Digital Assets Briefing
Ein Goldhändler und ein Social-Market-Place finden gefallen an der Verbindung von Edelmetall und Blockchain. Doch greifen die anvisierten Eishockeyfans so tief in die Tasche?
26. April 2024 • Werner Grundlehner

Sie haben es wieder gemacht. Vor einem Jahr lancierte Philoro und Vivents das «Crypto Vreneli». Am vergangenen Mittwoch präsentierten der Goldhändler und der Kunst-Social-Market-Place nun den «Eisgenoss», den gemäss Einladung zur Präsentation «weltweit ersten phygital Eishockey-Puck».



Und in den Short Cuts diese Woche:
• SEC verschiebt die Entscheidung über weitere Ethereum-Spot-ETF
• Belastet Mt. Gox den Bitcoin erneut?


«Phygital» steht dabei für die Fusion zweier Anlageklassen: physisch und digital. Das «Crypto-Vreneli», das vor einem Jahr lanciert wurde, ist gemäss Website von Philoro in vier Tranchen à 25 Stück aufgelegt worden – und ausverkauft. Der Eisgenoss ist etwas anders aufgebaut, als das Crypto Vreneli, das als erster Phygital Asset Coin angepriesen wurde.

Eishockey-Spitze präsentiert Fan-Puck

Die Spitze des Eishockeyverbandes, der Nationaltrainer, mehrere aktuelle Nationalspieler und die Geschäftsführung von Philoro und Vivents präsentierten im vollen Club Aura am Bleicherweg in Zürich einen neuartigen Fan-Puck mit integriertem Chip. Der Puck wird in einer limitierten Auflage aus Gold, Silber und herkömmlichem Hartgummi herausgegeben. Der «Eisgenoss» in der Gold-Edition ist als einzelnes Unikat in Gold (2,293 Kilogramm), die Silber-Edition (1 Kilogramm) zu 200 Stück und im Original-Design (Hartgummi) zu 2'500 Exemplaren erhältlich. Das Sammlerobjekt wird gemeinsam von der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF), dem Schweizer Goldhändler philoro und dem auf Web 3.0 spezialisierten Unternehmen Vivents im Hinblick auf die Eishockey-Weltmeisterschaft der Herren lanciert, die im Jahr 2026 in der Schweiz stattfinden wird.

Der «Eisgenoss» enthält in seinem Innern zahlreiche Fan-Erlebnisse. Diese werden beim Auslesen des Chips mit dem Handy abgerufen. Das geht von Vorkaufsrechten auf WM- und Länderspiel-Tickets, VIP-Eintritte zu Länderspielen, «Meet and Greets» mit Schweizer Eishockeystars, exklusiven Behind-the-Scene-Erlebnissen, signierten Merchandising-Artikeln über exklusive Informationen und multimedialen Content bis zu Mitspracherechte durch Votings.

Rechte auf der Blockchain gesichert

Die Rechte sind auf der Blockchain gespeichert und mit dem Chip verbunden. Wird das «Sammelobjekt» verkauft gehen auch die Rechte mit. Der Puck als deklariertes Sammlerstück hat einen Preis, der weit über den Materialwert des Objekts hinausgeht. Der «Eisgenoss»-Puck aus Gummi kostet 300 Franken, die Ausgabe aus Silber 3'300 Franken und das Unikat aus Gold 300'000 Franken.

Beim Gold-Puck übersteigt der Preis den reinen Wert des Edelmetalls um rund 144’000 Franken, bei der Silber-Ausführung sind es 2500 Franken. Der Rest entfällt auf die Herstellungskosten, den Chip und die darin enthaltenen Fan-Goodies. Zudem gibt es auch einen philanthropischen Aspekt: Ein Teil des Verkaufserlöses der Pucks fliesst direkt in die Nachwuchsförderung des Schweizer Eishockeys.

Dieses Mal ohne NFT

Es bleibt die Frage, ob die «durchschnittlichen» Eishockey-Supporter bereit sind, für ein elektronisches Blockchain-Gadget mit Edelmetall- (oder Gummi-)hülle so tief in die Tasche zu greifen. Vielleicht sehen die Fans die Goldentwicklung so positiv wie die Moderatorin des Anlasses im Club Aura. Sie extrapolierte gleich einmal die jüngste Vergangenheit und kündigte Gold, als das Edelmetall an, das «jedes Jahr 30 Prozent an Wert gewinnt». Wenn man diese Ansicht teilt, ist man jedoch besser bedient, wenn man ohne Aufpreis direkt ins Edelmetall investiert.

Beim (ausverkauften) Crypto-Goldvreneli lässt sich der integrierte NFT via App von der physischen Goldmünze trennen und separat handeln. Jeder Chip im Crypto Goldvreneli, das aus einer Unze Gold besteht, speichert dabei ein unikates Vreneli-Motiv in Pixel-Art-Grafik, das an die bekannten Crypto-Punks-Charaktere angelehnt ist. Vor einem Jahr wurde das Goldvreneli zu 7999 Franken verkauft, der Käufer bezahlte für den NFT nach damaligem Wert rund 6000 Franken. Da der NFT-Hype deutlich an Schubkraft verloren hat, ist der Eisgenoss-Puck «nur» noch Blockchain basiert.

Der Erfolg des Crypto Vreneli hat Philoro und Vivents auf den Geschmack gebracht. Es bleibt abzuwarten, welche weitere Verbindung von Edelmetall und Blockchain auf den Markt kommen – wenn erneut die älteste Anlageklasse auf die jüngste trifft – und welchen Aufpreis die Investoren für den Sammleraspekt zahlen müssen.




Short cuts: News aus der digitalen Welt

SEC verschiebt die Entscheidung über weitere Ethereum-Spot-ETF

Die US-Börsenaufsicht SEC scheint auf Zeit zu spielen. In einer Mitteilung vom 23. April teilt die Behörde mit, dass sie mehr Zeit für eine Genehmigung oder Ablehnung der vorgeschlagenen Regeländerung brauche, um grünes Licht für die Marktzulassung von kotierten Indexfonds (ETF) von Franklin Templeton und Grayscale’s zu geben, die den Kassa-Kurs des Ether abbilden. Die Kommission will nun am 11. beziehungsweise 23. Juni über diese Anträge entscheiden. Die jüngsten Verzögerungen kommen genau einen Monat vor der lang erwarteten endgültigen Frist am 23. Mai, bis zu der die Behörde über den Ethereum-ETF-Antrag von VanEck entscheiden soll. Denn im März verschob die SEC die Entscheidungen über die Anträge von BlackRock, Fidelity und VanEck für die Zulassung eines Ethereum-Spot-ETF.

Nach der Bewilligung von Bitcoin-Spot-ETF im Januar waren die Marktteilnehmer zuversichtlich gewesen, dass in Bälde vergleichbare Produkte für Ethereum auf den Markt kommen würden. Diese Hoffnungen haben sich jedoch im Laufe des letzten Monats grösstenteils zerschlagen. Mitte März forderten die demokratischen Senatoren Jack Reed und Laphonza Butler den SEC-Vorsitzenden Gary Gensler dazu auf, keine weiteren ETF zu genehmigen. Jede weitere Zulassung sei mit «enormen Risiken» verbunden, «die sich auf dünn gehandelte Kryptowährungen oder Kryptowährungen beziehen, deren Preise besonders anfällig für Pump-and-Dump oder andere betrügerische Machenschaften sind», heisst es im gemeinsamen Schreiben der Senatoren. Kurz darauf leitete die Börsenaufsicht eine Untersuchung darüber ein, ob die weltweit zweitgrösste Kryptowährung Ethereum, als Wertpapier eingestuft werden sollte. Wäre das der Fall, kämen die geltenden Wertpapiergesetze und -vorschriften zur Anwendung. Dies würde zusätzliche regulatorische Anforderungen und Compliance-Verpflichtungen für die ETF-Anbieter bedeuten.


Belastet Mt. Gox den Bitcoin erneut?

Im Jahr 2014 musste die Kryptobörse Mt. Gox nach einer Welle von Hackerangriffen Insolvenz erklären. Das war einer der ersten Bitcoin-Skandale. Die Plattform war einer der wichtigsten Wettbewerber im Bitcoin-Handel, die Kryptowährung handelte damals noch im zweistelligen Dollarbereich. Im August 2013 wurden rund 60 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumens über Mt. Gox abgewickelt.

Nach der Insolvenz warteten die Gläubiger seit 10 Jahren auf die Rückzahlung ihrer Forderungen. Nun sollen 9 Milliarden Dollar zur Auszahlung kommen. Das könnte nach Ansicht von Analysten den Bitcoin-Kurs belasten. Über 9,4 Milliarden Dollar in Bitcoin und 72 Millionen in Bitcoin Cash sind bei den rund 127’000 Gläubigern offen. Dazu kommen weitere 446 Millionen Dollar in bar.

Im Januar hat der Treuhänder von Mt. Gox begonnen, die Gläubiger zu kontaktieren und ihre Identität und Kryptobörsenkonten zu bestätigen, die zur Rückzahlung der geschuldeten Bitcoin und Bitcoin Cash verwendet werden. Anfang dieser Woche meldeten einige Mt.-Gox-Gläubiger auf Reddit, dass sie Aktualisierungen bei ihren Forderungen gesehen haben. Diese Aktualisierungen könnten bedeuten, dass Gläubiger bereits im nächsten Monat Bitcoin zurückerhalten könnten, interpretierten Analysten.

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