürfen vorerst im Index bleiben +++ Polymarket: Auf Hauspreise wetten.
9. Januar 2026