Das auf Konsumkredite spezialisierte Finanzunternehmen tritt auf die Kostenbremse und baut in der Schweiz 72 Vollzeitstellen ab.
22. Februar 2024 • Beat Schmid

Wie Cembra heute mitteilte, wird das auf Privatkredite und Zahlungsverkehr spezialisierte Finanzunternehmen mehr Arbeitsplätze nach Riga in Lettland verlagern. Man wolle die Technologie- und Servicekompetenz im Baltikum «verstärkt nutzen», um Dienstleistungen für andere Unternehmensbereiche zu erbringen. Zudem prüfe Cembra die Auslagerung bestimmter Prozesse im Bereich der Kundenbetreuung, heisst es weiter.

Dies werde auch Auswirkungen auf die Belegschaft haben. Bis Ende Jahr will Cembra den Personalbestand von 902 auf 830 Vollzeitstellen reduzieren. Den Abbau von 72 Vollzeitstellen wolle das Unternehmen möglichst über natürliche Fluktuation und Frühpensionierungen erreichen, teilte das Unternehmen mit. Wo Entlassungen unumgänglich seien, würden die Betroffenen mit einem Sozialplan unterstützt. Mit der Arbeitnehmervertretung werde ein Konsultationsverfahren eingeleitet.

Rekordergebnis verpasst

Operativ konnte die Bank nicht an das Rekordergebnis des Vorjahres anknüpfen. Der Reingewinn der Cembra ging um 7 Prozent auf 158 Millionen Franken zurück. Höheren Kommissions- und Gebührenerträgen stand ein tieferer Erfolg aus dem Zinsengeschäft gegenüber, wie die Bank mitteilte. Der Nettoertrag stieg leicht um 1 Prozent. Die Verlustrate blieb mit 0,8 Prozent «robust».

Im Privatkreditgeschäft sanken die Nettoforderungen im vergangenen Jahr um 1 Prozent auf 2,4 Milliarden Franken. Gleichzeitig konnte Cembra die Zinserträge um 5 Prozent steigern. In der Fahrzeugfinanzierung stiegen die Nettoforderungen hingegen um 6 Prozent auf 3,1 Milliarden Franken. Der Zinsertrag stieg um 13 Prozent auf 150,8 Millionen Franken.

Leicht rückläufig war das Kreditkartengeschäft. Der Zinsertrag ging um 1 Prozent auf 87,9 Millionen Franken zurück. Die Anzahl ausgegebener Karten sank per Ende Jahr auf 1'027'000, was einem Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Im Bereich Buy Now Pay Later stieg das Rechnungsvolumen per Ende 2023 um 88 Prozent auf 898 Millionen Franken, was vor allem auf die Konsolidierung von CembraPay zurückzuführen ist. Die Kommissions- und Gebührenerträge haben sich mehr als verdoppelt.

Cembra passt auch ihre Organisationsstruktur an. Künftig wird es zwei Geschäftsbereiche geben: Lending und Payments. Der Bereich Lending umfasst das Privatkredit- und Autofinanzierungsgeschäft und wird von Peter Schnellmann, bisher Chief Sales and Distribution Officer, geleitet. Christian Stolz, bisher CEO von CembraPay (vormals Byjuno), leitet den Geschäftsbereich Payments, der das Kreditkarten- und BNPL-Geschäft umfasst. Cembra wird im laufenden Jahr eine Segmentberichterstattung für die Geschäftsbereiche Payments und Lending einführen.

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