Sustainability
Zunächst gab es ein Dementi – jetzt ist klar: Das auf Nachhaltigkeitsanlagen spezialisierte Fintech zieht sich vom deutschen Markt zurück. Mitgründer und CEO Tillmann Lang in neuer Rolle.
19. Februar 2026 • Beat Schmid

Das Zürcher Finanz-Startup Inyova hat sich vom deutschen Markt zurückgezogen. Wer die lokale Website aufsucht, findet lediglich einen Link zu einem Euro-ETF-Produkt, das kurz vor Weihnachten in der Schweiz und an der Börse in Frankfurt gelistet wurde.

Doch die eigene Portfolio-Lösung wie in der Schweiz ist nicht mehr zugänglich. Wie ein deutsches Robo-Advisor-Portal schreibt, wurde das Deutschland-Geschäft Ende 2025 eingestellt, Neuanlagen seien nicht mehr möglich, Bestandskunden mussten alternative Lösungen finden.

Das Unternehmen hatte den Einstieg in den deutschen Markt 2021 angekündigt. Das Fintech setzte sich das Ziel, «Millionen von Menschen» zu Impact-Investoren zu machen, wie Mitgründer Tillmann Lang damals sagte. Die Mittel für den Schritt in die internationalen Märkte hatte sich Inyova zuvor mit Finanzierungsrunden beschafft.

Tiefsitzende Aktienaversion

Doch der Markt für Robo-Advisor in Deutschland ist noch härter umkämpft als in der Schweiz. Im Land der Sparer und Pfennigfuchser herrscht eine tiefsitzende Aktienaversion. In einem solchen Umfeld mit einer Lösung zu reüssieren, die genügend Gebühren abwirft, ist kein Spaziergang.

Für Lang und sein Gründungsteam fühlte sich der Schritt dennoch sicher an. Er selbst und zwei weitere Gründer stammten aus Deutschland. «Wir sind ein Schweizer Startup mit deutschen Wurzeln», sagte Lang in einem Interview. Der Schritt nach Berlin ändere am Bekenntnis zur Schweiz aber nichts. «Unsere Technologie haben wir in der Schweiz entwickelt, und sie wird auch hier weiterentwickelt.»

Jetzt also der erfolgte Rückzug aus Deutschland, der mutmasslich schon vor Monaten eingeleitet wurde, aber nie öffentlich kommuniziert worden ist. Schlimmer noch: Tillmann Lang dementierte noch im Dezember gegenüber Tippinpoint einen Bericht von Inside Paradeplatz, wonach das Unternehmen in Schwierigkeiten stecke, sich aus Deutschland zurückziehe und er als CEO zurücktrete. «Wir ziehen uns nicht aus dem deutschen Markt zurück. Der CEO ist weiter im Amt und schreibt Ihnen diese Zeilen», schrieb er in einer E-Mail vom 12. Dezember.

Falsche Aussagen

Das entpuppt sich nun als falsch. Tillmann Lang selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er sei «on leave», heisst es in einer Abwesenheitsnotiz. Sein Mitgründer Erik Gloerfeld schreibt zur irreführenden Kommunikation seines Compagnons: «Wir sind weiterhin im deutschen Markt tätig, allerdings mit einem regulatorisch viel schlankeren ETF-Modell.» Und zur CEO-Rolle seines Mitstreiters schreibt er: «Herr Lang ist weiterhin operativ bei Inyova tätig.» Auf die Nachfrage, welche Rolle er denn genau ausübt, reagierte Gloerfeld nicht.

Auf der Website von Inyova wurden die Funktionen der beiden inzwischen angepasst. Erik Gloerfeld wird nun als «Co-Founder & CEO» geführt, Tillmann Lang als «Co-Founder & CFO, Verwaltungsrat». Weiterhin nichts zu lesen gibt es zum Rückzug aus Deutschland.

Spektakuläre PR-Aktion

Das Startup wurde 2022 mit einer sehr erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne schweizweit bekannt. Dem Unternehmen gelang es, innerhalb kurzer Zeit sieben Millionen Franken von knapp 3'000 Investorinnen und Investoren einzusammeln. Kurz darauf lancierte Inyova mit ihrem Aushängeschild Tillmann Lang eine spektakuläre PR-Aktion in Deutschland. Im Stile eines aktivistischen Grossinvestors wollte er den deutschen Autokonzern BMW aufmischen und schlug im Vorfeld der Generalversammlung eine eigene Aufsichtsrätin vor. Alle grossen deutschen und Schweizer Medien berichteten ausführlich über den «kleinen, aber umso aktiveren Investor».

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