Komplexe und hochriskante Devisen-Derivate beschäftigen die Schweizer Private-Banking-Szene seit Wochen. Viele vermögende Kundinnen und Kunden, aber auch sogenannte Affluents mit bescheideneren Mitteln, investierten in sogenannte Range Target Profit Forwards (RTPF). Nach dem starken Einbruch des US-Dollars wurden bei diesen Produkten sogenannte Kick-in-Levels unterschritten, was Nachschusspflichten auslöste.
Das mutmasslich grösste Problem mit frustrierten Kunden hat das Wealth Management der UBS, das die Produkte im Rahmen von «Sales Pushes» in den Vertrieb drückte. Wie viele Kundinnen und Kunden betroffen sind, ist unklar. Aufgrund von Rückmeldungen aus Anwaltskreisen ist jedoch davon auszugehen, dass es sich um mehrere Hundert handelt. Viele befinden sich in der Ostschweiz und in St. Moritz.
Wie Recherchen zeigen, haben auch andere Banken in der Schweiz hochspekulative, gehebelte Devisen-Derivate an ihre Kundschaft verkauft – darunter Julius Bär und die Deutsche Bank (Schweiz). Beide Institute sollen RTPF-Derivate teilweise auch an ausländische Offshore-Kundinnen und -Kunden verkauft haben, wie aus verlässlichen Quellen zu erfahren ist.
«Nur für interessierte Kundinnen und Kunden»
Eine Sprecherin von Julius Bär bestätigt das Engagement. In einer Stellungnahme heisst es: «Julius Bär bietet derartige komplexe und spezielle Derivatprodukte nur für interessierte Kundinnen und Kunden mit einer erhöhten Risikotragfähigkeit und profunden Kenntnissen und Erfahrungen in der Produktart an, das heisst in erster Linie solchen, deren Anlageverhalten dem von professionellen Investorinnen und Investoren entspricht.»
Zugleich verneint die Bank, dass sich Kundinnen und Kunden wegen der Produkte beschwert hätten: «Uns sind keine Kundenbeschwerden im Zusammenhang mit diesen Produkten aufgrund der jüngsten Verwerfungen bekannt.» Eine Sprecherin der Deutsche Bank (Schweiz) lehnte eine Stellungnahme ab.
Gefährlich sind die Produkte vor allem wegen des hohen Verlustpotenzials. Aufgrund der Nachschusspflicht sind Kundinnen und Kunden gezwungen, innert kurzer Zeit hohe Summen zu investieren – etwa, indem sie Devisen zu einem Kurs kaufen müssen, der deutlich ungünstiger als der aktuelle Marktpreis ist. Während die Produkte für die Banken lukrative Handelserträge generieren, tragen die Anlegerinnen und Anleger oftmals unverhältnismässige Risiken.
Heikle Entschädigungen
Die UBS befindet sich im Gespräch mit Kunden, die Verluste erlitten haben. Dabei geht es offenbar auch um mögliche Entschädigungszahlungen. Privatkunden stellen sich auf den Standpunkt, ihnen seien komplexe Produkte verkauft worden, die sie nicht verstanden hätten und die nur für erfahrene Anleger geeignet seien.
Entschädigungen bei Anlageverluste zu zahlen, ist heikel, da sie ein Präjudiz schaffen und eine Bank verpflichten Rückstellungen zu bilden.