Noch vor Credit Suisse?
Der amerikanische Bankengigant soll die Credit Suisse in ihrer Paradedisziplin überholt haben, dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen und Börsengängen. Die Schweizer Grossbank sieht sich allerdings weiterhin an der Spitze.
13. Dezember 2022 • Beat Schmid

Wenn Schweizer Unternehmen eine Investmentbank brauchen, weil sie eine Übernahme, einen Börsengang oder den Verkauf einer Firmensparte planen, dann ist die Credit Suisse oftmals die erste Wahl. Als Peter Spuhler seine Stadler Rail an die Börse brachte, war die CS-Investmentbank zur Stelle. Als Roche 2009 Genentech übernahm, war Credit Suisse eine der Banken, die Bonds im zweistelligen Milliardenbereich platzierte.

Auch heute ist die CS-Investmentbank in der Schweiz eine Top-Adresse und soll auch eine bleiben in der neuen Strategie. Und doch: Wie eine aktuelle Auswertung von Dealogic zeigt, hat sie ihren Spitzenplatz in der Schweiz eingebüsst. Per Dezember 2022 liegt sie hinter der US-Grossbank J.P. Morgan auf Platz zwei.

“J.P. Morgan ist die führende internationale Investmentbank in der Schweiz und konnte auch im Jahr 2022 eine starke Bilanz vorweisen”, heisst es in einer Präsentation, die Spitzenvertreter der Investmentbank von J.P. Morgan gestern vor Medienvertretern hielten.

CS auf Platz 2, UBS auf Platz 5

Investmentbanking-Schweiz-Chef Reinout Böttcher, Dirk Albersmeier, Global Co-Head M&A, sowie Stefan Weiner, Head ECM Nothern Europe, zählten eine Reihe von Deals auf, bei denen sie involviert waren. Etwa bei der 2,4 Milliarden-Übernahme von Valora durch Femsa, bei der Fusion des Genfer Aromen- und Duftstoffhersteller Firmenich mit DSM oder bei der 650-Millionen-Finanzierungsrunde von Climeworks. Diese und andere Deals spülten gemäss Dealogic-Daten Fees in der Höhe von 77 Millionen Dollar in die Kassen der US-Grossbank, die in der Schweiz über alle Divisionen mittlerweile 900 Personen beschäftigt.

Bei der Credit Suisse beträgt das sogenannte Wallet 70,7 Millionen. Sie liegt damit auf Platz 2. Auf den weiteren Plätzen kommen Bank of America (61,2 Millionen Dollar), Citi (60,2 Mio.) und die UBS mit 50,9 Millionen. Die Dominanz von US-Grossbanken im Investmentbanking zeigt sich in vielen Märkten, oftmals belegen sie die ersten fünf Positionen.

Allerdings, bei der Credit Suisse lösten die Zahlen keine Freude aus. Wie ein Sprecher gegenüber Tippinpoint sagt, seien Zahlen von J.P. Morgan “schlicht irreführend”. Die CS sei gemäss offiziellen Dealogic-Zahlen nach wie vor die klare Nummer 1 auf dem Schweizer Markt mit generierten Fees in der Höhe von 153 Millionen Franken und einem Marktanteil von über 14 Prozent. Die UBS kommt auf Platz 2 und erst dann J.P. Morgan.

Insgesamt dürfte 2022 aber als eines der schlechtesten Jahre für Investmentbanken in die Geschichte eingehen. Möglicherweise fällt es noch schlechter aus als 2020, als die Covid-Krise viele Transaktionen verzögerte. Damals schrumpften die kumulierten Gebühreneinnahmen in der Schweiz auf 990 Millionen Dollar. Per Dezember 2022 betragen die Einnahmen 900 Millionen.

Besonders schlecht läuft dieses Jahr das Geschäft mit Börsengängen. In der Schweiz gab es 2022 wie schon 2021 nur ein einziges IPO. Im Mai ging die Immobiliengesellschaft Epic Suisse an die Börse.

Ob es 2023 wieder zu einem Nachholeffekt kommt wie schon 2021, als die Deals in die Höhe schossen und den Investmentbanken ein Rekordjahr bescherten, ist allerdings ungewiss. J.P. Morgan blickt jedenfalls eher pessimistisch ins nächste Jahr.

Fusions- und Übernahmemöglichkeiten würde zwar weiterhin in den Teppichetagen von Unternehmen diskutiert werden. Doch das Tempo sei aufgrund der wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten, der Lage auf den Finanzierungsmärkten und der Volatilität der Kapitalmärkte deutlich gedrosselt, führten die J.P. Morgan-Investmentbanker Böttcher, Dirk Albersmeier und Stefan Weiner in der Präsentation aus.

Der Artikel wurde ergänzt mit einer Stellungnahme der Credit Suisse.>