Heute Donnerstag geht die Reise der Regiobank Männedorf nach über 120 Jahren zu Ende. Die Aktionäre dürften aller Voraussicht nach grünes Licht für den Verkauf der Bank an die Acrevis-Gruppe geben. Damit verschwindet eine weitere Bank aus der Statistik. Ein paar wenige Jobs dürften ebenfalls verschwinden.
Neben Managementfehlern belasteten auch Investitionen in die Technik die Bank. Vermeintliche Commodity-Lösungen wie eine Twint-Anbindung drückten bereits aufs Budget der kleinsten Bank vom Zürichsee.
Revolut ist komplette das Gegenteil der Regiobank Männedorf. Allein im vergangenen Jahr gewann die Neobank rund 240’000 zusätzliche Kunden. Insgesamt zählt das Unternehmen inzwischen «mehr als eine Million Kunden» im Schweizer Markt – eine Marke, die allerdings bereits im April des Vorjahres erreicht worden war. Entsprechend sind die aktuellen Wachstumszahlen mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren.
Unumstritten ist dagegen, dass Revolut von erheblichen Skaleneffekten profitiert – nicht zuletzt durch seine internationale Struktur. Trotz der rasanten Kundenzunahme bleibt die Präsenz in der Schweiz schlank. Gemäss öffentlich zugänglichen Profilen auf Karriereportalen arbeiten an den Standorten Genf und Zürich lediglich rund 20 Personen. Revolut bleibt hierzulande damit ein klassisches «Lean Office». Der Grossteil der Wertschöpfung erfolgt ausserhalb der Schweiz.
40 Prozent der Jobs in Indien
Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist Indien. Revolut plant, bis Ende 2026 rund 40 Prozent seiner globalen Belegschaft dort zu beschäftigen. Das Unternehmen will in den nächsten fünf Jahren rund 500 Millionen Pfund in den Standortausbau investieren. Bis Ende 2026 sollen insgesamt etwa 1600 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Damit würde die lokale Belegschaft auf rund 5500 Mitarbeitende anwachsen.
Die neuen Jobs entstehen vor allem in den Bereichen Produktentwicklung, Operations und Finanzdienstleistungen – etwa in der Zahlungsabwicklung oder bei Betrugsanalysen. Weltweit beschäftigt Revolut derzeit rund 12’000 Personen.
Indien galt lange als Anbieterin von günstigen Offshoring-Diensten. Schweizer Banken haben schon vor über 20 Jahren erste Erfahrungen gesammelt. Doch inzwischen werden in Indien immer mehr zentrale Funktionen angesiedelt – von Technologie über Operations bis hin zu Forschung und Entwicklung. Indien sei einer der «tiefsten und dynamischsten Talentpools der Welt», heisst es bei Revolut. Der Tech-Hub spiele eine zentrale Rolle für die globale Skalierung.
Bereits heute werden dort zentrale Prozesse gesteuert – darunter Transaktionsüberwachung oder KI-gestützte Warnsysteme. Auch neue Anwendungen wie Video-KYC (Know Your Customer) werden in Indien entwickelt und anschliessend international ausgerollt.
Auch die ganz Grossen im Banking setzen zunehmend auf Indien. Im Februar hat die UBS bekannt gegeben, dass sie in Hyderabad und anderen Standorten einen massiven Ausbau mit bis zu 3000 neuen Stellen plant. Der Fokus liegt auf Technologie, Finanzen, Operations und dem Wealth Management. Dieser Ausbau steht im Kontrast zum Stellenabbau in der Schweiz nach der Credit-Suisse-Übernahme.

