Am Mittwoch findet die Generalversammlung von Leonteq statt. Eigentlich hätte Felix Oegerli dann in den Verwaltungsrat und zum Präsidenten der Derivateboutique gewählt werden sollen. Dazu wird es nun nicht kommen. Der Grund ist seine Verbindung zu Rainer-Marc Frey: Gemeinsam mit weiteren Aktionären hat er eine Gruppe gebildet, die ein grösseres Aktienpaket von Raiffeisen erworben hat. Als Teil dieser Gruppe gilt Oegerli nicht mehr als unabhängig. Zusammen halten die Aktionäre 30,1 Prozent an Leonteq.
«Im Sinne einer guten Corporate Governance hat Felix Oegerli als Mitglied der Aktionärsgruppe, die von Raiffeisen Leonteq-Aktien erwirbt, beschlossen, sich bis zum Abschluss dieser Aktientransaktion nicht zur Wahl als Präsident zur Verfügung zu stellen», teilte Leonteq Anfang März mit. Nur wenige Tage zuvor waren die Gruppenbildung sowie der Verkauf des Leonteq-Aktienpakets durch Raiffeisen bekannt geworden. Dies wiederum folgte rund zwei Wochen nach der Ankündigung Oegerlis als neuen VR-Präsidenten.
Wie Recherchen zeigen, wurde Leonteq davon überrascht, dass Oegerli an der Transaktion teilnahm und damit Teil der Gruppe wurde. Das brachte die Planung des Unternehmens durcheinander. Denn Oegerli, ein erfahrener Trader der ZKB, verlor damit seinen Status als unabhängiger VR-Kandidat. Leonteq musste die Wahl des neuen Präsidenten daher verschieben. Statt an der Generalversammlung vom kommenden Mittwoch soll sie nun an einer ausserordentlichen Generalversammlung erfolgen. Wann diese stattfindet, ist noch offen. Bis dahin bleibt der bisherige Präsident, Christopher Chambers, im Amt.
Alternativszenario für Oegerli
Ob Felix Oegerli überhaupt noch Präsident werden kann oder ein neuer Kandidat gesucht werden muss, ist offen. Vieles hängt davon ab, wie die Aktionäre auf die Konstellation reagieren. Zwar soll sich die Aktionärsgruppe um Rainer-Marc Frey nach Abschluss der Transaktion mit Raiffeisen wieder auflösen. Die entscheidende Frage ist jedoch, ab wann Oegerli wieder als unabhängiger Kandidat gelten kann.
Wie Leonteq selbst mitteilte, soll die Transaktion mit Raiffeisen spätestens im dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein. So lange bleibt die Gruppe mindestens bestehen. Für kundige Beobachter ist es ausgeschlossen, dass ein Kandidat in so kurzer Zeit wieder als unabhängig gelten kann. Unabhängig davon scheint Oegerli Rainer-Marc Frey ohnehin nahezustehen. Die Derivateboutique legt sich besser ein Alternativszenario für Oegli zurecht. Leonteq lehnte eine Stellungnahme ab.

