Der Goldpreis ist auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Im frühen Handel am Montag wurde die Feinunze mit 4383,78 Dollar bewertet. Damit übertraf das Edelmetall den bisherigen Rekord von 4381,52 Dollar, der im Oktober erreicht worden war.
Auslöser für den Preisanstieg waren Konjunkturdaten aus den USA, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden. So blieb die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze hinter den Erwartungen zurück, zugleich ging die Inflationsrate weiter zurück. Beides nährt die Hoffnung der Märkte, dass die US-Notenbank ihren Zinssenkungskurs fortsetzen könnte. Hinzu kommen die Spannungen in Zusammenhang mit Venezuela. Ebenfalls auf neue Rekordwerte kletterten Silber und Kupfer.
Gold gilt bei vielen Anlegern als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis in Dollar um mehr als 68 Prozent zugelegt. Der Bitcoin, dem lange Zeit ähnliche Eigenschaften zugeschrieben wurde, liegt im selben Zeitraum hingegen rund sieben Prozent im Minus.
Die meisten Ökonomen rechnen auch für 2026 mit steigenden Preisen. Die UBS prognostiziert in ihrem Ausblick für die erste Jahreshälfte einen Goldpreis von rund 4500 Dollar pro Unze. Heute Montag schreiben die Ökonomen von der UBS in einer Note, dass Montag sich Gold seine Position als die Anlageklasse mit der besten Performance im Jahr 2025 festigt. Trotz dieser Preisrallye ist die UBS der Ansicht, dass alle Faktoren, die den Anstieg des Goldpreises unterstützt haben, weiterhin bestehen bleiben, darunter die robuste Nachfrage von Investoren und Zentralbanken. «Wir betrachten Gold weiterhin als wirksames Instrument zur Diversifizierung von Portfolios», heisst es weiter.
Christian Iten von Philoro nennt zusätzlich hohe Schuldenstände und die expansive Fiskalpolitik der westlichen Volkswirtschaften. «Das entwertet Währungen – und diese Entwertung lässt sich mit Gold etwas aufhalten», sagt er. Er verweist zudem auf steigende Förderkosten, welche die Produktion von Edelmetallen verteuern. Er warnt allerdings auch: Sollten einzelne dieser Faktoren wegfallen, sei bei den hohen Kursen eine Korrektur nach unten möglich.
Ansturm Deutscher Goldkäufer
Die hohe Nachfrage nach Barren und Münzen spüren auch Schweizer Goldhändler. Gerade an den Tagen vor Weihnachten ist der Andrang an den Theken und Schaltern besonders hoch. «Viele Kunden investieren jetzt nicht nur in Gold, um ihre Anlagewerte abzusichern, sondern weil sie Rendite erwarten. Die Anlegerstimmung bei Gold ist auf dem Höhepunkt», sagt Iten von Philoro.
Neben Einheimischen strömen auch viele deutsche Goldkäufer in die Filialen. Bereits vor der Pandemie verzeichneten Händler einen starken Anstieg deutscher Kundinnen und Kunden. «Nun beobachten wir wieder eine deutlich steigende Tendenz», sagt Christian Iten, PR-Manager des Goldhändlers Philoro mit Filialen in Zürich und Wittenbach bei St. Gallen. Inzwischen kommt etwa jeder fünfte Kunde aus Deutschland.
Warum kommen Deutsche in die Schweiz, um Gold zu kaufen oder zu verkaufen? Ein Grund liegt in den lockeren Bestimmungen, die in der Schweiz gelten: Bis zu einem Wert von 15’000 Franken kann das Edelmetall ohne Identifikations- oder Herkunftsnachweis gekauft werden. In Deutschland liegt die Grenze wesentlich tiefer – bei 2000 Euro. Zudem darf Gold bis zu einem Wert von 10’000 Euro ohne Deklarationspflicht über die Grenze transportiert werden – sowohl in die Schweiz als auch zurück nach Deutschland. Zolltechnisch wird Gold wie Bargeld behandelt.
«Gold-Tourismus» wird zum Thema
Der zunehmende «Gold-Tourismus» zwischen der Schweiz und Deutschland ist in deutschen Medien zum Thema geworden. In einem Beitrag auf dem Sender SWR werden Vergleiche gezogen zu Zeiten, als deutsche Steuerflüchtlinge illegal Vermögen in der Schweiz bunkerten. Ein Sprecher des zuständigen Hauptzollamts Ulm, das für die Grenzposten im Südosten Deutschlands zuständig ist, winkt allerdings ab. Es sei kein Vergleich zu Zeiten des Steuerstreits, als Zollbeamte zum Teil grosse Mengen an Bargeld und Gold sicherstellten. Besonders beliebt seien damals Krügerrand-Münzen aus Südafrika gewesen.
Der Sprecher räumt allerdings ein, dass dies auch damit zusammenhängen könnte, dass der Zoll keine Statistiken über legal eingeführtes Gold unter der Meldeschwelle führt. So lässt sich mangels Daten nicht feststellen, wie gross der «Gold-Tourismus» zwischen Deutschland und der Schweiz tatsächlich ist. Klar ist aber auch: Die höheren Freigrenzen in der Schweiz bilden einen Anreiz für Deutsche, schwarz erzielte Einkünfte in Gold umzutauschen. Sonst würden sie wohl kaum das Risiko auf sich nehmen, hohe Bargeldsummen über weite Strecken zu transportieren, sagt der Sprecher des Ulmer Hauptzollamts.

