«We love UBS»
Die Schweiz liebe die UBS und möchte, dass sie bleibe, sagte die oberste Handelsunterhändlerin einem amerikanischen Medium. Wie kommt sie dazu?
20. November 2025 • Beat Schmid

Helene Budliger ist die oberste Handelsunterhändlerin der Schweiz und spielt eine wichtige Rolle in den Zollverhandlungen mit den USA. Nach dem Kniefall im Weissen Haus wirft sie sich nun auch vor der UBS in den Staub. An einem Event in Singapur sagte sie wörtlich: «Wir lieben die UBS, deshalb möchten wir wirklich, dass sie bleibt.» Damit brachte sie stellvertretend fürs ganze Land den innigen Wunsch zum Ausdruck, dass die Grossbank nicht ins Ausland abwandert.

Ihre Aussagen, die von Bloomberg TV verbreitet wurden, stehen im Zusammenhang mit anhaltenden Gerüchten, die Schweizer Grossbank könnte wegen der verschärften Eigenkapitalbestimmungen ihren Sitz von der Schweiz in die USA oder in ein anders Land verlegen. Die Financial Times schrieb diese Woche, UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher habe sich in den vergangenen Monaten mit dem US-Finanzminister Scott Bessent getroffen, um über eine mögliche Sitzverlegung zu sprechen.

Ob es das Treffen tatsächlich gegeben hat, weiss auch Helene Budliger nicht. Sie scheint wie alle anderen im Dunkeln zu tappen. Im Interview sagte die Topdiplomatin: «Ich würde annehmen, dass ein so wichtiger Präsident einer so wichtigen Bank von Zeit zu Zeit ein Gespräch mit dem US Treasury führt», sagte sie. «Aber ich kann nicht bestätigen, dass das tatsächlich der Fall ist.»

Geniale Strategie?

Die UBS schweigt dazu. Sie will das Treffen weder bestätigen noch dementieren. Das US-Finanzministerium liess eine entsprechende Anfrage diese Woche ebenfalls unbeantwortet. Ein Sprecher der Grossbank sagte lediglich: «Wie wir wiederholt gesagt haben, wollen wir weiterhin als globale Bank erfolgreich aus der Schweiz heraus operieren.» Indem sich die Bank nicht klar zum Standort Schweiz bekennt und so die Wegzugsgerüchte am Köcheln hält, schafft sie maximale Unsicherheit. Das ist in ihrem Sinn.

Die Kommunikationsstrategie der Bank beeindruckt sogar ausgefuchste Lobbyisten in Bern. «Die Botschaft kommt zielgerichtet in den entscheidenden Parlamentarier-Kreisen an und scheint dort die beabsichtigte Wirkung zu entfalten», sagt ein Insider. Zwar sei die Drohung etwa so realistisch, wie wenn die Zürcher Kantonalbank ihren Sitz aus steuerlichen Gründen nach Uri verlegen würde. Doch das würden nur die wenigsten durchschauen.

Die Drohungen wirken; das extreme Powerplay scheint aufzugehen. Nachdem bereits die Wirtschaftskommission des Nationalrats eingeknickt und Zugeständnissen bereit ist, umschmeichelt nun eine Topvertreterin der Regierung im Namen des ganzen Landes den UBS-Verwaltungsrat.

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